Gemeinsam ist es doch am schönsten – die private Lern-AG | iurastudent.de

Gemeinsam ist es doch am schönsten – die private Lern-AG

Wie die Jura Lern - AG funktioniert und was Dir das gemeinsame Lernen alles bringt.

Zusammenkommen ist ein Beginn, zusammenbleiben ist ein Fortschritt, zusammenarbeiten ist ein Erfolg. (Henry Ford)

I. Die Lern-AG - Der Ausweg aus dem Einzelkämpfertum

Dieser Artikel möchte euch die private Lern-AG vorstellen. Darunter verstehen wir eine Arbeitsgruppe mit Kommilitonen, in denen juristische Inhalte besprochen werden und die der Klausur- bzw. Examensvorbereitung dienen soll. Der Artikel richtet sich in erster Linie an Examenskandidaten, wenngleich man natürlich auch schon früher eine private Lern-AG gründen kann. Spätestens aber, wenn die Abschlussprüfungen anstehen, merkt man (vielleicht sogar zum ersten Mal), dass das Jurastudium sehr anstrengend sein kann. Auf einmal sollt ihr den gesamten Stoff auf dem Kasten haben, möglichst alle Wissenslücken ausbügeln und auch noch in der Lage sein, den Stoff in die Klausur zu bringen. Klar, dass einen diese Anforderungen schnell einmal überfordern können. In solchen Situationen ist es wichtig, Mitstreiter zu haben. Sie können dir Anregungen geben, wie du dein Lernen besser oder zumindest anders gestalten kannst, was du lernen musst und was besser nicht oder dir einfach mal ein offenes Ohr leihen, wenn dich der Leistungsdruck plagt oder du einen „Lernkoller“ hast. Dieser kritische Dialog mit deinen AG-Kollegen versetzt dich in die Lage, den eigenen Weg oder die eigenen Lernstrategien zu überprüfen. So hast du eine unmittelbare Leistungskontrolle und versinkst nicht in Orientierungslosigkeit. Du hast nicht mehr das Gefühl Einzelkämpfer auf den Weg zur bisher wohl schwersten Bildungsprüfung deines Lebens zu sein.

II. Was euch eine Lern-AG für euer Lernen bringt

Eine Lern-AG hat verschiedene Vorteile, die wir euch an dieser Stelle vorstellen wollen:

1. Der Vorteil, andere dabei zu haben

Durch die Lern-AG erhältst du Mitstreiter auf deinem Weg zum Examen. Dir stehen Personen zur Seite, bei denen du seine Sorgen loswerden kannst und mit denen sich ein Gemeinschaftsgefühl aufbaut. Ihr habt schließlich ein gemeinsames Ziel: Das Examen ordentlich zu bestehen. Gleichzeitig lernst du frei und unbefangen vor einer Gruppe zu reden, ihr Fälle zu präsentieren und Argumente deutlich zu machen. Sich selbst überzeugt man schnell, mitunter viel zu schnell. Aber deine AG-Mitglieder auf deine Seite zu holen ist keine leichte Aufgabe und will erlernt werden! Zudem erzeugt die Lerngruppe einen konstruktiven Gruppendruck: Du kannst nicht mal eben auf sämtliche Mitarbeit verzichten, weil der Erfolg der Gruppe auf Gedeih und Verderb auch an dein Engagement gekoppelt ist.

2. Der Vorteil, nicht immer alles wissen zu können

Eine der ersten Dinge, die du in der Examensvorbereitung feststellst, ist, dass du niemals alles wissen können wirst. Wichtig ist, noch eine zweite Erkenntnis zu gewinnen: Du solltest in der Lage sein zu allem eine Lösung zu entwickeln, auch wenn es am Detailwissen mangelt. Argumente müssen durch methodisches Vorgehen entwickelt werden, Wissenslücken werden mittels Improvisation überbrückt und mit der Unsicherheit muss gelernt werden umzugehen. All das schaffst du durch die Bearbeitung unbekannter Fälle in der AG.

