Was kostet das Jurastudium?

von iurastudent · Aktuelles und Gemischtes

Wie teuer ist eigentlich ein Jurastudium?

Studieren kostet Geld. Auch ein Jurastudium – und das nicht zu knapp. Auch wenn wir hier in Deutschland (glücklicherweise) noch weit von bspw. amerikanischen Verhältnissen entfernt sind, wo für ein Studium an einem privaten College im Schnitt 25.000 Dollar und an einem staatlichen College etwa 6.000 Dollar pro Studienjahr fällig werden1, ist das Studium auch hier in Deutschland ein eher großes finanzielles Investment in die eigene Ausbildung.

Wir wollen im Folgenden der Frage nachgehen, was für Kosten hier in Deutschland auf einen durchschnittlichen Jurastudenten zukommen. Dabei trennen wir zwischen monatlichen Kosten (bspw. Miete, Nebenkosten, Nahrung) und Kosten, die in der Regel pro Semester entstehen (wie bspw. Lernmaterialien oder Semesterbeiträge) und wollen uns so den Gesamtkosten annähern, die das Studium verursacht. Hierzu gehen wir auch nicht von der sogenannten Regelstudienzeit von neun Semestern aus, sondern von der Zeit, die der durchschnittliche Student auch wirklich für sein Studium inklusive der Abschlussprüfungen benötigt – und das sind 11 Semester!2
 

I. Monatliche Kosten für einen Studenten
Blicken wir also zunächst auf die monatlichen Kosten, die während des Studiums entstehen. Hierbei orientieren wir uns an der letzten sogenannten Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks aus dem Jahre 2012:

Position Monatlicher Betrag
Miete (einschl. Nebenkosten) 298,00 Euro
Ernährungskosten 165,00 Euro
Kleidung 52,00 Euro
Öffentlicher Nahverkehr / Fahrten nach Haus 41,00 Euro
Telefon & Internet, Rundfunk & Fernsehen 33,00 Euro
Mobilfunk3 20,00 Euro
Freizeit 68,00 Euro
Gesamtkosten 677,00 Euro


II. Kosten für Lernmaterialien
Gerade das Jurastudium gilt als Studiengang, der als recht kostenintensiv im Hinblick auf die Anschaffung von Lernmaterialien gilt. Doch stimmt das eigentlich wirklich? Laut der 20. Sozialerhebung fallen im Schnitt etwa 30,00 Euro pro Monat an Lernmitteln an. Wird man hiermit auch dem Jurastudium gerecht?

Nehmen wir einmal an, der durchschnittliche Student nimmt sein Studium wirklich ernst und schafft für jede Vorlesung im Grundstudium zumindest ein Lehrbuch (Durchschnittskosten: 22,00 Euro) an - das bedeutet nicht, dass das auch gelesen wird ;-) - und besorgt sich für die Klausurvorbereitung noch ein Fallbuch bzw. Skript (Kosten im Schnitt 19,00 Euro):
 

1.Lehrbücher und Skripte4

Semester Vorlesungen Lehrbücher Skripte Kosten
1 BGB AT, Staatsrecht I,
Strafrecht I, Grundlagenfach
4 x 22,00 € 3 x 19,00 € 145,00 Euro
2 Schuldrecht AT, Schuldrecht BT I,
Strafrecht BT I, Staatsrecht II
4 x 22,00 € 4 x 19,00 € 164,00 Euro
3 Schuldrecht BT II, Sachenrecht I,
Strafrecht BT II, Europarecht,
Allgemeines Verwaltungsrecht
5 x 22,00 € 5 x 19,00 € 205,00 Euro
4 Erbrecht, Familienrecht, Sachenrecht II,
Besonderes Verwaltungsrecht I
3 x 22,00 € 4 x 19,00 € 142,00 Euro
5 Besonderes Verwaltungsrecht II,
Handels- und Gesellschaftsrecht, ZPO, StPO
4 x 22,00 € 4 x 19,00 € 164,00 Euro
Total Erfahre mehr über die Bücher für's Studium     820,00 Euro


