Die Hausarbeit im Jurastudium II - Der Kampf mit den Formalia

Es gibt ein paar Sachen, die man beim Schreiben von Hausarbeiten von Anfang an beachten und pflegen sollte. Die Rede ist von den allgemeinen Hinweisen zu den zu verwendenden Formalia und Formatierungsvorgaben, die in nahezu jedem Bearbeitungsvermerk enthalten sind (Schriftart und Schriftgröße, Zeilenabstand, Seitenabstand, Seitenanzahl). Und an diese Formalia sollte man sich auch halten! Es wird Euch keiner Danken, dass Ihr es geschafft habt, die Angaben im Hinblick auf die Formatierung umzusetzen - Das wird vorausgesetzt und es ist auch kein Hexenwerk. Schwierig wird es aber immer dann, wenn die vorgegebene Seitenbeschränkung nicht ausreicht und man sich von seinen Ausführungen nur ungern trennen möchte.

Zugegeben, es gibt viele Arbeiten, bei denen es auch durchaus angebracht wäre, mehr zu schreiben als es nach der Seitenbeschränkung möglich ist. Gleichzeitig ist die Seitenbeschränkung aber nicht nur Selbstzweck, sondern durchaus auch als Qualitätsmerkmal zu betrachten. Denn in ihr spiegelt sich zu einem Großteil auch die Fähigkeit des Autors wieder, die zu behandelnde Materie auf das Wesentliche zu reduzieren und das ist gerade in einem Bereich, der so gut wie ausschließlich das geschriebene Wort in den Vordergrund stellt eine nicht zu unterschätzende Fähigkeit.

Dennoch bleibt die Versuchung an den vorgegebenen Formalia zu schrauben groß. Der Seitenabstand wird nach und nach verringert, der Zeilenabstand verkleinert und die eine Seite, die zusätzlich am Ende abgegeben wird, die wird schon keinem auffallen oder als „im Rahmen“ eingestuft werden. Als äußerst beliebt hat sich auch der vollständige Verzicht auf Absätze oder das Zusammenfassen von Gliederungsebenen gezeigt.

Von all diesen Punkten soll hier in aller Klarheit abgeraten werden. Die Gründe hierfür sind vielzählig. Man könnte damit beginnen, dass es durchaus vorkommt, dass die Korrekturassistenten die Anweisung haben, Verstöße gegen die Vorgaben abzustrafen, sodass überschüssige Seiten einfach ignoriert werden. Es ließe sich ins Feld führen, dass selbst ohne diese Anweisung von Anfang an ein schlechter Eindruck vorhanden ist, wenn die Korrekturassistentin oder der Korrekturassistent die Arbeit aufklappt und sofort feststellt, dass die Arbeit nicht den Formatvorgaben entspricht, weil der Seitenabstand auf ein Minimum reduziert wurde und dadurch als Negativbeispiel heraussticht.

Hinzu kommt, dass die Vorgaben oft so gesetzt sind, dass die Arbeit gut leserlich ist. Natürlich soll es bei den Hausarbeiten um den Inhalt gehen, gleichzeitig sollte dieser aber so gut es geht präsentiert werden, um es den Lesern der Hausarbeit leicht zu machen! Das schließt vor allem auch das Setzen von Absätzen ein. Macht doch mal die Probe aus Exempel und versucht eine Arbeit, die vollständig auf Absätze verzichtet, vernünftig zu lesen...

Der meiner Meinung nach aber ausschlaggebende Punkt ist ein eher inhaltlicher: Sollte die Seitenbeschränkung nicht ausreichen, solltet ihr zunächst einmal überlegen, ob Eure Schwerpunktsetzung akkurat ist und wo ihr ggf. inhaltlich einen Punkt zu ausführlich behandelt habt. Denn grundsätzlich gilt: Nur die wichtigsten Punkte in der Hausarbeit sind in aller Breite darzustellen. Wenn im Strafrecht der Schwerpunkt der Prüfung beispielsweise erkennbar im Rahmen der Rechtswidrigkeit liegt, bringt es herzlich wenig ausführlich darüber zu streiten, wann und nach welcher Meinung der Tod des O denn nun eingetreten ist. O ist tot und sofern es für den Fall nicht wirklich relevant ist, ist es völlig egal, ob der Tod nach einer Meinung mit dem Ende der Hirnaktivität oder nach der anderen Meinung mit dem Ende der Organaktivitäten eintritt (und ja, es gibt auch noch ne dritte Meinung...). Die Seitenbeschränkung kann also fast als Korrektiv des eigenen Ausschweifens betrachtet werden!

Schaut Euch also vielmehr Eure Arbeit genau an und achtet darauf, das Wichtige ausführlich und das Unwichtige entsprechend kurz zu behandeln. Die Spreu vom Weizen zu trennen kann mitunter äußerst schwierig sein. Hier hilft vor allem eine akkurate Vorbereitung (wie das nun wieder funktioniert erfahrt ihr hier...)!

So schwer es auch fallen mag, oft mangelt es nicht an zu wenig Platz, sondern an der Schwerpunktsetzung! Haltet Euch also an die Vorgaben und achtet darauf, die Arbeit so leserlich wie möglich zu gestalten (Absätze, Überschriften für Gliederungsebenen, etc.). Ein Einhalten der Vorgaben wird euch keine Extrapunkte einbringen, ein Abweichen aber wird zumindest negativ auffallen, wenn nicht gar de facto schaden.

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