Prokrastination – Was es ist und wie dir dieses Wissen hilft

von iurastudent · Lernbeiträge

Hast du oft Probleme mit schwierigen Aufgaben anzufangen? Oder eine wichtige Arbeit abzuschließen? Der Fachbegriff dafür heißt Prokrastination.
 
Prokrastination, oder zu gut-deutsch Aufschieberitis, meint das Aufschieben von anstehenden Aufgaben (lat.: procrastinatio = der Aufschub, der Verzug).
 
Unliebsame Aufgaben vor sich her schieben und ein bisschen bummeln ist an sich zunächst nichts Schlimmes, problematisch wird es erst, wenn eine gewisse Regelmäßigkeit hinzukommt und sich das Aufschieben auf größere Aufgabenfelder ausweitet und damit den Alltag beeinträchtigt.
 
Prokrastination im Studium und danach
Gerade in unstrukturierten Fächern wie den Rechtswissenschaften, in denen den Studenten viel Freiraum gelassen wird, kann dieses Verhalten vermehrt auftreten. Der Student muss sich selbst organisieren, sein Studium alleine planen und erfährt von Außen wenig Kontrolle dabei. Besonders in den ersten Semestern kann das zu unüberwindbar wirkenden Schwierigkeiten führen, solange der Übergang von der Schul- in die Studienzeit (zu großen Teilen) unbegleitet stattfindet. In diesem – durch die Schulzeitverkürzung besonders – jungen Alter sein Leben plötzlich derart frei gestalten zu können, mag zunächst zwar verlockend erscheinen, birgt jedoch auch das Risiko mit der selbstständigen Lebens- und Studienplanung überfordert zu sein. Das Aufschieben ist dabei auch in Gestalt von Gewohnheiten „erlernbar“ und kann die Ausprägungen einer Gewohnheit mit regelrechten Erledigungsblockaden erreichen. Selbst- und Zeitmanagement sind in diesem Zusammenhang der Schlüssel zur Entstehung und zur Behebung von Prokrastination.
 
Ursachen erkennen
Im Grunde ist Prokrastination ein selbstschädigendes Verhalten, durch das man je nach Ausprägung häufig unter Zeit- und Leistungsdruck gerät. Aber wie/wieso kommt es dazu?
Dieses Phänomen als reine Faulheit abzustempeln wäre falsch. Ebenso ist es falsch Prokrastination mit Antriebslosigkeit oder gar Depression gleichzusetzen (auch wenn es Überschneidungen geben mag). Es gibt verschiedene Faktoren, deren komplexes Zusammenwirken schließlich zum Aufschieben einer bestimmten Aufgabe führt.
 
So hat z.B. der Grad an Selbstkontrolle -  als Kontrast zu Impulsivität - als Eigenschaft einer Person, große Auswirkungen auf die Anfälligkeit zum Aufschieben von Aufgaben. Auch eine unklare Prioritätensetzung oder mangelnde Sorgfalt bei der Erledigung anstehender Aufgaben spielen eine Rolle. Dazu kommt noch das Verschätzen der Zeitspanne, die man für eine Aufgabe zu haben scheint. Je weiter der Moment der Fertigstellung einer Aufgabe in der Ferne liegt, desto eher wird deren Fertigstellung hinausgezögert. Außerdem wichtig ist die subjektive Einschätzung der eigenen Erfolgsaussichten bei der Erledigung der Aufgabe und der Grad des eigenen Perfektionismus. Dies hängt mit der Angst vor dem Versagen zusammen, die so leichter - zumindest im Kopf - umgangen werden kann. Darüber hinaus kann der Grund für ein Aufschieben in der Aufgabe selbst liegen und daran, wie langweilig, langwierig oder schwierig sie ist.
Aus diesen Gründen und dem anschließenden Aufschieben kann ein Teufelskreis entstehen, da man den Zeitpunkt zur Erledigung der jeweiligen Aufgabe, durch das steigende Gefühl von Leistungsdruck, der Versagensangst und dem Scham, den das Aufschieben verursacht hat, wieder und wieder versäumt.
 
Was das nützt?!
Selbsterkenntnis ist ein guter Schritt zur Besserung. Wenn du feststellst, dass die oben genannten Punkte auf dich zutreffen, kannst du das Wissen über ihre Zusammenhänge zum Vermeiden des Aufschiebens benutzen. Leider reichen gute Vorsätze alleine meist nicht aus, um aus dem Teufelskreis des Aufschiebens wieder herauszukommen. Dazu bedarf es ein paar Änderungen im Alltag.
 
Bezogen auf die oben genannten Beispiele könnte das so aussehen:

Schreibe dir zum Beispiel auf, was du wann erreichen willst und halte diese Ziele ein. Durch die selbstgesetzte Frist kann dir die Aufgabe das Gefühl von Selbstbestimmtheit geben und gleichzeitig verkürzt sich die Zeitspanne bis zur Erledigung, die ein Anreiz zum Aufschieben hätte sein können. Perfektionismus und Versagungsängste können so nicht mehr als Bremse wirken. Außerdem hast du nie wieder das Problem auf die letzte Minute fertig werden zu müssen. Teile dir außerdem komplexe Aufgaben in kleine und möglichst einfache Bereiche ein. Das Erreichen der Zwischenziele ist ein Erfolg und damit Bestätigung deiner Selbstwirksamkeit und mindert Schritt für Schritt die Angst vorm Versagen. Versuche eine positive Einstellung zu deinen Aufgaben zu entwickeln, denn dass du hier oder da mal eine Aufgabe langweilig finden wirst, kannst du nicht umgehen! Solltest du trotzdem keine Änderung an deinem Verhalten feststellen können, kann ein Arbeitstagebuch als Selbstkontrolle und Motivation dienen. Sei dabei immer ehrlich zu dir selbst!
 
Natürlich kannst du auch viele andere Wege finden Prokrastination vorzubeugen oder zu überwinden – hast du einen guten Weg gefunden? Teile ihn gerne mit anderen aus der Community im Forum und tausche dich aus! Forum, bzw. schicke uns gerne eine Email an: info@iurastudent.de
 
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