3. Der Vorteil, gewinnbringend zu lernen

Eine Lern-AG bewirkt effektives und effizientes Lernen. Hier lernst du besonders aktiv (vgl. den Lerngrundsatz 1 in unserem 4. Lernartikel): Du trittst mit deinen AG-Kollegen in Interaktion, du redest über den Lernstoff und bereitest dich zuvor schriftlich darauf vor. Du nimmst verschiedene Rollen ein: mal bist du der Moderator, der seinen Fall vorstellt, mal löst du den Fall eines anderen Teammitglieds. Die eine Diskussion bringst du zum Anstoß, eine andere befeuerst du, eine weitere wiederum wird von dir beendet. Du lernst mündlich zu argumentieren und Fälle zu lösen. Gleichzeitig schnappst du viel materielles Wissen auf. Du erkennst, welche Inhalte besonders wichtig sind, weil sie in vielen Klausuren vorkommen, und welche du vernachlässigen kannst. Zudem kannst du deinen Leistungsstand kontrollieren. So kannst du nicht nur schauen, in welchem Maße sich deine Lösung von der Ideallösung des gestellten Falls unterscheidet. Du kannst außerdem nach folgender einfacher Faustregel feststellen, ob du einen Themenbereich wirklich durchdrungen hast:

Was man erklären kann, hat man auch verstanden!

4. Der Vorteil, einmal den gewohnten Weg zu verlassen

Die Examensvorbereitung dauert in der Regel mindestens ein Jahr, meist sogar noch länger. Klar, dass in dieser Zeit die Gefahr groß ist, dass sich Monotonie und Langeweile breit macht. Dann hilft es dir, eine Lern-AG zu haben. Mit deinen Kollegen wirst du die Fälle mit Elan lösen, kannst mit ihnen Gedanken austauschen, nebenbei auch mal über andere Themen quatschen. Insgesamt wird dein Lernen viel interaktiver und du fühlst dich lebendiger als in deiner Rolle als Bücherwurm mit Tunnelblick in der Fachbereichsbibliothek.

III. Worauf ihr bei der Gründung und Konzipierung einer Lern-AG achten solltet

Bei der Lern-AG gibt es einige Faktoren, auf die ihr bei ihrer Gründung achten solltet. Wir haben sie für euch in den folgenden 5 Punkten zusammengefasst. Versteht dies als Grundsätze, die Ausnahmen zulassen und nicht unbedingte Voraussetzung für den Erfolg der AG sind.

1. Ihr dürft weder zu wenige noch zu viele Personen sein!

Eine Lern-AG steht und fällt mit der Anzahl ihrer Mitglieder. Seid ihr nur zu zweit, dann kann es problematisch werden, wenn einer der beiden AG-Kollegen einmal krank ist, sich im Urlaub befindet oder aus anderen Gründen keine Zeit hat. Dann nämlich steht man alleine da und der „Gemeinschaftseffekt“ ist dahin. Auf der anderen Seite wird es bei mehr als vier, spätestens aber bei mehr als fünf Mitgliedern schwer, in organisatorischen Punkten einen Konsens zu finden. Stellt euch nur einmal vor, dass eine Person bei der Sitzung keine Zeit hat. Bei vier Leuten lässt sich noch gut ein Ausweichtermin finden. Bei mehr als vier Leuten wird es langsam schwierig, weil sich die Terminpläne mehr und mehr überschneiden. Auch der Lernplan wird bei zu vielen Köchen schnell verdorben. Weiteres Problem: Hat eure AG zu viele Mitglieder, dann kann es leicht(er) passieren, dass eine Person den Anschluss verliert oder bei der Fallerörterung zu kurz kommt. Da es euer Ziel sein muss, gemeinsam etwas zu schaffen, sollte euch dieser Punkt nicht egal sein. Merkt euch also:

Eure Lern-AG sollte mindestens 3, höchstens jedoch 4-5 Mitglieder haben.

2. Ihr müsst miteinander klarkommen!

Die Lern-AG ist keine bierernste Angelegenheit. Ihr solltet bei euren Sitzungen also weder Bier trinken noch ernst sein. Eine Lern-AG soll Spaß machen und euch für das Examenslernen motivieren. Dies geht aber nur dann, wenn zwischen euch eine persönliche Basis besteht und ihr nicht in nervenzehrenden Konkurrenzkampf versinkt. Niemand sollte auf die Fähigkeiten des anderen neidisch sein oder sich von einem anderen AG-Mitglied unter Druck setzen lassen. Nur so erreicht ihr einen der Kernvorteile gegenüber einem Repetitorium: Ihr habt keine Angst, euch gegenüber euren AG-Kollegen zu blamieren. So könnt ihr auch mal Fragen stellen, die ein Dozent diplomatisch mit den Worten „Das ist eher fernliegend!“ abtut. Ihr solltet vielmehr miteinander und vor allem voneinander lernen. Achtet darauf, dass sich in eurer Lern-AG Menschen befinden, mit denen ihr reden könnt und die andere Menschen weder unter Leistungsdruck setzen noch missgünstig auf die Erfolge der anderen reagieren. Kommt jemand aus der Lern-AG (egal wer) mit einer guten Note daher, dann sollten ihm die anderen den Erfolg auch gönnen und ihn als Ansporn sehen, eine ähnliche Note zu schaffen. Umgekehrt sollten eigene gute Noten nicht zu deplatzierter Prahlerei anstiften!

