Weidemann/Scherf - Die Revision im Strafrecht

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Das strafrechtliche Revisionsrecht zählt verständlicherweise für die meisten Referendare zu den eher ungeliebten Rechtsmaterien. Allzu gut zu verstehen ist das deshalb, weil auch viele der ausbildenden Praktiker nach eigenem Bekunden ebenfalls nur selektives Wissen im Revisionsrecht haben. Zweifelsohne handelt es sich bei diesem Gebiet um "Spezialmaterie" mit zahlreichen Einzelentscheidungen, die in der kurzen Zeit einer AG eigentlich kaum zu durchdringen ist. Von daher eignet sich ein gutes Lehrbuch perfekt, diese "Lücke" zu schließen. Das Standardwerk von Marc Russack ist bisher immer noch nahezu allein am Markt - Zeit für einen kritischen Vergleich!

Während das Revisionsrecht im Studium praktisch bedeutungslos ist, gewinnt es später im Assessorexamen wegen seiner Klausurrelevanz zunehmend an Bedeutung. In nahezu allen Bundesländern gehört diese Revisionsklausur zum festen Bestandteil des Prüfungsreigens. Daher sollte die Relevanz dieses Klausurtyps nicht unterschätzt werden! Die beiden Autoren RiLG Matthias Weidemann und RiOLG Fabian Scherf nähern sich dem komplexen Thema in behutsamer Weise und achten darauf, den Leser nicht gleich zu überfrachten. Durchgängig wird zudem ein besonderes Augenmerk auf die praktische Klausurbedeutung gelegt und der Fließtext immer wieder durch Einschübe mit Klausur- und Lerntipps unterbrochen. Ein klarer Vorteil gegenüber dem Werk von Marc Russack.

Vom Aufbau her unterscheiden sich die beiden Lehrbücher kaum; die Reihenfolge folgt der der zu erstellenden Klausur, also zunächst die Zulässigkeit, danach die Begründetheit der Revision. Auffallend ist allerdings, dass Russack die einzelnen Punkte eher abstrakt und aufsatzartig abarbeitet, während der Weidemann/Scherf gleich klausurbezogen erläutert, worauf ein Klausurverfasser achten sollte. Exemplarisch wird der Unterschied z.B. bei der Rechtsmittelbefugnis deutlich.

Vom Umfang her sind beide Lehrbücher nahezu identisch und vollkommen ausreichend, die Kernprobleme des Revisionsrecht zu erfassen. Einzelheiten lassen sich dann im Examen ohnehin in den zur Verfügung stehenden StPO-Kommentaren nachschlagen.

Die Autoren vermitteln sämtliche examensrelevanten Strukturen und Probleme anschaulich illustriert mit zahlreichen Beispielen und Übungsfällen sowie Formulierungshilfen. Anhänge mit Definitionen und Checklisten ermöglichen eine schnelle und zielgerichtete Wiederholung vor der Prüfung. Übersichtsartig werden hier alle wesentlichen Punkte zusammengetragen, z.B. als Aufbauschema zur Zulässigkeit der Revision, zum (beanstandungsfreien) Ablauf der Hauptverhandlung, zur Zeugenvernehmung, dem Urkundsbeweis und der Zurückweisung von Beweisanträgen. Wer diese Checklisten sicher verinnerlicht, kann ganz beruhigt in die Prüfung gehen.

Für die 2. Auflage wurde der Stoff durchgehend aktualisiert und überarbeitet, insbesondere hinsichtlich der neuen BGH-Rechtsprechung zu der gesetzlich geregelten Verständigung im Strafverfahren, der neuen Kronzeugenregelung und des zweiten Opferrechtsreformgesetz. Relevante Neuerungen sind bis zum 31. März 2012 einbezogen worden.

Fazit: Insgesamt kann der Weidemann/Scherf etwas mehr überzeugen, als sein bereits gut eingeführter Kollege. Besonders gut gefallen die vielen eingestreuten Klausur- und Lerntipps sowie überhaupt die direkte Klausurbezogenheit des Buches. Jedenfalls sollte dieses Werk unbedingt in die Kaufentscheidung einbezogen werden!

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2. überarb. Aufl. 2012, 186 Seiten, kartoniert | Nomos | ISBN 978-3-8329-7544-9
Reihe: Nomos Referendariat | € 19,90 | Jetzt bestellen

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