Ohne Rep zum Vollbefriedigend

Im Internet existieren viele gute Berichte zum Thema „Examen ohne Repetitorium“. Trotzdem glaube ich, dass es nach wie vor viele Studenten gibt, die einigermaßen orientierungslos mit der Examensvorbereitung starten (mir ging es damals genauso) und nicht wissen, was sie wählen sollen: das private Repetitorium oder doch den „eigenen Weg“?

I. Kein Glaubenskrieg

Statements wie „Ohne die Erfahrung der Repetitorien wird das Examen zur unlösbaren Aufgabe“ oder „Repetitorien taugen nichts“ spare ich mir. Denn erstens kann dies kaum einer ernsthaft behaupten, da es nur sehr wenige gibt, die beide Wege aus eigener Erfahrung kennen. Zweitens kenne ich Studenten, die ohne Rep im „Pflichtstoffmeer“ ertrinken würden. Genauso gibt es Studenten, die mit einem individuellen Lernplan erfolgreicher sind. Sätze wie jüngst von Thomas Fischer, Herausgeber des gleichnamigen StGB-Kommentars und mittlerweile Richter am BGH, dass die „elenden Repetitorien, zu denen alle hinlaufen“ Beispiel für „sinnlosen Aufwand“ seien,[1] ärgern mich. Viele gute Didaktiker, die später Dozent werden, haben fast zwingend auch ein autodidaktisches Talent. Wer diese Gabe nicht hat, braucht aber den Frontalunterricht der Repetitorien. Wenn dies häufig zum Erfolg führt, warum sollen dann Repetitorien nichts taugen? Der immer wieder bemühte Einwand „Die Studenten sind nicht wegen, sondern trotz des Repetitoriums erfolgreich“ wird spätestens durch die Aussage vieler Studenten entkräftet, Jura erst im Repetitorium richtig verstanden zu haben.

Den goldenen Weg gibt es somit nicht. Orientiert euch an folgenden Aussagen und fragt euch, ob sie auf euch zutreffen (oder nicht). Seid ehrlich!

·         Ich habe ein ausgeprägtes autodidaktisches Talent.

·         Ich kann mich selbst motivieren und bin ehrgeizig.

·         Es macht mir wenig aus, meinen Tag selbst strukturieren zu müssen.

·         Die Angst, etwas Examenswichtiges zu übersehen, habe ich nicht/kaum.

·         Ich lerne vorwiegend aus Büchern oder Skripten, bin also ein visueller Lerntyp.

Je mehr Aussagen auf euch zutreffen, desto eher ist eine Vorbereitung auf eigene Faust für euch der richtige Weg. Natürlich ist dies nur ein Grobraster: Es schließt nicht aus, dennoch gewinnbringend ein Repetitorium zu besuchen. Genauso wenig garantiert es euch den Erfolg in einer „One-man-Show“.

Repetitorien sind relativ teuer. Für die Studenten, die sich selbst vorbereiten, mag die Aussicht, viel Geld zu sparen, motivierend wirken. Wer sich den eigenen Weg jedoch nicht zutraut, sollte die Kosten nicht scheuen. Es ist allemal besser, einen kleinen Kredit aufzunehmen und mit einem ordentlichen Examen schnell das zur Tilgung nötige Geld zu verdienen, als schwach abzuschneiden oder länger studieren zu müssen. Das kann unter dem Strich sogar teurer werden.

II. Lern-AG

Ich konnte jede der obigen Fragen mit einem „Ja“ beantworten und entschied mich deshalb, auf ein Rep, auch ein universitäres, zu verzichten. Einen großen Vorteil der Repetitorien habe ich bisher allerdings unterschlagen: Ihr bewegt euch unter Menschen, mit denen ihr Erfahrungen teilen könnt, die euch zuhören, wenn ihr Sorgen habt, mit denen man nach einer Lernsession ein Bier heben kann. Es ist elementar wichtig, diesen Faktor in die eigene Vorbereitung zu integrieren. Daher lege ich euch ans Herz, eine Lern-AG zu gründen, in der ihr mit 3-5 Leuten Fälle durchsprecht. Denn ihr müsst verhindern, dass euch das Lernen einsam macht. Unterschätzt dies nicht! Auch wenn ihr abends noch mit Freunden ins Kino oder in den Club geht: Die Zeit bis 16 Uhr kann verdammt lang werden, wenn ihr immer allein seid. Es nagt an eurer Langzeitmotivation.

Wie ihr eine Lern-AG gründet, werde ich hier nicht näher ausführen; das würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Schaut einfach hier.

