Schaut mal nach links und rechts – die Rahmenbedingungen des Lernens | iurastudent.de

Schaut mal nach links und rechts – die Rahmenbedingungen des Lernens

von Dominik · Lernbeiträge

Wo lerne ich, wie sieht eine vernünftige Ernährung aus und wie lange sollte ich eigentlich lernen?
I. Die goldene Lernregel

Habt ihr schon mal versucht in der Diskothek zu lernen? Oder mit einer Grippe? Oder einen ganzen Tag am Stück, ohne wirkliche Pause? Wohl kaum. Es ist eine Binsenweisheit, dass das Lernen nicht immer und unter jeglichen Bedingungen funktioniert. Mit unserem zweiten Artikel wollen wir beleuchten, wie es um diese Außenfaktoren bestellt sein muss, damit das Lernen klappt. Darunter verstehen wir vor allem die (tägliche) Lerndauer, den Lernort, den Lernausgleich und die richtige Ernährung.

Laut Überschrift sollt ihr dabei nach links und rechts schauen. Das ist richtig und falsch:

Richtig ist es in dem Sinne, dass Lernen ohne Ausgleich, ohne ein „anderes Leben“ nicht funktionieren kann. Denn wer so lange lernt, wie es draußen hell ist und sich dann erschöpft ins Bett wirft, gibt weder dem Körper noch der Psyche ausreichend Zeit zur Regeneration. Das wird sich auf kurz oder lang auf eure Motivation, eure Leistungsfähigkeit oder auch einfach auf eure Stimmung negativ auswirken. Denkt dran: Ihr lebt und lernt nebenbei – nicht umgekehrt! Nach links und rechts schauen meint also, trotz der notwendigen Paukerei auch seine Freunde zu treffen, ausreichend Sport zu machen, ab und an auch mal in die Diskothek zu gehen. Sicher, Lernen fürs Examen bedeutet Verzicht. Aber solange euch andere Aktivitäten noch einen Gewinn (in Form von Spaß, Motivationsschub usw.) verschaffen, ist es ratsam, diesen Aktivitäten nachzugehen. Wer in der Freizeit auch mal ein „normales“ Buch zur Hand nimmt, dem werden die Jurabücher nicht mehr ganz so trocken vorkommen.

So einfach, wie wir es hier darstellen, lassen sich Motivationslöcher allerdings nicht vermeiden. An dieses Problem muss man schon etwas genauer heran gehen. Wie man dem Ganzen begegnet, erfahrt ihr deshalb ausführlich im nächsten Artikel.

Falsch ist die Aussage jedoch, wenn man sie so versteht, dass man sich mit seinen Freunden, Sitznachbarn, früheren Studenten oder wem auch immer vergleichen soll. Täte man das, beginge man einen Kapitalfehler. Denn Lernen ist etwas Persönliches. Der eine ist in der Lage ein gutes Examen zu schreiben, indem er nur drei Stunden am Tag sehr effektiv lernt, der andere braucht sieben. Der eine bereitet sich ein Jahr auf das Examen vor und schreibt eine gute Note, der andere lässt sich lieber zwei Jahre Zeit. Der eine lernt lieber in der Bibliothek, der andere zu Hause. Ihr müsst euch also folgende Lernregel unbedingt einprägen:

Ob ich richtig lerne, kann nur ich entscheiden.

Dieser Satz entlastet zwar, verpflichtet aber zugleich: Ihr habt die Obliegenheit, zu euch ehrlich zu sein. Ihr müsst ernsthaft davon überzeugt sein, dass eure Lernmethode Erfolg bringt.


II. Und täglich grüßt das Murmeltier… Das Jurastudium bringt tägliches Lernen, tägliches Aufraffen mit sich. Damit umzugehen, ist nicht immer einfach und erfordert strukturiertes Vorgehen. Dies schafft ihr durch zweierlei: durch die richtige Dosis „Lernen“ am Tag und durch einen Ort, an dem ihr gut lernen könnt.

