Die Mittel heiligen den Zweck – die sieben beliebtesten Lernmethoden | iurastudent.de

Die Mittel heiligen den Zweck – die sieben beliebtesten Lernmethoden

von Dominik · Lernbeiträge

Die beliebtesten Lernmethoden für das Jurastudium

I. Vom Lieblingsbaum und Urwäldern

 

Eine der großen Schwierigkeiten im Jurastudium ist die Aufgabe, aus den zahlreichen Methoden, sich den Stoff anzueignen, die jeweils richtige(n) zu finden. Zwei Vorgehensweisen sind dabei besonders gefährlich, die  durch die folgende kleine Parabel vorgestellt werden:

 

Es waren einmal zwei Brüder. Sie mochten die Natur, deshalb lebten sie im Wald fernab der Stadt. Den jeweils anderen konnten sie nicht leiden. Udo hielt seinen Bruder Thorsten für engstirnig, Thorsten hingegen fand, dass Udo nichts anderes sei als ein alter Raffzahn. Thorsten nämlich begnügte sich mit einem einzigen Baum. Dieser war groß und mächtig und mitten in die Baumkrone hatte Thorsten ein Baumhaus gebaut. Er fühlte sich sicher. Udo konnte dem nichts abgewinnen. Es hauste im dichten Nachbarwald, der dunkel und undurchsichtig war und wo ein Baum den anderen jagte. Er fühlte sich nicht minder sicher. Eines Tages suchte ein großer Sturm das Land heim. Er machte vor nichts halt und verschlang alle Häuser der Stadt. Das Unwetter hatte sich bereits eine gefräßige Schneise geschlagen, als es die Baumreihen der Brüder erreichte. Thorsten glaubte, auf seinem massiven Baum könne ihn nichts passieren. Doch er irrte sich. Wütend vernichtete der Sturm den Baum mitsamt Baumhaus. Thorsten starb. Udo fühlte sich bestätigt: An den vielen Bäumen, die ihn umgaben, prallte der Sturm ab. Doch die Baumkronen schwankten und Udo bekam Angst. Er lief immer tiefer und tiefer in den Wald, bis ihn dutzende Bäume umgaben, sodass er nichts mehr sehen konnte. Irgendwann beruhigte sich die Luft. Doch Udo wusste nicht mehr, wie er in die Mitte des Waldes gekommen ist und – schlimmer noch – wie er wieder aus dem Wald herausfindet. So vergingen Tage um Tage, in denen Udo verzweifelt versuchte seine Hütte mit den rettenden Lebensmitteln wiederzufinden. Doch es gelang ihm nicht. Udo starb. Über das Land legte sich ein Schleier trauriger Gewissheit: Sicher waren sie beide nicht.

 

Nun wollen wir aber deinem berechtigten Interesse nach einem Lernartikel nachkommen. Wir sind ja schließlich nicht die Gebrüder Grimm. Aber was wir damals als Kind schon geahnt haben, wissen wir heute: Jedes Märchen hat eine Aussage, aus der es zu lernen gilt. Denkt euch einfach Thorstens dicken Baum als eine einzige, ausgereifte Lernmethode und Udos Urwald als ein Heer aus Lernmitteln. Der Sturm ist dabei der Ernstfall einer Klausur. Der Tod schließlich, der beide trifft, ist das Nichtbestehen der Klausur. Obwohl sich beide geborgen fühlten, konnten beide Strategien nicht halten, was sie versprachen: Sicherheit.

 

Für euer Studium müsst ihr daraus folgendes lernen: Euch verhilft weder ein einzelnes Lernmittel zum juristischen Erfolg noch die Anwendung aller Mittel, die es gibt. Man muss also eine Auswahl treffen und die Lernmittel geschickt kombinieren. Damit ihr wählen könnt, müsst ihr zunächst über die Lernmittel Bescheid wissen (II.). Als solche werden wir euch vorstellen: Lehrbücher, Skripte, Vorlesungen, Lehraufsätze, Gerichtsurteile, Fallbücher und –sammlungen sowie das Klausurenschreiben

 

Auch die private Lern-AG ist ein (äußerst effektives) Lernmittel. Wegen ihrer Bedeutung wird sie allerdings aus diesem Artikel ausgeklammert und nächste Woche detailliert in unserem letzten Artikel erörtert.