III. Klausuren

Gleich vorab: Hier habe ich eine nur sehr eingeschränkte Vorbildtauglichkeit. Ich habe vor den staatlichen Klausuren 12 Probeklausuren geschrieben: Fünf im Strafrecht, sechs im Zivilrecht und eine (!) im Öffentlichen Recht. Was also kann ich euch dazu ernsthaft berichten? Immerhin zwei wichtige Erkenntnisse:

·         Verabschiedet euch von der „Schreibt-unbedingt-100-Klausuren-Mär“

Im Internet kursieren Berichte, in denen ehemalige Studenten den Examenskandidaten 100 Klausuren anraten, ohne die der Studienerfolg gefährdet sei. Seht es bitte nicht so eng: Jede Klausur mehr hilft natürlich, aber ob ihr am Ende 100, 30 oder eben nur 12 Klausuren geschrieben habt, dürfte nicht die entscheidende Rolle spielen. Auch hier kann ich wieder Thomas Fischer zitieren, dass es besser sei, 10 Klausuren zu schreiben, sie auszuwerten und möglichst viel aus ihnen zu lernen (typische Fehler, Wissenslücken) als 100, die unreflektiert bleiben.[2] Versucht aber, die Zahl der Klausuren an der Wichtigkeit des Faches auszurichten, auch wenn mir dies offensichtlich nicht gelungen ist ;-)

·         Lasst euch von schlechten Ergebnissen nicht verunsichern

Schlechte Klausurergebnisse können an die Nieren gehen, ich weiß das. Im Zivilrecht habe ich in den ersten drei Klausuren 5 Punkte, 5 Punkte und – als ich der festen Meinung war „Jetzt habe ich mich verbessert“ – 4 Punkte geschrieben. Sicher, die Klausuren waren allesamt bestanden, aber man ist ja ehrgeizig. Vor allem möchte man einen Lernfortschritt sehen. In solchen Fällen müsst ihr auf eurem Weg bleiben und eine „Trotzhaltung“ entwickeln. Ich habe damals reagiert, indem ich im Zivilrecht bis zum Erbrechen Fälle gepaukt habe, die ich vorher zu lösen versucht habe. Gerade im hochsystematischen Zivilrecht muss man viel Wert darauf legen, grundlegende Strukturen zu verstehen (Bspw. müsst ihr euch klarmachen, was es mit „Anspruch entstanden? – Nicht untergegangen? – Durchsetzbar?“ auf sich hat). So gelingt es euch auch viel besser, den im Kopf oftmals unsortierten Stoff in der Klausur an der richtigen Stelle bringen zu können. Die nächsten beiden Klausuren landeten übrigens bei 10 und 11 Punkten.

Und glaubt mir: Irgendwann stumpft man etwas ab. Im öffentlichen Recht habe ich – wie gesagt – nur eine Klausur geschrieben. Es waren 3 Punkte: mangelhaft. Ich ließ mir die Klausur damals von einem Freund vorbeibringen. Es war WM, Deutschland musste am frühen Abend gegen die USA spielen und wir überbrückten die Zeit bis zum Spielbeginn mit einem Doppelkopfturnier in der Uni. Vielleicht lag es an der Situation, jedenfalls konnte ich mir sagen: „Ok, 3 Punkte. Ich hab noch nicht alles gelernt und werde daraus meine Schlüsse ziehen“. Zwei Botschaften:

1. Behaltet den Spaß am Leben und investiert Aufmerksamkeit in eure Freizeit.

2. Schlechte Ergebnisse müssen eure Examensnote nicht prognostizieren. Nachdem ich das Öffentliche Recht mit einigen großartigen Büchern (unten IV.) doch recht gut auf der Kette hatte, landeten beide ÖR-Klausuren im zweistelligen Bereich.

IV. Womit lernen? Und wie?

1. Was sollte ich lesen?

Für die Vorbereitung auf die Klausuren habe ich die nun folgenden Bücher verwendet. Hinzukommen noch einige Fallbücher, die ich hier jedoch ausklammere. Sehr empfehlenswert ist im Zivilrecht das „Beck’sche Examinatorium“. Für das Strafrecht lege ich euch den Klausurenkurs 3 von Beulke ans Herz. Ich gebe zu, die Liste droht einen zu erschlagen. Bedenkt aber: Ihr habt 1-1,5 Jahre Zeit, um all dies zu lernen. Ach ja: Mein "Lesekanon" ist natürlich nur ein Vorschlag. Ihr könnt mehr oder weniger lesen und ganz andere Werke, nur Lehrbücher oder nur Skripte. Diesbezüglich habt ihr Narrenfreiheit. Nur lesen überhaupt (auch mal das ein oder andere Urteil), das solltet ihr tun. Da erzähle ich euch aber vermutlich nichts Neues.

