Erfahrungsbericht Wahlstation in Los Angeles

1. Vorbereitungen

Für die Vorbereitung der Wahlstation in den USA, muss ausreichend Zeit eingeplant werden. In meinem Fall fand die Wahlstation von Januar 2019 bis Anfang April 2019 statt. Die Planung für die Auslandswahlstation begann bei mir im Juli 2018.

Als ich die Zusage des L.A. Büros hatte, habe ich sofort angefangen, mich um das Visum zu kümmern. Als Referendar benötigt man für die Wahlstation ein sogenanntes J-1 Visum. Damit man dieses Visum beim Konsulat beantragen kann, braucht man zunächst ein Formular – das DS-2019 – das von den sogenannten Visa Sponsoren ausgestellt wird.

Mein Visa Sponsor war die German American Chamber of Commerce California (GACCCA). Auf deren Website legt man sich zunächst ein Profil an und beginnt dann, sämtliche benötigten Informationen einzugeben. In einem weiteren Schritt verlangt die GACCCA bestimmte Formulare, wie beispielsweise Empfehlungsschreiben, Bestätigungen über den derzeitigen Referendarstatus oder auch Angaben über die finanziellen Mittel, die einem während des USA Aufenthalts zur Verfügung stehen werden.

Sobald sämtliche Informationen von der GACCCA bestätigt werden, bekommt man nach einiger Zeit eine Einladung zu einem Skype Interview. Das Interview läuft ganz zwanglos ab. Es werden einem zum Beispiel Fragen dazu gestellt, warum man seine Wahlstation im Ausland absolvieren möchte, welche Erwartungen man an die Zeit in den USA hat oder wie generell der Kontakt zu der Firma in den USA hergestellt wurde. Das Gespräch findet auf Englisch statt, da die GACCCA einen Eindruck von den Englischkenntnissen bekommen möchte.

Hat man das Gespräch erfolgreich hinter sich gebracht und bestehen sonst keine offenen Fragen mehr, bekommt man eine Bestätigung über den erfolgreichen Bewerberstatus für ein J-1 Visum. Die GACCCA verschickt dann zeitnah einen Umschlag mit dem DS-2019 und weiteren Unterlagen, die man für den Visumsantrag und den Besuch beim Konsulat braucht.

Mit dem Erhalt der nötigen Infirmationen kann man dann online den Antrag für die Erteilung eines J-1 Visums stellen, sämtliche Gebühren bezahlen und einen Termin beim Konsulat ausmachen. Der Termin beim Konsulat hat bei mir – inklusive Wartezeit – weniger als eine Stunde gedauert. Das eigentliche Gespräch war dabei keine 5 Minuten lang. Ich wurde lediglich gefragt welche Art Traineeship ich in den USA absolvieren werde und ob es bezahlt wird.

Zusammenfassend hat der Visumsprozess bei mir ca. 4 Monate gedauert. Ich habe mein Visum auch erst 1 1⁄2 Wochen vor meinem Abflug in die USA bekommen. Man muss sich also definitiv frühzeitig um alle Unterlagen etc. kümmern, da man ansonsten nur unnötigen Stress hat. Die Gesamtkosten für das J-1 Visum belaufen sich auf etwa 1000 €.

2. Leben in Los Angeles

Sobald man sich bei dem Visa Sponsor bewirbt, wird einem geraten mit der Buchung einer Unterkunft und des Fluges bis zum endgütligen Erhalt des Visums zu warten. Da dies – wie in meinem Fall – oft sehr knapp ausfallen kann, sollte man sich trotzdem frühzeitig um eine Wohnung und den Flug kümmern. Ich habe damals alles im Oktober 2018 gebucht.

Die Wohnungssuche in L.A. ist wirklich nicht sehr einfach, vor allem wenn man wie ich noch nie zuvor in der Stadt war und keine Vorstellungen darüber hat, wo man leben kann und wie man denn eigentlich zur Arbeit kommen möchte.

Ich habe anfangs erst mal recherchiert, welche Stadtteile in L.A. sicher sind und welche nicht. Generell sollte man den süd-östlichen Teil eher meiden, wohingegen alles nördlich und westlich von Downtown – wo auch das Büro gelegen ist – sichere Gegenden sind.