3. Ihr müsst gemeinsame Ziele verfolgen

Wenn über das Grundsätzliche keine Einigkeit besteht, ist es sinnlos, miteinander Pläne zu machen. (Konfuzius)

Gründet ihr eine Lern-AG, dann müsst ihr gemeinsame Ziele verfolgen. Stell dir vor du sitzt in einem Ruderboot. Paddelst du alleine, lässt deine Kraft bald nach oder dir wird langweilig. Dann holst du andere Menschen mit in dein Boot. Warum machst du das? Richtig, um Kraft zu sparen und gemeinsam schneller voranzukommen. Und wann funktioniert das nicht? Genau, wenn du der einzige bist, der rudert, oder (schlimmer noch) jeder in eine verschiedene Richtung paddelt. Dann bleibt euer Boot auf der Stelle und beim ersten großen Sturm kentert ihr womöglich.

Übertragen auf die Lern-AG heißt dies: Werdet euch im Sinne von Konfuzius über das Grundsätzliche euer AG einig: Wie oft wollt ihr euch in der Woche treffen? Wie lange soll eine Sitzung dauern? An welchem Tag soll sie stattfinden? Möchtet ihr nur Fälle lösen oder auch Stellen in Lehrbüchern durchsprechen? Spielen bekannte oder aktuelle Gerichtsurteile bei euch eine Rolle?

Findet Leute, die etwas gemeinsam erreichen wollen, z.B. effektiveres Lernen, die Klausurschreibfähigkeiten verbessern, Spaß haben oder auch alles kombiniert. Es hilft nichts, wenn Tobias die Lern-AG als Stammtisch zum Klönen und als Ort zum Kekse essen sieht, Daniel eigentlich nur juristische Debatten führen will und Julia die Klausurvorbereitung optimieren möchte. Natürlich dürfen alle Ziele verfolgt werden, aber bitte nur nach dem Konsens aller Mitglieder.

Wichtig ist auch, dass ihr euch auf einem gleichen oder zumindest ähnlichen Lern- und Leistungstand befindet.

4. Ihr müsst bereit sein, Einsatz zu bringen!

Die Lern-AG ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Wie bei allen Teamarbeiten können die Mitglieder voneinander profitieren und einen Erfolg erzielen, der die Summe des Einzelaufwands der Teamkollegen (weit) übersteigt. Genauso können sich aber „Trittbrettfahrer-Probleme“ auftun und Situationen entstehen, bei denen einzelne Mitglieder den Einsatz der anderen schamlos ausnutzen und sich selbst kaum in die AG einbringen. Deswegen müsst ihr Wert darauf legen, dass ihr disziplinierte (aber keine verbissenen!) Menschen in eure AG lasst, die Wert darauf legen, sich für den gemeinsamen Erfolg einzusetzen. Klar, jeder hat einmal einen schlechten Tag, an dem er sich kaum bis gar nicht einbringt. Aber im Großen und Ganzen muss jeder den Erfolg der AG befeuern wollen. Schon vor Gründung der AG muss allen späteren Mitgliedern bewusst sein, dass eine Lern-AG einiges an Zeit kostet, egal ob man nun einen fremden Fall lösen oder als AG-Leiter den eigenen Fall vorbereiten muss. Als Faustformel kann man für die Sitzung 2 Stunden und für die Vorbereitung – je nachdem wie intensiv man diese betreibt – 3 bis 4 Stunden pro Woche ansetzen.

Wie ihr an diesen Ratschlägen erkennen könnt, erteilen wir euch die unverbindliche Empfehlung, nur mit solchen Leuten eine AG zu gründen, die ihr zumindest einigermaßen einschätzen könnt.

