Voraussetzungen des Jurastudiums

Was sollte man für ein Jurastudium mitbringen

Wie in jedem anderen Studium auch, gibt es natürlich auch im Jurastudium gewisse Voraussetzungen, die man erfüllen oder mitbringen sollte, wenn man sich mit dem Gedanken beschäftigt, Jura zu studieren. Das Studium der Rechtswissenschaften gilt nicht umsonst als eher hartes Studium. Das sollte man sich vergegenwärtigen und überlegen, ob man die Voraussetzungen mitbringt...

Dabei soll es hier aber weniger um die formalen Voraussetzungen wie Abi, Nummerus Clausus, etc. gehen (siehe hierzu den Artikel zur Bewerbung und deren Voraussetzungen) - Zusammenfassend lässt sich sagen, dass man mit einem Abitur eigentlich immer irgendwo Jura studieren kann. Der Abischnitt allein sagt aber nichts darüber aus, ob das Jurastudium das Richtige für einen ist oder ob man dort dann erfolgreich sein wird. Es soll an dieser Stelle also vielmehr um die persönlichen und inneren Voraussetzungen gehen, die man so mitbringen sollte, um nicht irgendwann feststellen zu müssen, das das Jurastudium eigentlich nichts für einen ist. Also, was muss man so mitbringen, um erfolgreich Jura zu studieren?

1. Interesse an gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Zusammenhängen!
Ganz klar – ohne vorhandenes Interesse an einem Studienthema, wird wohl kein Studium erfolgreich absolviert werden können. Das sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Doch man kann hier nie genug darauf hinweisen. Jura studieren bedeutet, sich vor allem selbstständig Themenkomplexen zu nähern, die im gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Kontext eine Rolle spielen. Wer grundsätzlich kein Interesse an diesen Bereichen hat, der wird es gerade in den ersten Semestern nicht leicht haben, da es hier insbesondere auch um grundsätzliche Fragen unserer gesellschaftlichen Ordnung und Verfassung geht.

Es wird zwar durchaus häufig betrieben, aber das Jurastudium bietet sich nicht als Studium an, das man aufnehmen sollte, wenn man nichts besseres weiß! Das heißt nicht, dass sich das Interesse hierfür nicht dann doch entwickeln kann oder dass man nicht wirklich erfolgreich sein kann. Man wird es nur wesentlich schwerer haben, sich mit dem Studium und seinen Aufgaben anzufreunden, wenn einem jegliches Interesse fehlt.

2. Man muss sich auf seinen Arsch setzen - Selbstdisziplin und Selbststrukturierung
Das klassische Jurastudium ist (glücklicherweise) kein Bachelor- / Masterstudium. Es gibt keine Creditpoints, keine Anwesenheitspflichten in Vorlesungen, Arbeitsgemeinschaften, Seminaren, usw., keine Voranmeldungen zu irgendwelchen Klausuren, keine Hausaufgaben – man ist durch und durch sein eigener Chef!

Das hört sich im ersten Moment gar nicht mal schlecht an – ist es auch nicht! Voraussetzung ist jedoch, dass man es schafft, Struktur und Disziplin in diese Freiheit zu bringen. Denn selbstverständlich gilt es auch im Jurastudium Klausuren und Hausarbeiten zu schreiben, um weiter voran zu kommen. Das funktioniert aber nur, wenn man dem Studium auch wirklich Raum einräumt und sich selbst in seiner Freiheit einschränkt.

Das ist gerade in den ersten Semestern schwierig – man lernt zahlreiche neue Leute kennen, kommt eventuell gerad aus der Schule und ist es Leid, andauern zu lernen und die Studentenparty der Woche ist selbstverständlich wesentlich interessanter als die Ausführungen zur Abgrenzung von Fahrlässigkeit und Vorsatz. Das ist alles völlig verständlich und man sollte bei allem auch diese Sachen mitnehmen, das Studium genießen, Freundschaften schließen und die Studentenzeit auskosten. Gleichzeitig sollte man aber auch darauf achten, den jeweiligen Stoff des Semesters nicht aus den Augen zu verlieren. Wenn Euch Lehrer erzählen, dass das was man im Abi macht, im Studium in einem Semester durchgezogen wird, dann lasst Euch von uns Studenten sagen, dass das kein Scherz ist, sondern der Realität entspricht. Hinzu kommt, dass kurzfristiges Lernen nach dem Bulimie-Prinzip im Jurastudium relativ schnell zum Scheitern führt – zu viel baut aufeinander auf und man benötigt das gesamte im Studium angesammelte Wissen, wenn man sich dem Abschluss des Jurastudiums, dem Examen, stellen will.  Und es gibt niemanden, außer vielleicht der Familie, der Euch mal in den Arsch tritt, wenn sich der ein oder andere Motivationshänger meldet.
Es ist also wichtig und eigentlich immanente Voraussetzung, dass man es schafft, sich selbst zu disziplinieren und zu strukturieren, um den inhaltlichen Anforderungen dieses Studiums gerecht zu werden.