Strafrecht: Kühl (AT), Rengier (BT 1 und 2), Engländer (Skript zur StPO), Hillenkamp (Probleme aus dem AT und BT), Jäger (Gesamtdarstellung, s.u.).

Kommentar: Für das Strafrecht hatte ich eine Art „Dreisäulenmodell“: Abstraktes Wissen + Probleme + Fälle trainieren. Insbesondere hier ist es elementar wichtig, den Hillenkamp, also ein Problemeskript, zu lesen. Strafrecht ist „problembehaftet“ wie kein anderes Fach und niemand stellt dies so gut und kompakt dar wie Hillenkamp. Rengier ist mMn auch Pflichtlektüre, jedenfalls im BT. Sehr kompakt, interessant geschrieben und vollständig. Für den Allgemeinen Teil hat man die größte Freiheit: Auch hier kann man den Rengier wählen, aber auch den Wessels/Beulke. Ich für meinen Teil habe den Kühl genommen. Dieses 750-Seiten-Monstrum schadet sicher nicht. Allerdings kostet es viel Zeit, die ihr nicht unbedingt habt. Ihr müsst entscheiden, ob euch dogmatische Tiefe etwas bringt oder eher eine kompakte Darstellung. Der Engländer ist hervorragend: Sehr kurz, aber vollständig. Schwierige Probleme werden am Fall eintrainiert.

Zivilrecht: Rüthers/Stadler (BGB AT) sowie das Alpmann Skript, Looschelders (Schuldrecht AT, BT 1), Schwarz/Wandt (Gesetzliche Schuldverhältnisse), Weber (Sachenrecht 1 und 2), Nebenfächer: Juriq-Erfolgstraining-Skripte, Medicus (Gesamtdarstellung, s.u.)

Kommentar: Im Zivilrecht halte ich den Looschelders und den Schwarz/Wandt für unantastbar. Insbesondere der Schwarz/Wandt ist eine didaktische Offenbarung, sehr vollständig mit einprägsamen Fällen anhand höchstrichterlicher Rechtsprechung und guten Übersichten. Im BGB AT gibt es mit dem Brox/Walker und dem Faust gute Alternativen. Hier empfiehlt sich allerdings zusätzlich ein Skript zu lesen, da in den AT-Lehrbüchern einige – doch recht wichtige – Streitigkeiten fehlen oder zu kurz kommen. Mit dem Weber kommt nicht jeder klar, ich mag das Buch allerdings gerne. Hier kann auch sehr gut der Vieweg/Werner gewählt werden. Dieses Buch hat den Vorzug, dass es das Wissen nach Schwierigkeitsgraden einteilt, sodass deutlich wird, was Grundlagenwissen ist und was eher die Kür. Die Problemebücher von Gursky habe ich gelesen. Sie helfen, sind aber nicht unverzichtbar. Für die Nebenfächer habe ich – aus Zeitgründen – auf die knappen Juriq-Skripte zurückgegriffen, die ein sehr angenehmes Layout haben und in der Tiefe ausreichen sollten.

Öffentliches Recht: Degenhart (Staatsorganisationsrecht), Pieroth/Schlink (Grundrechte), Detterbeck (Verwaltungsrecht AT), Schlömer/Sperl (Verwaltungsrecht BT für Niedersachsen, zwei Skripte), Arndt/Fischer/Fetzer (Europarecht, Fallbuch), Frenz (Gesamtdarstellung, s.u.)

Kommentar: Alle hier genannten Lehrbücher halte ich für die jeweils besten auf dem Markt. Das ist natürlich nur meine Meinung, ihr könnt das gerne anders sehen. Insbesondere der Pieroth/Schlink ist nicht jedermanns Liebling. Schlömer/Sperl ist das beste Skript, das ich kenne. Wer Verwaltungsrecht BT nicht besonders mag („Joa Polizeirecht geht noch, aber Baurecht ist Mist und Kommunalrecht – Kommunalrecht? Nie gelernt!“), sollte sich mit diesen Kurzdarstellungen anfreunden können. Mir haben sie sehr geholfen.