5. Ihr müsst einen Lernplan haben

Nun haben wir euch dargelegt, wie viele Mitglieder eure Lern-AG haben sollte, dass sich die AG-Kollegen untereinander verstehen und gemeinsame Ziele verfolgen sollten und jeder bereit sein muss, sich für den Erfolg der Lern-AG einzusetzen. Damit ihr eure Ziele auch anpeilen und umsetzen könnt, müsst ihr einen Lern-Plan erstellen, der zumindest grob wiedergibt, mit welchem Konzept wann welches Themengebiet gelernt wird. Der Lernplan soll dabei nicht alle Themen en detail abbilden (dies ist unmöglich!), aber grob alle examensrelevanten Gebiete, beginnend mit den allgemeinen Teilen bzw. Grundlagen. Plant den Ablauf eurer AG jedoch nicht allzu weit in die Zukunft hinein; ihr büßt sonst an Flexibilität ein.

IV. Vorstellung der Lern-AG der Autoren

Damit die Tipps, die wir bisher gegeben haben, nicht abstrakt bleiben, möchten wir nun unsere eigene Lern-AG vorstellen. Auf diese Weise bekommt ihr eine konkrete Vorstellung davon, wie man eine solche AG gestalten kann. Natürlich gibt es kein Patentrezept – ihr könnt sie ganz anders aufziehen. Versteht unser Konzept nur als Anregung für den Aufbau einer eigenen AG. Nur so viel sei an dieser Stelle gesagt: Unsere AG funktioniert und harmoniert und befeuert unseren Lernerfolg erheblich.

1. Wer wird sind

Wir sind zu viert in unserer AG und allesamt Studenten der Rechtswissenschaften in Osnabrück im achten Semester. Seines Zeichens sind wir drei Männer und eine Frau. Gerade diese Geschlechtermischung macht sich bezahlt, zumal wir Jungs von weiblicher Seite gerne mal von unserer Schwafelwolke auf die Erde zurückgeholt werden.

Persönlich war bei uns von Anfang an Harmonie da und unsere Einstellungen zum Thema Jura decken sich größtenteils. Natürlich ist dies ein großer Glücksfall, der alles andere als selbstverständlich ist. Wir geben euch an dieser Stelle deshalb nur den Rat, dass ihr euch Personen sucht, die ihr möglichst schon vor der AG-Gründung kennt oder euch zumindest mit ihnen ein paar Mal zum Kennenlernen trifft. Diese „Meetings“ könnt ihr dann nutzen, um für eure Lern-AG ein passendes Konzept zu entwerfen.

2. Der richtige Ort

Nicht ganz unwichtig ist die Frage, wo die AG-Sitzungen stattfinden. Dabei kann man entweder einen festen Ort bestimmen oder die Orte von Sitzung zu Sitzung variieren. Anfangs haben wir uns einen Raum in der Bibliothek gesucht, der zwar sehr abgelegen war, in dem wir aber ungestört arbeiten konnten. Der Vorteil war natürlich, dass wir jederzeit etwas nachschlagen konnten und die notwendige Ruhe für die Analyse und Bearbeitung des Sachverhaltes hatten.

Spätestens in der Hausarbeitszeit war dieser Raum aber mehr und mehr belegt. Zudem wurden wir einmal ermahnt, nicht so laut zu sein. Wegen dieser Hindernisse haben wir uns nach einigen Wochen darauf geeinigt, die Sitzungen in der Wohnung eines der AG-Teilnehmer stattfinden zu lassen.

Die private Studiwohnung hat Vorteile: Man ist dort ungestört, das Reden ist überall und nicht nur stellenweise erlaubt, man hat keine Platzprobleme und man darf Essen verzehren und sorgt so während der Sitzung für die notwendige Energiezufuhr.

3. Unser Konzept

Unser Konzept war keine spontane Eingebung oder entstand schnell am Telefon. Wir haben zunächst bei einem bekannten sozialen Netzwerk eine Gruppe gegründet, in der wir das grobe Konzept besprachen („das Grundsätzliche“). Dann folgten zwei weitere, langwierige Treffen, während derer wir den Lernplan entwickelten.

Da wir vier Personen sind, ist jedes AG-Mitglied einmal im Monat der Moderator. Die Sitzungen finden einmal die Woche, in der Regel am Dienstag Nachmittag, zu Hause bei einem der AG-Mitglieder statt. Sie dauern in der Regel zwei Stunden. Im Wechsel werden die 3 großen Gebiete durchgesprochen – Strafrecht, Öffentliches Recht und Zivilrecht. Der Moderator schickt dabei zeitnah einen Fall (möglichst mit machbaren Examensniveau) per Email herum bzw. gibt ihn den AG-Kollegen am Ende der Sitzung eines anderen mit nach Hause. Dabei stehen euch zahlreiche Quellen zur Verfügung, aus denen ihr eure Fälle entnehmen könnt (z.B. Ausbildungszeitschriften, Lehrbücher oder Rep-Unterlagen). Selbst im Internet sind zahlreiche – häufig sehr gut ausformulierte Fälle – jederzeit und kostenlos verfügbar. Tauchen im Fall besondere Schwierigkeiten auf, dann macht der AG-Leiter fairerweise entsprechende Hinweise (z.B. werft einmal einen Blick in das Reisevertragsrecht oder schaut euch mal die Abgrenzung von Diebstahl und Betrug an). Die Hinweise sollten natürlich nicht die Lösung vorwegnehmen.