Als nächstes muss man sich die Frage stellen, ob man mit dem Auto oder den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren möchte. Generell ist L.A. wirklich sehr groß und eine Stadt der Autofahrer. Das Büro übernimmt zumindest für die Anwälte die Kosten für die Parkgarage. Ob das auch für Trainees gilt, war bei meinem Aufenthalt damals noch nicht so klar und sollte deshalb vorher nochmal abgeklärt werden. Ich hab mich gegen ein Auto entschieden und bin mit der Metro zur Arbeit gefahren. Die Ubahnstation ist ca. 5 Minuten zu Fuß vom Büro entfernt.

Auf ein Auto kann man jedoch nur verzichten, wenn man auch in der Nähe einer Metro Station wohnt. Da das Ubahn Netz nicht sehr flächendeckend ausgebaut ist, ist das jedoch oft nicht so einfach. Ich habe während meiner Zeit in Los Angeles im Stadtteil Silver Lake gewohnt und zu Fruß ca. 15 Minuten zur Ubahn gebraucht. Andere Stadtteile mit relativ guter Ubahnanbindung sind beispielsweise Santa Monica und Culver City.

Die Ubahn habe ich aber auch nur zu den Stoßzeiten morgens und abends unter der Woche genutzt. Am Wochendende bin ich in der Regel mit Uber gefahren, was hier sehr günstig ist. Alternativ dazu habe ich mir auch öfter übers Wochenende ein Auto gemietet. In der Nähe des Büros sind einige Autovermietungen, wo man beispielsweise Freitagabend ein Auto abholen und Montagmorgen zurück bringen kann. Über Check24 habe ich in der Regel die besten Angebote für Mietwägen gefunden.

3. Die Arbeit im LA Büro

An meinem ersten Tag im Büro hatte ich zunächst eine kleine Einführung bekommen und dann ein Welcome Lunch mit einem der Partner. Am Nachmittag stand dann nur noch ein Computer Training an.

Die Arbeitszeit betrug 40 Stunden die Woche, in der Regel von 9 bis 18 Uhr oder 8:30 bis 17:30 Uhr. Meine Aufgabenbereiche waren das Vorbereiten von Dokumenten für Gerichtsverhandlungen, das Entwerfen und Zusammenfassen von Mandantenschreiben und auch verschiedene Recherchen.

Ich war auch bei verschiedenen Gerichtsverhandlungen am Childrens Court, Immigration Court und Superior Court, sowie an Zeugenbefragungen, die in den Kanzleiräumen stattfanden, dabei.

Generell war man keinem bestimmten Team unterstellt, sondern konnte theoretisch mit allen Teams zusammen arbeiten. Die meiste Zeit habe ich Aufgaben von einem Partner aus dem Environmental Team bekommen und an einer internen Knowledge Database gearbeitet, wodurch ich einen Einblick in die verschiedenen Rechtsgebiete rund um das Umweltrecht bekommen habe, mit dem man in Deutschland auch nicht so oft in Berührung kommt.

Da ich der erste ausländische Trainee im L.A. Büro war, gab es jedoch teilweise auch Unsicherheiten seitens der Anwälte, welche Art von Aufgaben sie auf mich übertragen können, weshalb es auch Phasen gab, in denen man weniger zu tun hatte.

4. Aktivitäten

In und um Los Angeles kann man natürlich einiges unternehmen. Die ersten Wochenenden habe ich damit verbracht, die verschiedenen Stadtteile von L.A. zu erkunden, wobei meine Lieblingsorte definitiv Santa Monica und der Griffith Park waren. Später habe ich auch Ausflüge nach San Diego, San Francisco, Las Vegas etc. unternommen. Dabei war es nie ein Problem, einen oder mehrere Tage frei zu bekommen. Inlandsflüge kann man teilweise relativ günstig buchen. Nach San Diego bin ich beispielsweise auch mal mit einem Flixbus gefahren, was definitiv eine bessere Alternative zu den Zügen und anderen Busunternehmen in den USA ist.

5. Zusammenfassung

Zusammenfassend war mein Aufenthalt in den USA eine gute persönliche Erfahrung. Ich konnte in der Zeit definitiv meine Englischkenntnisse vertiefen und insgesamt war es sehr interessant, auch einmal die Abläufe und Arbeitsweise in einem ausländischen Büro mitzuerleben.

Man muss sich vorher jedoch auch bewusst sein, dass es aufgrund der Größe der Stadt und der Verkehrsproblematik, vor allem wenn man ohne Auto auskommen muss, im täglichen Leben komplizierter werden kann und die Stadt generell auch sehr teuer ist. Insgesamt bin ich daher der Meinung, dass sich eine kleinere Stadt für die Auslandswahlstation besser eignet.

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