 

Damit die Aufforderung zu gewinnbringender Kombination der Lernmittel nicht als abstrakter Tipp verebbt, geben wir euch ein paar Beispiele und praktische Tipps an die Hand, wie man die Lernmethoden verbinden und so ihre Effektivität massiv erhöhen kann (III.).

 

II. Die „magischen Sieben“

 

Vorab folgender Hinweis: Wir haben die 7 Kernlernmittel in drei Kategorien eingeteilt: solche, die helfen den Stoff in den Kopf zu bekommen, solche die den Stoff vertiefen oder inhaltlich ergänzen und solche, die helfen den Wissenstransfer in den Klausurfall zu ermöglichen. Wir sind uns dabei bewusst, dass eine solche Kategorisierung außer Acht lässt, dass einige Methoden gewissermaßen eine „Zwitterstellung“ haben: So können Skripte nicht nur der Stofferarbeitung, sondern auf dem Wissenstransfer  dienen (man denke insbesondere an Examensskripte). Lehraufsätze können nicht nur für die Stoffvertiefung fördern, sondern schon der Erarbeitung dienlich sein, vor allem wenn die Aufsätze Grundlagen vermitteln wie etwa jene aus der JA oder der JuS. Wir haben die jeweiligen Lernmittel in diesen Fällen dort eingeordnet, wo sie ihre Kernfunktion erfüllen.

 

1. Methoden zur Stofferarbeitung

 

a) Lehrbuch

 

 Eines der am häufigsten verwendeten Lernmittel ist das Lehrbuch. In der Vorlesung werdet ihr von dem Professor eine entsprechende Lehrbuchempfehlung erhalten (man munkelt, dass mitunter besonders gern die eigenen Werke empfohlen werden…).

Doch der Literaturempfehlung des Lehrenden sollte nicht bedingungslos und blind gefolgt werden. Ihr solltet vielmehr in die Bib oder Buchhandlung gehen und euch mindestens zwei, besser aber noch mehr Werke zum Themengebiet greifen. Dann sucht ihr euch einen typischen Abschnitt heraus, der in jedem der Bücher Erwähnung findet, beispielsweise das Abstraktionsprinzip in den Lehrbüchern zum BGB AT. Dann vergleicht ihr, welches Buch euch nach subjektivem Empfinden auf Anhieb auf meisten zusagt (sei es wegen der Ausdrucksweise, der Aufmachung, der Übersichtlichkeit oder der Aktualität des Werkes). Alternativ könnt ihr die entsprechenden Bücher zunächst aus eurer Fachbereichsbibliothek leihen, sodass ihr in Ruhe vergleichen und dann eure Kaufentscheidung treffen könnt. Häufig werden euch diese Lehrbücher das gesamte Studium über begleiten. Lehrbücher sind zudem nicht ganz billig (zwischen 20 und 30 Euro) und können mit der meist knappen Studentenkasse nicht einfach so „ausgetauscht“ werden. Aus diesen Gründen sollte eure Wahl sorgfältig erfolgen. Das heißt natürlich nicht, dass ihr eure Entscheidung nachträglich nicht mehr korrigieren könnt.

 Das Lehrbuch bietet sich insbesondere zu Beginn des Studiums an. Dort kann das Werk dann begleitend zur entsprechenden Vorlesung gelesen werden. Dies geht genauso häppchenweise wie auch im Ganzen. Eventuell könnt ihr den Kerninhalt des Buches in eigenen Worten zusammenfassen und dann später auf die gemachten Notizen zurückgreifen. So spart ihr euch den ständigen Blick in das Lehrbuch, der euch sonst schnell ermüden kann.

