Referendariat in Bayern

Bayern hat etwas über 13 Millionen Einwohner; die Landeshauptstadt ist München (über 1,47 Millionen Einwohner). Das juristische Studium (mit Staatsexamen) kann an den Universitäten Augsburg, Bayreuth, Erlangen-Nürnberg, München, Passau, Regensburg und Würzburg absolviert werden. Rechtsreferendare werden je nach Bewerbung an den Oberlandesgerichten Bamberg, Nürnberg und München auf die jeweiligen Landgerichtsbezirke verteilt. Das Landesjustizprüfungsamt sitzt in München.

Ausbildungsgerichte

Die Oberlandesgerichte Bamberg, Nürnberg und München sind für die Rechtsreferendare in Bayern zugleich die obersten Ausbildungsbehörden. Die fachliche Ausbildung erfolgt an den jeweiligen Land- und Amtsgerichten in den Landgerichtsbezirken:

  1. Oberlandesgericht Bamberg: Landgerichtsbezirk Aschaffenburg, Landgerichtsbezirk Bamberg, Landgerichtsbezirk Bayreuth, Landgerichtsbezirk Coburg, Landgerichtsbezirk Hof, Landgerichtsbezirk Schweinfurt, Landgerichtsbezirk Würzburg.
  2. Oberlandesgericht Nürnberg: Landgerichtsbezirk Amberg, Landgerichtsbezirk Ansbach, Landgerichtsbezirk Nürnberg-Fürth, Landgerichtsbezirk Regensburg, Landgerichtsbezirk Weiden in der Oberpfalz.
  3. Oberlandesgericht München: Landgerichtsbezirk Augsburg, Landgerichtsbezirk Deggendorf, Landgerichtsbezirk Ingolstadt, Landgerichtsbezirk Kempten, Landgerichtsbezirk Landshut, Landgerichtsbezirk Memmingen, Landgerichtsbezirk München I, Landgerichtsbezirk München II, Landgerichtsbezirk Passau, Landgerichtsbezirk Traunstein.

Ein Anspruch auf Zuweisung zu einem bestimmten Landgerichtsbezirk gibt es nicht. Die Ableistung des Rechtsreferendariats ist beispielsweise in den Landgerichtsbezirken Bayreuth, Würzburg (OLG Bamberg), Nürnberg-Fürth, Regensburg (OLG Nürnberg), Augsburg, Passau oder München (OLG München) wegen der Verbindung zu den jeweiligen Universitäten oder der Beliebtheit der Städte begehrt. Die Anzahl der Bewerbungen pro Durchgang können im Einzelfall die tatsächlichen Aufnahmekapazitäten übersteigen, weshalb insgesamt drei Ortswünsche für das Landgericht angegeben werden müssen. Größere Chancen auf Zuweisung in den ersten gewünschten Landgerichtsbezirk sind vor allem unter familiären Gesichtspunkten wie Ehe, eigene Kinder oder Pflege von Angehörigen zu erwarten.

Einstellungstermine und Bewerbung

In Bayern werden Rechtsreferendare zweimal pro Jahr, jeweils zum April und Oktober, eingestellt. Die vollständigen Bewerbungsunterlagen der Oberlandesgerichte Bamberg, Nürnberg und München sind an die gewünschten Oberlandesgerichte bis spätestens 10 Wochen vor Beginn des präferierten Einstellungstermins (bis etwa um den 20. Januar (+/–) für eine Einstellung im April und bis etwa um den 20. Juli (+/–) für eine Einstellung im Oktober) zu adressieren:

  1. Präsident des Oberlandesgerichts Bamberg, Wilhelmsplatz 1, 96047 Bamberg
  2. Präsident des Oberlandesgerichts Nürnberg, Fürther Straße 110, 90429 Nürnberg
  3. Präsident des Oberlandesgerichts München, Prielmayerstraße 5, 80335 München

Anzahl der Neueinstellungen

Die Anzahl der Neueinstellungen hängt von den Bewerbungen ab. Im statistischen Mittel werden etwa 775 Referendare pro Durchgang, d. h. insgesamt ca. 1550 pro Jahr*, eingestellt.

Wartezeiten

In Bayern bestehen zwar grundsätzlich keine Wartezeiten*, jedoch kann es wegen der Beliebtheit verschiedener Landgerichtsbezirke ggf. nicht zur gewünschten Erstzuweisung kommen.

Vergütung und Nebentätigkeit

In Bayern beträgt die Unterhaltsbeihilfe 1.352,08 €*, zuzüglich etwaiger Familienzuschläge. Zusätzliche Einkünfte aus Nebentätigkeiten bleiben bis zur Höhe der Unterhaltsbeihilfe anrechnungsfrei. Juristische Nebentätigkeiten können bis zu 14 Stunden, nicht-juristische Nebentätigkeiten bis zu 9 Stunden pro Woche ausgeübt werden. Nebentätigkeiten müssen angezeigt bzw. genehmigt werden.