1. Darf’s ein bisschen weniger sein? – Wie lang pro Tag lernen? Zu aller Erst: Bei der Lerndauer zählt die Netto- nicht die Bruttolernzeit! Nehmen wir an, Daniel geht morgens um 8 Uhr in die Bib. Bevor er zur Tür reingeht, trinkt er noch schnell einen Kaffee und isst zwei Brötchen. Dann spricht er mit Charlotte – man, die fand er schon immer süß. „Huch, es ist schon kurz vor 10! Dann geh ich mal fix hinein“, sagt er verschämt. Dummerweise findet er sein Lieblingslehrbuch nicht, sein eigenes hat er vergessen. Also muss er eine halbe Stunde nach einem neuen suchen. Nach 1,5 Stunden effektiven Lernens, geht es mit ein paar Freunden in die Mensa. Dann zocken sie noch kurz Karten, ehe Daniel um 14 Uhr in die Bib zurückkehrt. Er hat noch kurz mit seinem biologischen Tief zu kämpfen, bis er um 15 Uhr so richtig loslegt. Um 17 Uhr schließlich macht er „dicht“ und hört auf.

Daniel hat also von 8 bis 17 Uhr gelernt. Satte 9 Stunden bekommt er auf seinem Lernkonto gutgeschrieben! Oder doch nicht? Rechnen wir mal nach: Tatsächlich hat Daniel um 10:30 Uhr begonnen, um 12 Uhr schon wieder aufgehört und dann noch einmal von 15 bis 17 Uhr gelernt, insgesamt also: 3,5 Stunden. Er ist damit einem ziemlich miesen Selbstbetrug auf dem Leim gegangen: Er hat Netto- und Bruttolernzeit nicht sauber voneinander getrennt. Wäre er um 8 Uhr gleich in die Bibliothek gegangen und hätte dort konzentriert gelernt, hätte er um 12 Uhr in die Mensa gehen können. Dann wäre er für den Tag fertig gewesen, hätte sogar eine halbe Stunde mehr „Input“ gehabt. Vielleicht wäre dann sogar am Nachmittag noch ein Eis essen mit Charlotte drin gewesen. Lange Rede, kurzer Sinn: Die Nettolernzeit zählt, ist aber kein Selbstzweck. Wer also mehr lernt, wird nicht auch automatisch bessere Klausuren schreiben. Nach je einer Stunde lernen sollten mindestens 5 Minuten Pause gemacht werden; nach 3 Stunden mindestens eine halbe Stunde. In der Zeit zwischen 9 und 12 Uhr lässt es sich in der Regel am effektivsten lernen.

Bezüglich der Lerndauer möchten wir auch zwei Methoden vorstellen, die vor allem in Kombination gut funktionieren:

Nettolernzeitmethode: Bei dieser Methode richtet ihr das Augenmerk auf die Zeit, die ihr netto (!) am Tag lernt. Ihr könnt sie mit Stoppuhr messen, sodass jegliche Bruttozeit (Essen, Toilette, Telefonate etc.) nicht in die Wertung gelangt. Wie viel man am Tag lernen soll, lässt sich kaum allgemein sagen. Von Ausnahmen abgesehen, sollten es während der Examensvorbereitung weder weniger als 3 noch mehr als 8 Stunden/Tag sein. Am sinnvollsten sind wohl 4-6 Stunden. Natürlich darf es auch Tage geben, an denen ihr gar nicht lernt, sofern ab und an mal ein „Workaholic-Tag“ eingeschoben wird. Ein Tag in der Woche sollte jedenfalls lernfrei sein. Insgesamt sollte die tägliche Lerndauer parallel zum Fortschritt eures Studiums zunehmen – seid ihr also noch Studienanfänger, müsst ihr nicht dieselbe Kontinuität zeigen.

Tageszielmethode: Bei dieser Methode grenzt ihr nicht zeitlich, sondern thematisch ein. Ihr nehmt euch z.B. für einen Tag die Willensmängel, die Zulässigkeitsvoraussetzungen der Anfechtungsklage oder den Erlaubnistatbestandsirrtum vor. Habt ihr das Thema durchdrungen und verstanden, ist das Tagessoll erreicht und ihr könnt euch entspannt zurücklehnen. Zugleich habt ihr für den Tag ein kleines Erfolgserlebnis verbucht, was wichtig für die Langzeitmotivation ist. Wenn ihr natürlich schon nach zwei Stunden fertig seid, ist es ratsam noch ein zweites Thema anzufangen. Wie gesagt: Die Methoden funktionieren am besten kombiniert!