2. Gesetzestexte
Zusätzlich werden die obligatorischen Gesetzestexte benötigt. Hierbei gehen wir davon aus, dass bis zum fünften Semester mit den kleineren und handlichen dtv-Gesetzestexten gearbeitet wird, die in dieser Zeit mit Ausnahme des Europarechts ein Mal erneuert werden. Hierbei werden in der Regel die Texte BGB (5,50 €), Basistexte Öffentliches Recht (12,90 €), Strafrecht (8,90) und Europarecht (11,90) benötigt. Hinzu kommt eine Ausgabe des jeweiligen Landesrechts (ca. 20,00 €).

Kosten dtv-Texte bis zum 5. Semester: 74,60 €
 

Im Anschluss wird in der Regel aufgrund der steigenden Anzahl an benötigten Gesetzen mit dem Schönfelder und dem Satorius gearbeitet, die im Normalfall nach und nach mit Ergänzungsliefern auf den aktuellen Stand gebracht werden (zum Sinn oder Unsinn der Ergänzungslieferung soll hier vorerst Stillschweigen bewahrt werden):

Kosten Schönfelder (mit Ergänzungslieferung)
Anschaffung des Schönfelders bei Abo-Bezug der Ergänzungslieferungen: 28,00 €
Ergänzungslieferungen (3,5 / Jahr) x ca. 15,00 € pro Lieferung x 7 Semester: 367,50 €
Gesamtkosten: 395,50 €

Kosten Schönfelder (ohne Ergänzungslieferung)
Anschaffung des Schönfelders: 38,00 €
Neuanschaffung mit Neuauflage: 3,5
Gesamtkosten: 133,00 €

Für den Satorius gelten in etwa die gleichen Preise, sodass man die obigen Werten in der Regel einfach duplizieren kann. Ingesamt kann man also davon ausgehen, dass man mit den angesetzten 30,00 Euro pro Monat an Lernmaterialien auch im Jurastudium klarkommen sollte.

(Spartipp insb. für die Examen: Mieten statt kaufen!)

 

III. Kosten für die Examensvorbereitung
Die Examensvorbereitung im Jurastudium ist dann doch etwas eher Spezielles, denn es gilt den gesamten Stoff des Studiums in den Examensklausuren anwenden zu können (bei Durchfallquoten bis zu 41%). Zur (vermeintlich) optimalen Vorbereitung auf das Examen besuchen wohl die meisten Jurastudenten ein sogenanntes Repetitorium. Hierbei handelt es sich um private Anbieter, die in etwa einem Jahr den gesamten für das Examen benötigten Stoff abhandeln. Dabei können etwa 150,00 Euro im Monat für den Besuch des Repetitoriums eingeplant werden. In der Regel bekommt man von den Repetitorien zahlreiche Lernmaterialien, sodass man mit dem sonst angelegten Schnitt klarkommen sollte (Spartipp: OnlineRep).

Kosten für die Examensvorbereitung 12 x 150,00 Euro = 1.800 Euro
 

IV. Semesterbeitrag
Jeder an einer Universität eingeschriebene Student hat jedes Jahr in der Regel den sogenannten Semesterbeitrag zu zahlen. Hiermit werden beispielsweise Verwaltungskosten der Uni gedeckt, die studentische Selbstverwaltung mitfinanziert oder ein mögliches Semesterticket mitbezahlt. Im Schnitt betragen die Kosten für den Semesterbeitrag rund 200 Euro.
 