Desweiteren empfehle ich euch dringend, Gesamtdarstellungen zu lesen, jedenfalls unmittelbar vor dem Examen. Sie schulen Strukturverständnis und sind gerade wenn man kein Rep besucht, elementar wichtig, um zu überprüfen, ob man alles wichtige gelernt hat. Ein kurzes Statement zu den drei bekanntesten:

Medicus (für das Zivilrecht): Wohl kein Jura-Buch polarisiert mehr als der Medicus. Von den meisten Profs. als unverzichtbar gepriesen, ist das Buch bei vielen Studenten verhasst. Teilweise verständlich, denn die Sprache ist sperrig und anstrengend, das Buch von vorne an bis zum Ende zu lesen eine einzige Qual. Ich kann zwar nicht sagen, wobei mir das Buch genau geholfen hat. Ich kann euch aber versichern, dass es mir geholfen hat. Der Medicus sollte also gelesen werden, schon aus Kontrollgründen bei der Frage, ob man alles Relevante gelernt hat.

Frenz (für das Öffentliche Recht): Der Frenz ist mMn eines der besten, wenn nicht sogar das beste Juralehrbuch auf dem Markt. Das öffentliche Recht wird sehr kompakt auf nur rund 350 Seiten dargestellt, anders als beim Medicus in leicht zu lesender, angenehmer Sprache. Wer dieses Buch durchdrungen hat, wird das nötige Rüstzeug haben, um im Examen bestehen und (wenn notwendig) improvisieren zu können. Sehr positiv ist, dass die Fußnoten einen nicht ertränken. Auch gibt es eine Liste mit wichtigen Entscheidungen.

Frenz behauptet in seinem Vorwort, viele Studenten würden sich bei ihm bedanken, dass das Buch ihnen das Prädikat im Öffentlichen Recht beschert habe. Angesichts dieser vollmundigen Behauptung war ich anfangs skeptisch, schließe mich dem aber an dieser Stelle an.

Jäger (Strafrecht AT und BT): Zum Jäger ist nicht viel zu sagen, außer dass er das Strafrecht interessant und in guter Sprache auf den Punkt bringt wie kein anderes Buch auf dem Markt. Fast schon virtuos gelingt Jäger die Einbindung von Fällen in den Lesefluss.

Tipp: Zumindest beim Medicus und dem Frenz ist es ratsam, nicht von vorne bis hinten zu lesen, sondern nach und nach die Teile, die ihr schon anderweitig gelernt habt und nun wiederholen wollt. Macht euch mit einem Textmarker einen Strich an den Rand der Textstellen, die ihr komplett (!) verstanden habt. Hat eine Seite irgendwann einen durchlaufenden Strich, umkringelt ihr die Seitenzahl. Nach und nach sind alle Seitenzahlen umkringelt und ihr könnt euch sicher sein, dass ihr den gesamten Stoff durchdrungen habt.

2. Wie sollte ich lernen?

Richtiges Lernen ist ein sehr komplexes Thema. Ich empfehle euch daher, Lernratgeber oder – alternativ – die Lernartikel auf dieser Seite zu lesen. Sie stammen aus der Feder von Dominik und mir. Dort erfahrt ihr wichtige Lernmethoden und typische Klausurfehler.

Der wichtigste Tipp, den ich vom "Godfather of Examen ohne Rep" (über 13 Punkte als vormalig durchschnittlicher Student)[3] übernommen habe: Schreibt am PC eigene Skripte! Ihr müsst Bücher „zum Leben erwecken“, indem ihr sie aktiv in Skripte umsetzt. Sonst bleibt nichts hängen. Alternativ könnt ihr Karteikarten schreiben. Ich persönliche finde an Skripten vorteilhaft, dass man sie leicht korrigieren kann. Eine Karteikarte – einmal geschrieben – ist erst mal in der Welt und kann nur begrenzt umgeschrieben werden. Kurz vor den Klausuren, als die Zeit langsam knapp wurde, waren Karteikarten jedoch super: Denn ihr Vorteil liegt darin, dass man sie schnell anfertigen und wiederholen kann.

Bezüglich der Lerndauer habe ich folgenden Tipp für euch: Lernt jeden Tag eure paar Stunden, aber stresst euch nicht zu sehr. Mir hat es immer geholfen, ein konkretes Ziel zu haben (z.B. „Heute mache ich die Notwehr“ oder „Rengier S. 1-25“). Wenn man es erreicht, hat man ein kleines Erfolgserlebnis. Wenn ihr einmal im Flow seid und nichts anderes zu tun habt, lernt ruhig mal 8-9 Stunden. Dadurch erarbeitet ihr euch die Freiheit, auch mal einen Tag freizumachen, wenn der Körper nicht mitspielt (Ihr seid keine Lernmaschinen!). Lernen und Freizeit müssen strikt getrennt werden. Dies ist vielleicht die größte Schwierigkeit bei der eigenständigen Vorbereitung. Außerdem solltet ihr möglichst nicht zu viel am Abend lernen, wo Körper und Geist bereits ermüdet sind, getreu dem Motto „Am Abend wird der Faule fleißig“. Betracht die Paukerei als euren Job. Lasst einen Tag in der Woche für andere Dinge frei.