2. Zu mir oder zu dir? – Wo lern ich am besten? Grundsätzlich ist es gut, den Lernort zu variieren, damit sich nicht so schnell Monotonie breit macht. Zudem lässt sich die Zeit so optimal nutzen. Wenn man also im Zug sitzt, einfach mal ein Buch schnappen und pauken. Nach der Erfahrung der Autoren lässt es sich dort sehr gut lernen (wenn nicht gerade eine Junggesellenabschieds-Horde in deinem Abteil sitzt…). Allerdings sollte dort nichts erarbeitet, sondern lediglich wiederholt werden. Auch ist es ratsam – gerade bei schönem Wetter – das Lernen ab und an mal in den Park zu verlegen, um so das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden.

Die Hauptlernorte bleiben jedoch die Bibliothek und das eigene Zimmer, wobei man sich auf einen der beiden Lernorte konzentrieren sollte. Die Vorteile der Bibliothek sind schnell ausgemacht: Man hat alle Bücher und Gerichtsentscheidungen griffbereit und ist grundsätzlich weniger Ablenkungen ausgesetzt als in der eigenen Wohnung. Aber: Die Zahl der Bücher kann einen auch „erschlagen“. Dann kann es effektiver sein, in der eigenen Wohnung mit einem und zwei ausgewählten Lehrbüchern zu lernen. Man kommt auch nicht in Versuchung, jeden empfohlenen Aufsatz und jedes Gerichtsurteil nachlesen zu wollen. Außerdem kann es ab und an entspannend sein, einfach mal alles ruhen zu lassen, 20 Minuten fern zu sehen, den Abwasch zu machen, etwas Schönes zu kochen und danach wieder loszulegen. Das alles geht natürlich in der Bib nicht. Zudem kann es passieren, dass man dort Freunde trifft und sich mit diesen verquatscht. Auch verstohlene Blicke zur hübschen Brünetten am Nachbartisch oder zum gut trainierten George-Clooney-Double können ablenken. Klar, es kann die Motivation aus dem Standby-Modus hervorholen, aber einen auch vollkommen aus dem Lauf bringen.

Auf eine kurze Merkformel gebracht: Den Lernort variieren. Das eigene Zimmer nutzen, wenn es um die Erarbeitung des Stoffes geht; die Bibliothek, wenn ihr den Stoff vertiefen wollt oder ihr einfach hofft, mit einem Anderen lernen (und nebenbei reden) zu können.


III. Was wirklich Flügel verleiht – die richtige Ernährung

Mens sana in corpore sano – ein gesunder Geist in einem gesunden Körper. Diese alte lateinische Redewendung beansprucht in gewissem Maße auch für dein Lernen und insbesondere für die Examensvorbereitung Geltung. Nur wer sich gut ernährt, kann ausreichend Leistungsfähigkeit aufbringen, um den Lern- oder später den Examensstress zu bewältigen. Natürlich ist es nicht verkehrt, ab und an auch mal einen Schokoriegel zu naschen. Ohne Nervennahrung geht’s einfach nicht. Trotzdem solltet ihr die folgenden fünf Ernährungsregeln beachten:

1. Hört auf euren Körper: Das ist die Grundregel. Euer Körper ist ein ausgeklügeltes biochemisches Kraftwerk, das genau weiß, was es gerade zum „Heizen“ braucht. Wenn ihr also Lust auf ein saftiges Steak verspürt, dann quält euch nicht mit einem Biosalat. Achtet aber unbedingt darauf, dass eure Ernährung insgesamt ausgewogen ist.

2. Frühstückt ausreichend: Es beginnt schon am Anfang des Tages: Man sollte zwingend ein ausgewogenes Frühstück zu sich nehmen. Nach rund acht Stunden Schlaf braucht der Körper und insbesondere das Gehirn Nährstoffe, um richtig funktionieren zu können. Dabei helfen vollwertige Nahrungsmittel wie Vollkornbrot, Jogurt, Milch, Obst, Fruchtsaft und Tee.