 Lehrbücher gehen häufig sehr ins Detail und ihr werdet einige Zeit brauchen, bis ihr dieses vollständig gelesen habt. Dies erscheint zunächst wie ein Nachteil, denn die Zeit ist im Jurastudium (wie in anderen Studiengängen auch) knapp. Wenn man jedoch genauer hinsieht, dann erscheint das Problem als nicht mehr so gravierend: Einige Teile des Lehrbuchs kann man getrost überlesen, z.B. solche, bei denen der Normtext einfach nur wiedergegeben oder paraphrasiert wird. Zudem werdet ihr von dem „Konsum“ eines Lehrbuchs profitieren: Sie können euch sehr gut helfen, die juristischen Grundlagen zu erwerben. Sie stellen Gesamtzusammenhänge dar und liefern durch umfassendere Darstellungen die Informationen, die bei anderen Lernmitteln (meist aus Gründen des Umfangs) weggelassen werden müssen. Auf diese Weise vermitteln Lehrbücher häufig ein realistisches Bild davon, was von euch in Klausuren oder Hausarbeiten den Stoffumfang betreffend erwartet wird. Zuletzt resultiert die Länge eines Lehrbuchs zu einem großen Teil aus seiner Wissenschaftlichkeit – viele Aussagen des Autors belegt dieser durch ein Zitat oder er gibt am Anfang oder Ende eines Kapitels Tipps zur weiterführenden Lektüre. Diese Hinweise könnt ihr entweder zeitsparend überlesen oder davon profitieren, indem ihr solche Fundstellen nachlest, die ein für euch besonders interessantes Thema behandeln. Auch für die Hausarbeit ist ein Lehrbuch (im Gegensatz zu den nicht zitierfähigen Skripten) hilfreich. Lehrbücher sind zudem sehr aktuell – sie geben häufig den neuesten Meinungsstand von Rechtsprechung und Literatur wieder oder bieten einen Überblick über Gesetzesreformen. So werdet ihr das „neue Mietrecht“ sehr viel schneller in einem Lehrbuch finden, als beispielsweise in einem Skript.

Der gravierendste Nachteil der Lehrbücher liegt darin, dass insbesondere Anfänger vom inhaltlichen Umfang eines Lehrbuchs erschlagen werden (können). Aus den dort gegebenen Hinweisen und Informationen eine Struktur zu extrahieren, die das eigene Wissen ordnet, ist nicht immer leicht. Spätestens vor oder während der Examensvorbereitung werdet ihr jedoch genug Strukturen erworben haben, um für den „Blick über den Tellerrand“ bzw. die erläuternden Hinweise, die ein Lehrbuch bietet, dankbar zu sein. 

 b) Skripte

 

Skripte sind Kurzzusammenfassungen eines Rechtgebietes, die keinen wissenschaftlichen Anspruch verfolgen, sondern dem Studenten unter didaktischen Gesichtspunkten schnell das wichtigste zu einem Rechtsgebiet vermitteln wollen. Die umfangreicheren Skripte seien hier einmal ausgeklammert, dass sich in didaktischer Zielsetzung, Umfang und Preis (!) nur unerheblich vom Lehrbuch unterscheiden.

 

Skripte sind hilfreich, wenn man sich die Grundstrukturen eines Rechtsgebiets einprägen will. Man kann sie deshalb lesen, um einen ersten Zugang zu dem Themenkreis zu erhalten oder aber um Lehrbuchwissen zu ordnen und in eine Struktur zu pressen. Insbesondere Problemskripten schärfen dabei euer Bewusstsein für Klausurprobleme und helfen euch bei der Schwerpunktsetzung. Weil Skripte meist kurz gehalten sind, lassen sie sich schnell lesen. Diese Zeitersparnis ist besonders wertvoll, wenn ihr für eine anstehende Klausur in kurzer Zeit noch Kenntnisse erwerben müsst. Auch bieten sich Skripte an, wenn man unwichtigere Rechtsgebiete lernt, die man aus Zeitgründen nicht detailliert behandeln will oder kann.