V. Krisenstimmung

Kennt ihr dieses Gefühl, dass man alles hinwerfen will? Dass man sich fragt, warum man eigentlich Jura studiert? Warum man nichts Anständiges gemacht und ein Fach gewählt hat, bei dem sich viel Einsatz automatisch in guten Noten niederschlägt? Während meiner Vorbereitungszeit für das 1. Staatsexamen gab es viele Phasen, in denen ich so gedacht und das Studium verflucht habe. Andere Studiengänge, die auch nicht gerade für ihre Milde und Einfachheit berühmt sind (Medizin, Psychologie), werden dann vorschnell zu echten Alternativen erklärt.

Was tut man also in solchen Situationen? Erst einmal: Sauer sein und innerlich sch**** rufen. Lernen bringt Misserfolge und Stress mit sich, was Frust auslöst und Frust muss manchmal einfach raus, sonst staut er sich auf und man wird unglücklich. Wem das zu küchenpsychologisch klingt, der sei daran erinnert, das die Vorbereitungszeit eine ständige Selbstkorrektur mit sich bringt: Weg A bringt keinen Erfolg, Weg B vielleicht schon. Diese wichtige Einsicht ereilt euch nicht in den schönen, reibungslosen Momenten, sondern wenn euch das ganze Projekt zum Halse raushängt.

Münzt den Ärger in bessere Konzepte um! Wenn ihr in einem Fach ständig schlechte Noten habt, dürft ihr euch nicht sagen „Ich kann das nicht!“. Dann könnt ihr euch die ganze Lernerei auch sparen, denn mit einer solchen Einstellung wird keine Verbesserung eintreten, die Zeit zieht nur ungenutzt an euch vorbei. Schlechte Noten resultieren – eine faire Korrektur unterstellt – aus einer schlechten Leistung. Diese wiederum könnt ihr durch gezieltes Lernen umkehren. Fehlt das Wissen, dann lernt mehr, fehlt das Verständnis, lernt anders. Strukturierter etwa oder fallbezogener. Lest euch z.B. Fälle durch, die ihr vorher so gut es geht eigenständig löst. Brecht Einzelprobleme auf ihren Ursprung zurück (Bsp.: Die echte Rückwirkung ist grds. unzulässig, weil Vertrauensschutz existiert. Er wird anerkannt, weil der Bürger Rechtssicherheit braucht. Rechtssicherheit folgt aus dem Rechtsstaatsprinzip. Dieses ergibt sich aus Art. 20 III GG => Die Verfassung bestimmt mithin indirekt, dass eine echte Rückwirkung nur selten zulässig sein darf. Schon ist euch tieferes Verständnis garantiert).

Glaubt man Albert Einstein, dann ist die Definition von Wahnsinn dasselbe zu tun, aber ein anderes Ergebnis zu erwarten. Wenn es nicht läuft, dann ändert etwas und resigniert nicht. Ihr wollt doch nicht wahnsinnig werden – oder?

VI. Letzte Worte

Ich hoffe, ich konnte dem einen oder anderen bei der eigenständigen Vorbereitung auf das 1. Staatsexamen helfen oder ihn dazu motivieren. Eine gute Note ist drin, egal, ob mit Rep oder ohne. Ein schwerer Weg ist es allemal. Fokussiert euer Ziel und bleibt auf der Spur. Dann ist es wie beim Autofahren: Am Ziel angekommen, weiß man nicht mehr so recht, wie man den ein oder anderen Straßenabschnitt bewältigt hat. Soll heißen: Die Beschwerlichkeiten und Probleme verblassen mit der Zeit, das gute Zeugnis aber wird euch keiner mehr nehmen können. Viel Erfolg!

Edit: Da der Titel etwas doppeldeutig ist, erfolgt jetzt eine Klarstellung: Ich wünsche mir nicht nur, dass ihr mit Hilfe dieser Tipps zu einem VB gelangt, sondern ich habe auch selbst ein vollbefriedigendes Ergebnis im staatlichen Teil erzielt.




[1] http://www.zeit.de/campus/2014/06/thomas-fischer-jurastudium-vorurteile-auswendig-lernen.

[2] http://www.zeit.de/campus/2014/06/thomas-fischer-jurastudium-vorurteile-auswendig-lernen.

[3] Früher hatte diese Person eine eigene Internetseite, die aber nicht mehr zu existieren scheint. Sehr schade, aber eine weitere Daseinsberechtigung für diesen Artikel ;-)

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