Ist dann die nächste Woche gekommen, präsentiert der Moderator seinen Fall mit Ideallösung. Dabei ist er bemüht, die anderen AG-Kollegen so gut es geht in die Falllösung einzubinden. Diese haben sich ja schließlich Gedanken gemacht. Der AG-Leiter hat dabei die Funktion, die Falllösung in die richtige Richtung zu lenken, d.h. er sollte korrigierend eingreifen, falls Sachen schlicht falsch oder unzureichend dargestellt werden oder die Lösungsskizze an dieser Stelle von der vorgestellten Lösung abweicht. Der AG-Leiter sollte zudem so fit im Fall sein, dass er möglichst alle Fragen der Kommilitonen zum Sachverhalt beantworten kann. Natürlich ist es kein Beinbruch, wenn er einmal an einer Stelle hakt oder keine Antwort weiß. Dann ist es Aufgabe der gesamten AG, eine stimmige Lösung zu entwerfen. Wurde die Lösung komplett erarbeitet, teilt der AG-Leiter die Musterlösung an die anderen Mitglieder aus, damit diese den Fall nachbereiten können. Wer möchte, kann noch Übersichten o.ä. zu seinen Fällen austeilen oder Merkkästchen in die Ideallösung einfügen.

Die Reihenfolge der jeweiligen Rechtsgebiete haben wir konsequent jeden Monat durchgehalten. Durchgetauscht haben wir nur die jeweiligen Leiter der AG-Sitzung. Heißt konkret: Hat jemand im Vormonat einen Fall zum BGB AT vorgestellt, so stellt diese Person in dem darauffolgenden Monat ein Fall aus einem anderen Rechtsgebiet dar, z.B. Strafrecht AT.

Nun werdet ihr euch fragen: „Ein Monat hat vier, nicht drei Wochen und eure AG vier Mitglieder. Was macht er denn nun, der Vierte im Bunde?“ Das vierte Mitglied stellt in der letzten Woche des Monats ein Leiturteil, einen sog. „leading case“, vor. Natürlich können auch mehrere Gerichtsurteile präsentiert werden. Dazu teilt er den anderen am selben Tag z.B. den Sachverhalt in Kurzform aus und spricht mit ihnen die Kernprobleme des Urteils und seine Bedeutung durch. Dabei besteht bewusst ziemliche Narrenfreiheit für den Präsentanten, damit die anderen AG-Mitglieder zur Improvisation gezwungen werden.

Zweck der Fallbesprechungen ist es, die Fallkompetenz der Mitglieder zu erhöhen. Die Leiturteile sollen die juristische Ausdrucksfähigkeit und die Detailkenntnis verbessern und bereiten damit vor allem auf die mündliche Prüfung vor.

Da wir bald vor unserem Examen stehen, werden wir am Anfang nächsten Jahren umfassende Examensklausuren ohne thematische Eingrenzung besprechen und statt der Leiturteile kleine mündliche Prüfungen simulieren.

4. Beispiel aus unserem Lernplan

Schwerpunktgrad Definition Am Beispiel…
JUNI 2013 1. Woche: Strafrecht BT (4) [SP: Nicht-VermD]
2. Woche: Gesetzliche SV (1)
3. Woche: Verwaltungsrecht AT (1)
4. Woche: Rechtsprechung/leading cases
PERSON 1
PERSON 2
PERSON 3
PERSON 4
JULI 2013 1. Woche: Strafrecht BT (5) [SP: VermD]
2. Woche: Gesetzliche SV (2)
3. Woche: Verwaltungsrecht AT (2)
4. Woche: Rechtsprechung/leading cases
PERSON 2
PERSON 3
PERSON 4
PERSON 1
AUGUST 2013 1. Woche: Strafrecht BT (6) (SP: VermD)
2. Woche: Recht der beweglichen Sachen (1)
3. Woche: Verwaltungsrecht AT (3) = Staatshaftungsrecht
4. Woche: Rechtsprechung/leading cases
PERSON 3
PERSON 4
PERSON 1
PERSON 2
SEPTEMBER 2013 1. Woche: Strafrecht BT (7) [SP: VermD]
2. Woche: Recht der beweglichen Sachen (2)
3. Woche: Polizei- und Ordnungsrecht
4. Woche: Rechtsprechung/leading cases
PERSON 4
PERSON 1
PERSON 2
PERSON 3