 

Skripte sind ungeeignet für den Grundsatz des aktiven Lernens, weil sie selbst derart verknappt sind, dass eine Zusammenfassung in Form von Karteikarten und Computermitschriften nur schwer gelingt. Ein weiterer Nachteil hängt mit dem vorstehenden eng zusammen. Weil der Lernstoff stark eingedampft ist, sind Skripte mitunter zu oberflächlich oder enthalten nicht alle für die Klausur relevanten Probleme. Dies kann gefährlich werden, wenn man durch ihre Kürze dem Trugschluss erliegt, dass mehr Wissen als das im Skript preisgegebene für die Klausur nicht erforderlich sei. Im schlimmsten Fall – nämlich dann, wenn man ausschließlich mit kurzgehaltenen Skripten arbeitet – leidet der Tiefgang eurer Klausur. Euch bleibt die Möglichkeit, die spärlichen Ausführungen aus dem Skript wiederzugeben, statt auf tiefergehendes Wissen aus dem Lehrbuch zurückgreifen zu können. Denkt dran: Für beide Lernmethoden gilt, dass erkennbar auswendig gelernte Argumente in der Klausur in der Regel nicht honoriert werden.

 

Skripte sind zudem in der Regel unwissenschaftlich – dies kann ein Vorteil sein, weil der Autor nicht gezwungen ist, die 4. Abweichlermeinung einer Streitigkeit darzustellen oder der Fließtext nicht in „Fußnoten ertrinkt“. Insbesondere aber, wenn einen ein Thema stark interessiert oder man es noch nicht genau verstanden hat, lassen einen Skripte meist hilflos zurück. Denn Hinweise auf weitere Literatur sucht man häufig vergebens.

 

c) Vorlesung

 

Die Vorlesung ist neben den Lehrbüchern wohl die am meisten verbreitete Methode, sich den Klausurstoff anzueignen. Es ist zugleich dasjenige Lernmittel, welches man am ehesten mit dem Stichwort „Universität“ verbindet. Bei der Vorlesung stellt sich der Dozent vor die Studenten und vermitteln ihnen den Lernstoff Kapitel für Kapitel.

 

Die Vorlesung hat verschiedene Vorteile. Zunächst kann sie die Effektivität und die Effizienz deines Lernens erhöhen.Denn mit dem Hören erhältst du einen weiteren Zugang für die Stoffverarbeitung. Zudem hilft euch die Vorlesung unmittelbar bei der Klausur. Konzentriere dich darauf, was der Professor besonders häufig, besonders detailliert und mit besonderer Begeisterung oder Inbrunst erzählt. Kommen alle drei Faktoren zusammen, dann kannst du ziemlich sicher sein, dass du sie erkannt hast: Die Steckenpferde des Dozenten. Auf ebenjene „hot spots“ solltest du deine Klausurvorbereitung ausrichten. So schmälerst du die Gefahr, dass dein Lernen an den Anforderungen vorbei geht.

 

Hinzu tritt der „Entertainment-Faktor“: In den Vorlesungen triffst du in der Regel Freunde bzw. Kommilitonen und kannst mit ihnen quatschen. Da man ja bei all dem Lernen ein Mensch bleiben will, darf man diesen Punkt nicht unterschätzen. Gute Vorlesungen sind zudem recht kurzweilig, interessant und mitunter sogar unterhaltsam. An sich trockenen Stoff als Unterhaltung zu erleben, kann deine Motivation erheblich steigern und dem Lerninhalt eine lebendige Note verleihen.

 

Vorlesungen binden dich zeitlich. Daraus erwächst der Vorteil, dass dein Tag eine gewisse Struktur bekommt, du bei frühen Vorlesungen zum Aufstehen gezwungen bist oder den Stoff nachbereiten musst. Achte aber darauf, dass du dir nicht zu viele Vorlesungen auflädst, jede also aus irgendeinem Grund für dich sinnvoll ist. Dabei sind alle möglichen Beweggründe akzeptabel, nur einer nicht: „Ich gehe zur Vorlesung, um mein Gewissen zu beruhigen!“ Denn dazu können Vorlesungen nur bedingt herhalten. Sie sollen dein Lernen fördern, dir helfen, deine sozialen Kontakte im Studium zu pflegen oder dir eine angenehme Zeit schaffen. Sie dienen jedoch nicht dazu, dir das Gefühl zu vermitteln: „Ich habe den Stoff gehört und nun ist gut“. Das wird auf Dauer nicht funktionieren. Wer sich auf Vorlesungen ausruht, den Stoff also nicht (möglichst aktiv) nachbereitet, bei dem werden sich nach und nach Lernlücken auftun, die später vor dem Examen nur schwer zu füllen sind.

