Praktikumsblog: Generalkonsulat Kapstadt

Blick über Kapstadt
In wohl jeder juristischen Studienordnung Deutschlands gehören heute einige Monate Praktikumserfahrung zu den allgemeinen Anforderungen für das erste Staatsexamen. Ich erlebe häufig, dass meine Kommilitonen diese eher als lästig ansehen, da man durch sie ja Zeit verliert, die nicht zum Lernen genutzt werden kann. Sowohl aus Erzählungen anderer Studenten, aber auch aus eigener Erfahrung weiß ich zudem, dass Praktika bei Anwälten und Gerichten häufig nur im Lesen von Akten und einigen Prozessbesuchen bestehen können. In wöchentlichen Beiträgen soll hier von Mai an Einblick in ein Praktikum in einer deutschen Auslandsvertretung gegeben werden. Vorrangig werde ich dabei zwar die Arbeit im Konsulat veranschaulichen, doch auch der Vorzug, nebenbei eine andere Kultur und Landschaft erkunden zu können, soll nicht zu kurz kommen. Vielleicht entdeckt ja der ein oder andere hierdurch sein Interesse zu internationalen Tätigkeitsfeldern oder sieht sich in einem solchen bestätigt. Ich wünsche Spaß beim Lesen.

1. Zur Verfasserin und Ausgangssituation

Ich heiße Regina und studiere Jura im 8. Fachsemester. Meinen aktuellen Studienstand würde „kurz vor dem Examen“ nennen. In zwei Urlaubssemestern habe ich zuvor bereits ein Praktikum in einer NGO in Kapstadt und einen Erasmus-Aufenthalt in Dublin absolviert. Zuletzt habe ich meinen Schwerpunktbereich Europa- und Völkerrecht abgeschlossen. Für das Examen muss ich nun nicht nur noch viel lernen, sondern auch noch ein weiteres Praktikum absolvieren. Da ich durch mein erstes Praktikum bereits das Öffentliche Recht abgedeckt habe, dachte ich erst, es sieht schlecht mit einem weiteren internationalen Praktikum aus. Doch ich habe mich getäuscht: Im Generalkonsulat wird mein Tätigkeitsfeld hauptsächlich im zivilrechtlichen Feld liegen.

2. Die Bewerbung

Wie kommt man an ein Praktikum in einer deutschen Auslandsvertretung? Man bewirbt sich über die Online-Eingabemaske des Auswärtigen Amtes. Auf der Seite des Auswärtigen Amts findet man alle notwendigen Informationen zur Bewerbung. Grundsätzlich können die Annahmevoraussetzungen für einzelne Botschaften und Konsulate insbesondere hinsichtlich der erforderlichen Sprachkenntnisse variieren. Eine Liste hierüber findet sich dort ebenfalls. Bewerbungen können nur bis spätestens 6 Monate vor Praktikumsbeginn abgegeben werden. In der Bewerbung kann man verschiedene Verfügbarkeitszeiträume und auch eine gewünschte Praktikumsdauer angeben. Nach meiner Erfahrung sollte man seine Wünsche jedoch nicht zu genau ausformen. So hatte ich mich für ein zweimonatiges Praktikum beworben und hierzu drei aneinander gereihte Zeiträume angegeben. Letztendlich habe ich ein Angebot für drei Monate bekommen, dass durch alle drei angegebenen Zeiträume verläuft. Macht also keine sehr engen Zeitpläne um das Praktikum herum. Wichtig sind vor allem Sprachkenntnisse und das Motivationsschreiben. Wer sowas noch nie geschrieben hat, googelt am besten nach ein paar Hinweisen zur Formulierung.