V. Gesamkosten für das Jurastudium

Position Grundbetrag Faktor Kosten
Monatliche Kosten 677,00 Euro / Monat 6 Monate x 11 Semester 44.682,00 Euro
Lernmaterialien 30,00 Euro / Monat 6 Monate x 11 Semester 1.980,00 Euro
Examensvorbereitung 150,00 Euro / Monat 12 Monate 1.800,00 Euro
Semesterbeitrag 200,00 Euro / Semester 11 Semester 2.200,00 Euro
Gesamtbetrag     50.662,00 Euro


50.662,00 Euro sind nach dieser Rechnung für ein Jurastudium einzuplanen. Das sind 767,00 Euro im Monat. Selbstverständlich können diese Zahlen durchaus auch erheblich variieren – je nach dem wo man studiert, wie man wohnt und sein Leben gestaltet, ob man eine Zeit lang ins Ausland möchte oder ob man beispielsweise seine Krankenkasse selbst zahlen muss  (dann fallen zusätzlich ca. 80,00 Euro im Monat an).

Es bleibt in jedem Fall dabei - wir sprechen über eine größere Investition, die sich einerseits natürlich auch durchaus lohnen kann aufgrund der Verdienstmöglichkeiten als Jurist und die man sich andererseits auch nach dem Studium unter gewissen Voraussetzungen vom Staat wiederholen kann! Wie das funktioniert, das erfährst Du bei uns hier kostenlos in Deiner Stadt:

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  • 1. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/studium-in-den-usa-eine-frage-des-geldes-a-660187.html
  • 2. Juristenausbildungsstatistik 2013, Bundesamt für Justiz, S. 12.
  • 3. Durchschnittliche monatliche Ausgaben der Handynutzer für die private Handyrechnung in Deutschland nach Geschlecht im Jahr 2009 in Euro.
  • 4. Die Schwerpunktbereichsausbildung klammern wir hier vorliegend aufgrund der extrem unterschiedlichen Kostenpositionen aus – es unterscheiden sich sowohl die Ausbildungsanforderungen von Universität zu Universität wie auch die anzuschaffenden Lehrbücher von Schwerpunkt zu Schwerpunkt so stark, dass eine akkurate Bezifferung nicht möglich erscheint.

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Kommentare

Gast
Sa, 06/08/2016 - 16:00

Braucht man wirklich alle Bücher? Oder kann man bestimmte weglassen? Und was für Nebenjobs kann man eigentlich während dem Studium machen? Nachts ist ja ein bisschen blöd, aber tagsüber ist man doch in der Uni...
Mimi x

admin
Di, 27/09/2016 - 11:06
Hallo Mimi, also... Ob Du Dir für sämtliche Vorlesungen Lehrbücher, Skripte oder ähnliches kaufst, ist natürlich Dir überlassen, aber in der Regel wirst Du pro Vorlesung ein Lehrbuch benötigen, um den Inhalt der Vorlesung aufzuarbeiten. In der Vorbereitung auf die Klausuren steigen dann die meisten auf ein Skript um! Für Nebenjobs solltest Du einen Blick auf Deinen Stundenplan werfen - da finden sich in den meisten Fällen genügend Slots für einen Nebenjob Wink
Gast
Mo, 26/12/2016 - 11:49

Hallo, 

Zu den bücherkosten: ich weiss nicht wie es an anderen Universitäten so gehandhabt wird, aber in Passau werden viele lernmaterlialien online gestellt, was einem das ein oder andere Fallbuch erspart. Zudem ist meiner Meinung nach davon abzuraten  für jede Vorlesung ein Lehrbuch zu kaufen, es ist zwar schön immer eins da zu haben um etwas nachzuschlagen, aber das ist es mir persönlich nicht wert , da man entweder in der bib lernen kann, oder sie sich ausleihen kann.
Der Kauf von Lehrbüchern im Rahmen der Universitätsprüfung ist wohl unumgänglich.
Zu mimi: ein Nebenjob kostet Zeit, Zeit die du nicht lernen kannst, weil du arbeitest oder du dich nach der arbeit nicht konzentrien kannst. Viele Freunde die viel nebenbei arbeiten studieren länger , was dann natürlich auch mehr kostet. Ich z.b. Versuche in relativen kurzen Zeiträumen sehr viel zu arbeiten anstatt das ganze Jahr lang jede Woche 1-2 mal zu arbeiten. Als kleiner Tipp: ein Job in der Uni bib soll sehr vorteilhaft sein. 
 

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