 

Gefällt dir eine Vorlesung ganz und gar nicht, z.B. weil du sie unstrukturiert findest, der Dozent dich aus irgendwelchen Gründen nicht anspricht oder du das Gefühl hast, mehr in einem Comedysaal zu sitzen als in einer Vorlesung oder (am schlimmsten) sich bei dir das Gefühl breit man, du hättest grade eine Betäubungsspritze erhalten, weil du kurz vorm Tiefschlaf bist, dann solltest du gehen und am besten nicht wieder herkommen. Ein Lehrbuch oder ein Skript werden für dich dann gewinnbringender sein!

 

Tipp: Du solltest dir während einer Vorlesung, die Wissen vermittelt, das wichtigste mitschreiben. Dies hat nicht nur den Vorteil, dass sie dir kurzweiliger vorkommt, sondern auch eine Erhöhung des Lernerfolgs zur Folge, da du dir durch das parallele Schreiben mehr merken kannst. Das Gehirn bekommt nämlich neben dem Gehör einen weiteren Signaleingang, sodass sich der Vorlesungsinhalt besser festsetzt. Im Idealfall kannst du dir deine Mitschriften später noch einmal anschauen, wenngleich dies nach Erfahrung der Autoren nur selten geschieht. Achte aber dabei darauf, dass du noch in der Lage bist, dem Dozenten zu folgen. Sobald das Verständnis für den auf der Bühne referierten Stoff leidet oder abhanden kommt, ist der Gewinn aus der Vorlesung gleich null und du hättest besser zu Hause bleiben können. Die Mitschriften sollen in erster Linie eine Hilfe zur Stofferarbeitung sein und sind kein Selbstzweck. Bei solchen Vorlesungen, bei denen Fallkompetenz geschult wird (insbesondere große Übungen, aber auch das Repetitorium), lohnt das Mitschreiben nur wenig – hier kommt es eher auf das Mitdenken an. Denn ihr müsst dem Gedankengang der Lehrenden, der die Ideallösung preisgibt, folgen können. Dies geht nur, wenn ihr euch voll auf die Aussagen des Dozenten konzentriert.

 

2. Methoden zur Stoffvertiefung

 

a) Lehraufsätze

 

Eine sehr gute Ergänzung zur Wissensvermittlung in der Vorlesung oder im Rep stellen Aufsätze dar. Gerade in den namenhaften Ausbildungszeitschriften (JuS, JA, Jura usw.) weisen die Aufsätze eine sehr hohe Qualität auf und können euch dabei helfen auch komplexe Probleme anhand der Lektüre zu begreifen. Dafür ist es nicht zwangsläufig notwendig eine der Zeitschriften zu abonnieren, denn ihr könnt auf deren Inhalte frei und kostenslos in der Bibliothek zugreifen. Hingewiesen sei auf die Gefahr, die bei den Lehraufsätzen lauert: Mitunter gehen sie zu sehr ins Detail. Dies kann gelegen kommen, wenn man ein Thema aus persönlichem Interesse oder für die Hausarbeitszwecke vertiefen will. Es kann aber überfordern, wenn man für die Klausur oder das Examen lernt, wo es wie bereits in den früheren Artikeln erwähnt in erster Linie auf Grundlagenwissen ankommt.

 b) Gerichtsurteile

 

Manchmal kann es im Studium Sinn machen Gerichtsurteile zu lesen, insbesondere wenn es sich um aktuelle Urteile handelt, die eventuell in der Klausur oder dem Examen drankommen könnten.