Stationen, Ablauf und Gestaltungsmöglichkeiten

# Station Dauer
1. Zivilstation
Ausbildung am Land- oder Amtsgericht in Zivilsachen
5 Monate
(1. - 5. Monat)
2. Strafstation
Ausbildung bei der Staatsanwaltschaft oder am Strafgericht
3 Monate
(6. - 8. Monat)
3. Verwaltungsstation
Ausbildung bei einer Verwaltungsbehörde und am Verwaltungsgericht möglich
fakultativer Aufenthalt in Speyer
4 Monate
(9. - 12. Monat)
4. Rechtsanwaltsstation
renommierte Großkanzleien und Boutiquen bspw. in München
Ausbildung bis zu drei Monate bei Notar, Verband, Unternehmen oder der Universität in Speyer (fakultativ)
Klausuren werden im 21. Ausbildungsmonat geschrieben
9 Monate
(13. - 21. Monat)
5. Wahlstation
Station im In- oder Ausland nach freier Wahl
3 Monate
(22. - 24. Monat)
6. Mündliche Prüfung
die mündliche Prüfung kann von Mitte des 25. Monats bis Ende des 26. Monats in München oder Nürnberg stattfinden
neben dem Pflichtfachstoff erstreckt sich die mündliche Prüfung auch auf ein durch den Prüfungskandidaten gewähltes Berufsfeld
25. Monat oder 26. Monat

Struktur der Prüfung zum 2. Examen sowie Anteil an der Note

Die schriftliche Prüfung fließt zu 75 % und die mündliche Prüfung zu 25 % in das Gesamtergebnis ein. Es werden elf Klausuren geschrieben, davon fünf aus dem Zivilrecht, vier aus dem Öffentlichen Recht (davon eine aus dem Steuerrecht) und zwei aus dem Strafrecht (jede Klausur wird somit zu ca. 6,82 % in der Endnote gewichtet). Damit ist Bayern Spitzenreiter in der Republik. Dafür hat Bayern keinen Aktenvortrag in der mündlichen Prüfung. Die mündliche Prüfung aus den drei Rechtsgebieten inklusive des Gesprächs aus dem gewählten Berufsfeld zählt zu 25 % in der Gesamtnote.

Examensstatistik der vergangenen Jahre

Das bayrische Staatsexamen gilt bundesweit als das schwerste. Nicht umsonst müssen die Kandidaten 11 Klausuren bestreiten, welche zu 75 % in der Abschlussnote gewichtet werden. Dieser Umstand schlägt sich auch in der Statistik nieder. Zwar lässt sich erkennen, dass in jedem Jahrgang ein paar vereinzelte Sheldon Coopers (m/w/d) vorhanden sind, welche die Note „sehr gut“ erhalten. Gleichwohl fällt auf, dass die Prädikatsnote deutlich weniger als im Mittelwert der übrigen Bundesländer (ca. 16 %) vergeben wird. Abhängig vom Absolventenjahrgang sind auch die Durchfallquoten in Bayern etwas höher als im Bundesdurchschnitt. Befriedigende Examensergebnisse werden regelmäßig weniger vergeben als im Rest der Republik, Examen im Bereich „ausreichend“ dagegen öffter als in allen anderen Bundesländern zusammen (ca. 27-28 %, Quellen siehe BMJV, Juristenausbildung 2014-2017).

Bestanden88,5 %
Sehr gut0,1 %
Gut1,9 %
VB12,8 %
Befriedigend37,3 %
Ausreichend36,4 %
Bestanden84,6 %
Sehr gut0,1 %
Gut1,9 %
VB14,7 %
Befriedigend35,5 %
Ausreichend32,3 %
Bestanden85,3 %
Sehr gut0,1 %
Gut1,5 %
VB11,7 %
Befriedigend37,8 %
Ausreichend34,1 %
Bestanden85,3 %
Sehr gut0,1 %
Gut1,9 %
VB10,6 %
Befriedigend34,0 %
Ausreichend38,8 %

Erlaubte Hilfsmittel im Staatsexamen

  • Gesetze: Schönfelder, Sartorius I, Aktuelle Steuergesetze (Beck); Beck dtv Arbeitsgesetze, Nomos Europarecht, Ziegler/Tremel (Gesetze des Freistaates Bayern)
  • Kommentare: Palandt (BGB), Baumbach/Hopt (HGB), Thomas/Putzo (ZPO), Fischer (StGB), Meyer-Goßner (StPO), Kopp/Ramsauer (VwVfG), Kopp/Schenke (VwGO), Jäde/Dirnberger (BauGB, BauNVO)
  • Kalender, Kroiß/Neurauter (Formularsammlung für Rechtspflege und Verwaltung)
  • Je nach Berufsfeld für die mündliche Prüfung: Beck dtv VOB/HOAI, Horn/Huff (Berufsrecht der Anwaltschaft), Beck dtv Wettbewerbsrecht, Markenrecht und Kartellrecht, Beck dtv Patent- und Designrecht, Beck dtv Telekommunikations- und Multimediarecht, Aichberger (Sozialgesetzbuch), Jayme/Hausmann (Internationales Privat- und Verfahrensrecht), Sartorius II

Besonderheiten im Bundesland

In Zusammenarbeit mit dem Landesjustizprüfungsamt werden kostenfreie Klausurenkurse angeboten, in denen originale Examensklausuren geschrieben, bewertet und besprochen werden. Eine vorherige Anmeldung ist in der Regel nicht erforderlich. Das Gespräch zum Berufsfeld in der mündlichen Prüfung ist vorab zu wählen (Justiz, Verwaltung, Anwaltschaft, Wirtschaft, Arbeits- und Sozialrecht, Internationales Recht, Europarecht und Steuerrecht).

Ansprechpartner und weitere Informationen

Fragen hinsichtlich des Rechtsreferendariats beantworten die jeweiligen Oberlandesgerichte:

  1. OLG Bamberg: Website mit Kontaktinformationen
  2. OLG Nürnberg: Website mit Kontaktinformationen
  3. OLG München: Website mit Kontaktinformationen

Auch weitere Informationen zum Rechtsreferendariat finden sich auf den Seiten der Oberlandesgerichte Bamberg, Nürnberg und München bzw. beim Landesjustizprüfungsamt. Der Verein der Rechtsreferendare in Bayern e. V. (REFV) ist außerdem über seinen Social-Media-Auftritt auf Facebook für weitere Fragen zu erreichen.

*Stand 09/2019 | Erhöhung der Unterhaltsbeihilfen rückwirkend zum 01.01.2019

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