3. Trinkt genug: Trinken ist wichtig, denn der Körper besteht zu mehr als 70 % aus Wasser und braucht für alle Vitalvorgänge (also auch zum Denken) Flüssigkeit. Man sollte täglich in etwa 3 % des Körpergewichtes durch Wasser zuführen. Wer also 85 kg wiegt, sollte in etwa 2,5 Liter/Tag trinken. Empfehlenswert sind neben Mineral- und Leitungswasser auch Säfte, Fruchtschorlen sowie in Maßen Isogetränke (z.B. alkoholfreies Weizenbier). Kaffee führt, insbesondere wenn man ihn nicht gewohnt ist, zu einer negativen Flüssigkeitsbilanz. Zu einer für das Lernen per se hilfreichen, da konzentrationsfördernden Tasse Kaffee sollte daher ein kleines Glas Mineral- oder Leitungswasser getrunken werden. Energydrinks können zwar über krasse Lerntiefs, die man sich gerade „nicht leisten“ kann (z.B. weil am nächsten Tag eine wichtige Prüfung ansteht), hinweghelfen, sind aber kein Allheilmittel. Energydrinks enthalten nämlich sehr viel Koffein. Dieses macht zwar zunächst besonders wach, indem es die Müdigkeitssignale im Gehirn unterdrückt und zur Ausschüttung von Adrenalin führt. Adrenalin signalisiert dem Körper jedoch Gefahr und lähmt daher das Denken. Nach einem ersten „Push“ folgt so unter Umständen ein relativ krasser Konzentrationseinbruch.

4. Obst sticht Süßigkeiten, Vollkorn sticht Weißbrot aus: Genau aus diesem Grund – Vermeidung von Konzentrationstiefs nach kurzzeitigem Leistungshoch – sollte Obst den Süßigkeiten und Vollkornbackwaren dem Weißbrot vorgezogen werden. Grund ist die Insulinkurve: Süßigkeiten und Weißbrot liefern schnell verdaulichen Zucker, der sofort ins Blut geht. Kurzzeitig wirkt er leistungsunterstützend. Durch diesen „sugar rush“ wird aber das Insulin auf den Plan gerufen, welches den Blutzuckerspiegel schnell senkt, unter Umständen sogar unter das Ausgangsniveau. Folge ist ein Leistungseinbruch. Die Zucker im Obst und in den Vollkornbackwaren hingegen werden nur langsam, aber kontinuierlich ins Blut abgegeben, sodass der Körper eine fortwährende Energiereserve hat, die ihn stetig leistungsfähig bleiben lässt.

5. Nehmt lernfördernde Nahrungsmittel zu euch: Nüsse liefern die Vitamine B und E, welche für eine optimale Konzentration und Lernleistung benötigt werden. Auch Eier enthalten Vitamin B und zusätzlich Lecithin. Dieses wandelt der Körper in Cholin um, welches zu einem besseren Gedankenfluss und höherer Konzentration beiträgt. Mageres Fleisch liefert viel Eisen, welches für den Sauerstofftransport im Blut verantwortlich ist und somit Müdigkeit entgegenwirkt . Als Muntermacher wirken auch Milchprodukte wie Jogurt, fettarme Milch und Magerquark. Omega-3-Fettsäuren im Fisch können helfen, das Nervensystem intakt zu halten und so dem Lernstress besser begegnen zu können.

Meidet chemische Aufputschmittel: Nehmt Mittel zur Konzentrationssteigerung, wie beispielsweise Ritalin – ohne entsprechende Indikation (z.B. durch AD(H)S) – niemals (!) ein. Sicher wird eure Konzentration und Leistungsfähigkeit kurzzeitig gepusht. Die Langzeitfolgen dieser „Neuroenhancer“ können jedoch gravierend sein, wie uns ein Neurologe bestätigt, den wir exklusiv für iurastudent.de befragten: „Ritalin wirkt kokainartig und regt im Gehirn die Ausschüttung von Adrenalin und Noradrenalin an. Wenn die Speicher leer sind, kommt es zu einem heftigen Leistungseinbruch, dem sog. Come-down. Zudem können diese Mittel süchtig machen und bei entsprechender körperlicher Disposition Psychosen auslösen.“

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