Problematisch ist daran jedoch, dass diese Urteile in den amtlichen Sammlungen sich leider nicht an den für euch essentiellen Klausuraufbau halten. Dort wird zum einen der (für euch im Studium verpönte) Urteilsstil angewandt und zum anderen werden dort nur problematische Sachen angesprochen – ihr findet dort also keine umfassende gutachterliche Lösung, wie sie von euch in einer Klausur erwartet wird. Empfohlen werden kann aber die Lektüre von aufbereiteten Urteilen in der RÜ oder der Life & Law. Dort werden die Urteile größtenteils so gelöst, wie es in einer Klausur von euch erwartet wird. Es sei aber darauf hingewiesen, dass euch die Kenntnis des entsprechenden Urteils nicht davon entbindet, eine vollständige und umfassende gutachterliche Würdigung des Sachverhaltes durchzuführen. Sie ermöglicht euch nur, dass sich eure Klausurlösung von der Masse der Fallbearbeitungen abhebt und positiv hervorsticht. So könnt ihr in den zweistelligen Punktebereich gelangen.

Es gibt natürlich lohnenswerte Entscheidungen, bei denen die fehlende gutachterliche Lösung in den Hintergrund rückt: Sie können sich einmal wegen des einen Überblick ermöglichenden Umfangs lohnen (wie z.B. die Rastede-Entscheidung des BVerfG (E 79, 127), in der fast das gesamte Kommunalrecht beschrieben wird). Zum anderen können sich einen inhaltlichen oder dogmatischen Einblick in ein Rechtsgebiet bieten. Beispielhaft genannt sei der „Katzenkönig-Fall“ des BGH (St 35, 347), der euch in die Lage zu versetzt, den Unterschied zwischen Unrecht und Schuld und die Dogmatik der mittelbaren Täterschaft zu verstehen.

Ein Vorteil und ein Nachteil sei noch erwähnt: Durch die Lektüre der Urteil verbessert ihr eure juristische Ausdrucksfähigkeit. Viele anerkannte Definitionen wurden durch die Gerichte entwickelt. Zudem entstammen zahlreiche Schlagworte wichtigen Gerichtsentscheidungen (sog. „leading cases“ oder „Leiturteile“). Beispielhaft genannt sei die Definition des Eventualvorsatzes („billigend in Kauf nehmen“) oder die Entwicklung der 3-Stufen-Theorie durch das Apothekenurteil des BVerfG (E 7, 377). Nachteil der Gerichtsentscheidungen kann sein, dass man sich in einer Klausur, die den Inhalt des Urteils aufgreift, derart stark daran erinnert fühlt, dass man die Inhalte der Entscheidung ohne Fallbezug wiedergibt und dabei im schlimmsten Fall die Unterschiede zwischen Klausursachverhalt und dem Lebenssachverhalt, der dem Urteil zu Grunde lag, übersieht.

 3. Methoden zum Erwerb von Falllösungstechniken

 

a) Fallbücher und Fallsammlungen

 

Fallsammlungen können das Lernen besser auf die Klausur ausrichten (müssen dies allerdings nicht!). Auch bei Fallsammlungen gilt, dass ihr aktiv lernen solltet. Für Fälle bedeutet dies, dass ihr sie nicht nur „konsumieren“, d.h. die Falllösung schlicht lesen sollt, sondern dass ihr versucht, den Fall soweit wie möglich zu lösen. Benutzt dabei so wenig Hilfsmittel wie möglich (siehe den 10. Tipp im letzten Artikel). Viele Fallbücher sind genau nach diesem Modell aufgebaut: Auf einer Seite steht der Sachverhalt und der Rest der Lösung ist erst einmal nicht ersichtlich, ohne dass umgeblättert werden muss. Achtet dabei darauf, dass die Fallsammlungen ein Niveau aufweisen, das eurem entspricht. Heißt: Seid ihr Examenskandidat, dann lasst die Finger von Anfängerklausurenkursen und steht ihr am Beginn eures Studiums dann hütet euch vor Fällen mit Examensniveau.

b) Klausuren

 

