Handelt habgierig, wer sich Aufwendungen ersparen will?

Überblick

Vorliegend wird darum gestritten, ob für das Streben nach Vermögensvorteilen um jeden Preis die Absicht ausreicht, Aufwendungen zu ersparen oder Verluste zu vermeiden.1

Die Auffassungen und ihre Argumente

1. Ansicht - Für „Habgier“ iSd. § 211 StGB genügt es nicht, sich nur Aufwendungen ersparen zu wollen.2

Nach dieser Auffassung stellt ein solches Verhalten zwar keine Habgier dar, kann allerdings auf der Ebene der allgemeinen niedrigen Beweggründen eingeordnet werden.

Argumente für diese Ansicht

Wortlaut

Dem Wortlaut bzw. der Definition nach umfasst Habgier begriffsnotwendig nur den angestrebten Zuwachs.3

Keine Gleichstellung von „Habenwollen“ und „Behaltenwollen“

Durch die defensive Struktur des Motivs „Behaltenwollen“, kann dies nicht mit dem Motiv „Habenwollen“ gleichgestellt werden.4


Argumente gegen diese Ansicht

Ersparnis = Zuwachs

Auch dadurch, dass man sich Zahlungen erspart, wird man reicher an Geld.

2. Ansicht - Habgierig handelt auch derjenige, der lediglich Aufwendungen ersparen will.5

Argumente für diese Ansicht

Keine Differenzierung zwischen „Habenwollen“ und „Behaltenwollen“

Die besondere Verwerflichkeit der Tötung aus Habgier liegt in der Instrumentalisierung eines Menschenlebens für wirtschaftliche Zwecke des Täters. Daher kann es nicht auf eine Differenzierung zwischen „Habenwollen“ und „Behaltenwollen“ ankommen.6

Ersparnis stellt auch im Rahmen des § 263 StGB einen Vermögensvorteil dar

Auch im Rahmen des § 263 StGB ist anerkannt, dass die Abwendung eines drohenden Vermögensverlustes ebenso einen Vermögensvorteil darstellt, wie die Vermögensmehrung.7


Argumente gegen diese Ansicht

Zugleich Argumente der Gegenauffassung

  • 1. NK/Neumann, § 211, Rn. 21, Aufl. 3.
  • 2. Fischer, StGB, § 211, Rn. 11, Aufl. 62.; Schönke/Schröder/Eser/Sternberg-Lieben, StGB, § 211, Rn. 17, Aufl. 29.
  • 3. Joecks, StGB, § 211, Rn. 19, Aufl. 11.
  • 4. Mitsch in JuS 96, 124f.
  • 5. Wessels/Hettinger, BT I, § 2, Rn. 94b., Aufl. 34.; BGHSt 10, 399., Kindhäuser, LPK, § 211, Rn. 12, Aufl. 6.; Lackner/Kühl, StGB, § 211, Rn. 4, Aufl. 28.; NK/Neumann, StGB, § 211, Rn. 22, Aufl. 3.
  • 6. NK/Neumann, StGB, § 211, Rn. 22, Aufl. 3.
  • 7. NK/Neumann, StGB, § 211, Rn. 22, Aufl. 3.

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