5. Was unsere AG noch ein bisschen angenehmer macht

Natürlich lebt eine Lern-AG auch von den kleinen Dingen. Als einer unserer Professoren im Rep von sich gab: „Eine Lern-AG können Sie gerne gründen, es sei denn ihre Hauptaufgabe besteht dann im Kekse essen“ mussten wir doch sehr lachen. Denn Kekse futtern wir genug. Eine solche Nervennahrung ist für den Geselligkeitsfaktor während der AG eine gute Sache. Der Dozent hatte freilich insofern recht, dass es immer noch primär um das Juristische geht.

Desweiteren haben wir etwas, dass der geneigte Fußballfan bereits vom „Doppelpass“ auf (heute) Sport 1 kennt: das „Phrasenschwein“. Immer wenn jemand eine fachjuristische Floskel oder  - noch schlimmer – einen fachjuristischen Witz zum Besten gibt, muss gezahlt werden.

„Ich mag diese Kekse einfach gern.“ „Klar, damit triffst du auch absolut die herrschende Meinung in der AG“ – zack: 50 Cent ins Schwein!

Ebenfalls kostet es, wenn man zu spät kommt, was einer der Autoren recht gut kann. Mindestens eingezahlt werden pro Sitzung und Nase 50 Cent. Am Ende werden wir uns von dem gesammelten Geld Pizza bestellen und es uns mit ein paar Bier gut gehen lassen.

V. Habt ihr das Lernen gelernt? – das Fazit

Nun haben wir euch über Wochen mit Tipps und Ratschlägen zum richtigen Lernen überhäuft. Wir hoffen, dass ihr darin nicht ertrunken seid, sondern euch durch die Tipps bereichert und gut informiert fühlt. Ratschläge können ja nun einmal auch „Schläge“ sein.

Natürlich müsst ihr nicht alles, was wir dargelegt haben richtig oder gut finden, geschweige denn anwenden. Dennoch sind wir überzeugt davon, dass ihr die Effektivität und Effizienz eures Lernens steigern könnt, wenn ihr zumindest einige der Tipps beherzigt. Sie sind immerhin die geronnenen Erfahrungen aus je 8 Semestern Studium kombiniert mit dem zusammengefassten Inhalt aus professionellen Lernratgebern.

Erneut möchten wir an die Zielsetzung dieses Artikels erinnern: Wir wollten mit seiner Hilfe keine neuen, bahnbrechenden Erkenntnisse preisgeben. Ein solcher Plan wäre auch ziemlich vermessen, ist doch der Themenbereich „Juristisches Lernen“ quasi überschwemmt mit passender Literatur. Unser Ziel war vielmehr euch eine kostenlose und umfassende Übersicht über das Thema Lernen zu bieten, die ihr immer griffbereit haben könnt. Sie soll euch im Idealfall durch euer gesamtes Studium begleiten. Ein besonderes Anliegen von uns war, die sehr wichtigen Themen (wie z.B. die Lerngrundsätze oder die häufigsten Klausurfehler) gebündelt, anschaulich und praxisorientiert darzustellen. Praxisorientiert meint dabei, dass wir es euch ermöglichen wollten, die theoretischen Tipps in der Klausurvorbereitung oder in den Prüfungen anzuwenden. Nichts ist ärgerlicher als ein Ratgeber, der einen bei der Umsetzung der Ratschläge ratlos zurücklässt.

Freuen würden wir uns insbesondere, wenn es uns gelungen ist, den ein oder anderen zu tiefergehender Beschäftigung mit dem „richtigen Lernen“ bewegt zu haben. Noch besser fänden wir es natürlich, wenn ihr es geschafft haben, euer Lernen mit Hilfe unserer Tipps zu verbessern.

Vielen Dank für euer Interesse, eure positive und auch kritische Resonanz und euer Durchhaltevermögen! Für konstruktive Kritik und Hinweise sind wir sehr dankbar und erbeten sie an eine der folgende Adressen: dkreke@uos.de bzw. jlinderk@uos.de

 

Dominik Kreke und Jörn Linderkamp (Dipl. iur. an der Universität Osnabrück)

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