Auf einen ähnlichen Lerneffekt wie bei der eigenen Bearbeitung der Fälle in einem Fallbuch zielt das Klausuren schreiben. Dort könnt ihr unter realistischen Bedingungen überprüfen, ob ihr das erlernte Wissen auch wirklich in der Klausur anwenden und umsetzen könnt. Es spielt dabei keine Rolle, um was für eine Klausur es sich handelt (Grundstudiumsklausur, Fortgeschrittenenübung oder Examensklausurenkurs). Was gegen die Klausuren spricht ist der Zeitfaktor: Während einer Klausur, die im Klausurenkurs wie im Examen auch 5 Stunden dauert, lässt sich nichts anderes lernen. Auch dann, wenn die Klausur ein schlechtes Ergebnis oder zumindest eines, welches unter den eigenen Erwartungen liegt, nach sich zieht, tut sich ein Nachteil auf: Klausuren schreiben kann verunsichern. Bedenkt aber: Die Klausuren vorm Examen sollen trainieren und zählen nicht für die Endnote. Ihr seid also recht frei und ein schlechtes Ergebnis ist und bleibt folgenlos. Und vielleicht schneidet ihr ja auch ab und an gut ab? Die Motivation durch ein gutes Ergebnis wird mindestens genauso hoch sein wie die „Rückschlagswirkung“ einer schlechten Klausur.

III. Wie man die einzelnen Lernmittel gewinnbringend kombiniert

 

Wie schon oben bereits angedeutet, bringen euch diese Lernmittel für sich genommen nicht sehr viel – erst die Verbindung der unterschiedlichen Lernmittel wird euch einen Erfolg im Studium bescheren.

Habt ihr eine Vorlesung (oder später das Repetitorium) besucht, muss sich daran das eigenständige Nacharbeiten anschließen. Dies kann durch das Nachlesen anhand eines Skripts oder eines Lehrbuchs erfolgen. Reichen euch die Informationen aus dem Lehrbuch oder dem Skript für ein umfassendes Verständnis nicht aus, so könnt ihr auf Lehraufsätze zurückgreifen. Sie stellen ein Thema vertieft dar. Leiturteile, auf die der Dozent oder der Lehrbuchautor eigens hinweist, solltet ihr anhand der originalen Gerichtsurteile durcharbeiten. Hier helfen jedoch auch oft die Aufbereitungen der Urteile in den Ausbildungszeitschriften zum tieferen Verständnis.

Neben der theoretischen Aneignung des Wissens müsst ihr trainieren, dieses Wissen in eine Klausur zu bringen. Dies könnt ihr anhand eines Fallbuches oder bestenfalls durch das Schreiben von Übungsklausuren erreichen. Die Klausuren haben dabei den Vorteil, dass die eine unmittelbare Leistungskontrolle durch die Benotung ermöglichen. Bei Fallsammlungen hingegen müsst ihr selbst schauen, ob der Fall den Anforderungen entsprechend gelöst wurde. Dies gelingt nicht ohne eine gewisse Unsicherheit.

 Beachtet nun noch die folgenden drei Faustregeln zu den Lernmitteln:

 1) Das Verhältnis zwischen Wissenserarbeitung, Wissensvertiefung und Falllösung sollte zum Beginn des Studiums eher absteigend, zum Ende hin eher aufsteigend verlaufen. Dies bedeutet, dass ihr zunächst auf den Erwerb des materiellen Wissens und zum Examen hin eher auf die Falllösung Wert legen solltet. Denn anfangs baut ihr gewissermaßen euer Wissensfundament, welches ihr dann in der Abschlussprüfung anwenden müsst.

 2) Ihr müsst auf jeden Fall entweder ein Lehrbuch sorgfältig lesen oder die Vorlesung gut nutzen, am besten aber beides. Nach Erfahrung der Autoren kommt dem Lehrbuch die etwas wichtigere Bedeutung zu, heißt: Man kommt im Extremfall ohne Vorlesung durchs Studium, aber nicht ohne Lehrbuch!

 3) Vertieft euer Wissen nur dort, wo es auch wirklich notwendig ist. Notwendig ist eine Vertiefung entweder dort, wo ihr tatsächlich Verständnisschwierigkeiten habt oder an den Stellen, die objektiv besonders schwierig oder wichtig sind. Dies gilt für Lehraufsätze und Gerichtsurteile gleichermaßen. Verlauft euch also nicht den Tiefen und Wirrungen der juristischen Literatur, sondern wahrt immer den konkreten Fall- bzw. Klausurbezug. Ausnahme: Euch interessiert der vertiefte Bereich brennend. Das ist natürlich immer in Ordnung – das Studium soll ja schließlich Spaß machen!

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