3. Wenn es geklappt hat: Vorbereitungen

a) Visum

Die Vorschriften variieren je nach Land und Dauer des Praktikums. Informationen findet man normalerweise auf den Webseiten der jeweiligen Botschaften in Deutschland. Für Südafrika gilt, dass Unionsbürger ohne vorherigen Antrag für 90 Tage einreisen dürfen. Man erhält also ein normales Touristenvisum. Andere Visa sind aufwendig zu beantragen und auch immer zumindest mit Bearbeitungskosten verbunden. Auf meine Anfrage, welches Visum ich beantragen müsste, da mein Praktikum länger als die freien 90 Tage dauert, erhielt ich aber die Antwort, dass Praktikanten üblicherweise mit dem normalen Touristenvisum einreisen. Ein Antrag auf Verlängerung würde dann vor Ort gestellt. Gerne gesehen sind außerdem vorhandene Ortskenntnisse des Bewerbers. Gerade in Ländern mit sehr unterschiedlichen Kulturen, ist es einfacher mit Praktikanten zu arbeiten, die sich nicht nur geographisch zurechtfinden, sondern auch im Umgang mit den Menschen vor Ort geübt sind und um eventuelle Gefahren wissen.

b) Unterkunft und Auto

Das Auswärtige Amt versorgt angehende Praktikanten mit Materialien zu Unterkünften und auch Mietwagen. Jedem, der nicht ortskundig ist, würde ich empfehlen sich an diese Vorschläge zu halten anstatt für geringere Kosten eventuell zu riskieren in gefahrenträchtigen Stadtteilen zu landen. Gerade auch in Südafrika würde ich kein unnötiges Risiko eingehen. Kapstadt wirkt sehr westlich und in manchen Gegenden könnte man vergessen, dass man noch immer in Afrika ist, aber dennoch sind Armut und Kriminalität gegenwärtige Probleme. Zu beachten ist, dass das Auswärtige Amt keine Vergütung des Praktikums zahlt. Macht euch also vorher klar, dass ihr alle entstehenden Kosten selbst tragen müsst.

c) Sonstiges

Zur Kostendeckung kann ein Stipendium hilfreich sein. Beim DAAD werden Stipendien für Auslandspraktika explizit für Tätigkeiten in deutschen Auslandsvertretungen vergeben. Der Antrag sollte drei Monate vor Beginn des Praktikums gestellt werden. Im Fall der Auslandsvertretung läuft dies auf eine Antragstellung möglichst sofort nach Zusage des Praktikums hinaus. Falls möglich, solltet ihr den hierfür erforderlichen Sprachtest (angenommen wird nur das DAAD-Formular, TOEFL oder IELTS) daher bereits schon früher machen. Was man hat, hat man. Flüge sind zwar sehr günstig, wenn man sie zehn Monate im Voraus bucht, so früh werdet ihr in der Regel aber keine Zusage bekommen. Langstrecken, werden jedoch meistens etwa drei bis vier Wochen vor Abflug nochmal günstiger. Aber Vorsicht: Verpasst man den Tiefpreismoment, geht die Kurve steil nach oben. Zu denken wäre dann noch an eine Auslandskrankenversicherung. Falls ihr noch familienversichert seid, ist das zumeist sehr günstig. Bei eigenständiger Versicherung und einem Aufenthalt von mehr als sechs Wochen fallen im Schnitt 2,40€ pro Tag an. Allerdings gibt es Möglichkeiten im Rahmen von jährlichen Reiseversicherungen bei Flugbuchung Auslandskrankenschutz inklusive zu erhalten. Der Jahresbeitrag kann dann unter 20€ liegen. Vorsicht aber natürlich bei Bedingungen zu Vertragsdauer und Kündbarkeit.

4. Auf geht’s!

Sind soweit alle Vorkehrungen getroffen, muss man, so wie ich jetzt, eigentlich nur noch packen. Am 2. Mai fange ich an zu arbeiten. Zum Ende jeder Woche gibt es dann hier den Bericht dazu. Ich hoffe die Vorinformationen waren soweit interessant und freue mich jetzt auf Kapstadt sowie auf jeden Leser.
Im nächsten Beitrag erfährst Du mehr: Praktikumsblog Teil II - Angekommen in Kapstadt 
Autorin: Regina 
 

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