Schellhammer - Schuldrecht nach Anspruchsgrundlagen

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Die Idee, ein Lehrbuch nach Anspruchsgrundlagen aufzubauen, ist nicht neu. Medicus verwirklichte diese schon 1968 mit seinem "Bürgerliches Recht", konzentriert sich dabei aber vielfach auf examensrelevante Streitfragen und setzt dementsprechend viel Wissen voraus. Schellhammer stellt in seinem "Schuldrecht nach Anspruchsgrundlagen" den Stoff der ersten beiden Bücher des BGB sehr systematisch und einfach verständlich dar.

Da es den Stoff vollständig, einschließlich der Grundlagen erarbeitet, eignet es sich zur Vorbereitung auf Prüfung und Praxis. Der erste Anblick des Schellhammers lässt jeden Studierenden zunächst erstarren. Mit über 1.200 Seiten zählt er auch sicher nicht zu den Kurzlehrbüchern. Trotzdem sollte man sich nicht abschrecken lassen, denn das Buch ist in vielerlei Hinsicht anders als herkömmliche Lehrbücher.

Dem Titel entsprechend folgt der Aufbau des Buches der Gliederung des Zivilrechts als einem System von Anspruchsgrundlagen und Gegennormen und geht dabei methodisch eigene Wege: vom Normalfall zum Streitfall von der Regel zur Ausnahme und von der Rechtsfolge zum Tatbestand einer Rechtsnorm.

Das juristische Denken in den Kategorien von Regeln, Ausnahmen und Gegenausnahmen macht das Zivilrecht überhaupt erst verständlich und liefert die zuverlässigste Methode der Falllösung für Prüfung und Praxis. Von der Regel zur Ausnahme meint von der Anspruchsgrundlage zur Gegennorm oder vom Anspruch zur Einwendung. Anspruchsgrundlage ist jede vertragliche oder gesetzliche Norm, die einen Anspruch begründet. Während ihr Tatbestand die Anspruchsvoraussetzungen beschreibt, handeln die Gegennormen von eher unüblichen Hindernissen, die den Anspruch ausnahmsweise nicht entstehen lassen, ihn auslöschen oder hemmen.

Im Gegensatz zu anderen Lehrbüchern folgt Schellhammer der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs; verzichtet aber fast ausnahmslos auf Literaturzitate, was von Lesern hin und wieder kritisch betrachtet wird. Nach Ansicht des Autors gilt das Recht aber ausschließlich so, wie der Bundesgerichtshof es auslegt und anwendet - nur diese Ansicht ist für Referendare und Anwälte verbindlich.

Bedenkt man zusätzlich noch, wie viele verwirrende Streitigkeiten rein theoretischer Natur in der Literatur ausgetragen werden, kann es wohl nicht falsch sein, Studierenden zuallererst die Meinung der Rechtsprechung als Orientierung zu vermitteln.

Trotzdem nimmt Schellhammer die Rechtsprechung keinesfalls unkritisch auf, sondern verdeutlicht auch deren Schwachpunkte. Vor allem die jüngere Gesetzgebung muss harsche Kritik einstecken, allen voran die Reform der Verbraucherdarlehen (Rz. 318), aber auch die fehlende Systematik im Verbraucherschutzrecht (Rz. 1862) bzw. in der Schuldrechtsreform insgesamt (Rz. 48). Nicht zuletzt dadurch gelingt dem Verfasser aber die ungewöhnliche Meisterleistung, ein Buch vorzulegen, das gleichermaßen für Anfangssemester wie auch Referendare, Rechtsanwälte und Richter geeignet ist.

Schellhammer geht es in seinem Werk um das systematische Verständnis, weniger um Detailwissen. Umso mehr hat er auf durchsichtige Stoffgliederung und klare Sprache geachtet und sich auch nicht gescheut, die juristischen Zauberformeln des BGH, die oft mehr verdunkeln als erhellen, aufzulösen und in ein verständliches Deutsch zu übersetzen. Der beschreibende Text wird durch zahlreiche Beispiele und Fälle aufgelockert, die das abstrakte Gesetz mit der bunten Vielfalt des Lebens konfrontieren und zeigen, wie schwierig es manchmal ist, beides durch rechtliche Subsumtion in Einklang zu bringen. Fettgedruckte Passagen markieren die wichtigsten Erkenntnisse und sollen zu intensivem, wiederholtem Lernen anregen.

Das bewährte didaktische Konzept bildet die Basis für die 8. Auflage. Eingearbeitet wurden das Gesetz zur Umsetzung der Verbraucherkredit- und Zahlungsdienste-Richtlinie, sowie die Verordnung über die Honorare für Architekten- und Ingenieurleistungen. Die Rechtsprechung ist bis zum Januar 2011 berücksichtigt. Leider erscheint die Neuauflage auf glänzendem, hochweißen Papier, das je nach Lichteinfall leicht reflektiert. Mit einem Preis von knapp 110 Euro ist das Buch zwar nicht günstig, erweist sich aber als langlebige Investition. Angesichts des Umfangs und methodischen Niveaus ist der Preis durchaus gerechtfertigt. Von unserer Seite eine klare Kaufempfehlung!

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8. neu bearb. Aufl. 2011, 1.219 Seiten, Gebunden | C.F. Müller | ISBN 978-3-8114-1592-8
Reihe: Recht in der Praxis | € 109,95 | Jetzt bestellen

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