Das hört sich jetzt vielleicht alles schlimm und abschreckend an – so ist es nicht gemeint! Man sollte sich nur darüber im Klaren sein, dass gerade das Jurastudium davon lebt, dass man sich selbst hochzieht und selbstständig arbeitet. Die Uni, die Professoren und sonstigen Dozenten werden Euch dabei weitestgehend nicht helfen können und wollen - dessen sollte man sich bewusst sein! Das heißt also nicht, dass man sich keine Zeit nehmen sollte für die schönen Dinge des Studentenlebens, nicht auch mal durch die Welt reisen kann (siehe hierzu unsere Studentenreisen) – es heißt nur, dass man von Anfang an am Ball bleiben muss!

3. Schulfächer als Voraussetzungen für das Jurastudium?
Schließlich tauchen immer wieder Aussagen und Gerüchte auf, bestimmte Schulfächer wären immens wichtig für das Jurastudium oder böten einen Rückschluss darauf, ob einem das Studium liegt und ob man erfolgreich sein kann oder nicht. Genannt werden in diesem Zusammenhang vor allem die Fächer Deutsch, Mathematik, Latein und die gesellschaftswissenschaftlichen Fächer wie Politik, Geschichte und Co.

Diese Aussagen sind zum Teil richtig, zum Teil aber auch schlichtweg falsch. Das Jurastudium unterscheidet sich von allem, was man mit Schule in Verbindung bringen mag, so immens, dass derartige pauschalen Aussagen und Rückschlüsse einfach nicht tragfähig sind. Versuchen wir es ein wenig differenzierter:

Im Hinblick auf die gesellschaftswissenschaftlichen Fächer lässt sich durchaus sagen, dass sie am ehesten dem thematischen Zuschnitt des Jurastudiums nahe kommen. Wir befinden uns also eigentlich beim Punkt „Interesse“: Wer sich für diese Fächer interessiert, der wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit auch für die im Studium aufkommenden Themen und Aufgaben interessieren und begeistern lassen. Gleichzeitig muss man aber auch hinzufügen, dass das im umgedrehten Fall nicht ganz so einfach zu beantworten ist. Das liegt daran, dass das Nicht-Interesse an den gesellschaftswissenschaftlichen Schulfächern natürlich auch vom Lehrplan, von der Umsetzung und weiteren Faktoren abhängen mag – was während der Schulzeit noch langweilig erschien, kann im Jurastudium, allein schon aufgrund seiner anderen Herangehensweise und Detailliertheit, auf einmal sehr spannend werden.

Etwas ganz anderes gilt für die Fächer Deutsch, Mathematik und Latein. Denn, vielleicht mit Ausnahme des Faches Deutsch, geht es hierbei nicht um Interesse, sondern eher um – sagen wir mal - Fähigkeiten und Begabungen. Das liegt schlichtweg daran, dass die deutsche Sprache das Handwerkzeug eines jeden (deutschen) Juristen ist und dass Mathematik und Latein vor allem analytische und logische Fähigkeiten trainieren bzw. Begabungen offenbaren, die für den Juristen eine recht große Bedeutung haben. Die Noten der Fächer Deutsch und Mathe sind beispielsweise bei den meisten Bewerbungen um ein Jurastudium mit anzugeben - Gleichwohl bedarf es keines Latinums um Jura zu studieren. Dass, neben den analytischen und logischen Strukturen, Latein immer wieder als Voraussetzung für ein Jurastudium herumgeistert, liegt daran, dass es lange Zeit Voraussetzung war  und eher eine historische Komponente besitzt:

Unser Rechtssystem basiert in vielen Teilen auf dem alten römischen Rechtssystem. Diverse Rechtsinstitute (bspw. die Ungerechtfertigte Bereicherung – also die Möglichkeit eine ungerechtfertigte Leistung vom Leistungsempfänger wieder zurückverlangen zu können) gehen zurück auf römische Entwicklungen und Gesetze. Entsprechend gibt es auch heute noch diverse Fachbegriffe, die lateinischen Ursprungs sind und die man als Jurastudent verinnerlichen sollte. Dafür bedarf es aber mitnichten eines Latinums oder des Lateinunterrichtes im Allgemeinen. Die Fachbegriffe gehen mit der Zeit eh nahtlos in den Sprachgebrauch über.

 

4. Ist das Jurastudium nun das Richtige für mich?
Wir haben versucht, Dir mit diesem Beitrag einige wenige Fragen zu beantworten und Dir bei Deiner Entscheidung zu helfen. Gleichzeitig ist das Jurastudium aber auch so komplex, vielschichtig und so anders als Schule, dass es sich hierbei eher um Hinweise handelt als um Empfehlungen unsererseits das Studium aufzunehmen oder es lieber sein zu lassen. Der Beitrag ist also eher als grobe Einschätzung zu verstehen und nicht als ultima ratio! Was wir Dir dringend empfehlen wollen, wenn Du dich mit der Entscheidung quälst, ist zum einen der Besuch von Informationsveranstaltungen der Unis (welche Unis es überhaupt gibt, findest Du hier...). Zum anderen sind die meisten Vorlesungen so offen gehalten, dass man sich durchaus auch als Begleitung eines Studierenden in die Vorlesung setzen kann und austesten kann, wie das so ist. Gerne unterstützen wir Dich hierbei – schreib uns einfach ne Mail an info@iurastudent.de mit Deinen Fragen oder registriere Dich hier und poste Deine Frage in unser Forum!

Kommentare

Ich möchte mich bedanken da sich für mich jetzt einige Fragen erübrigt haben.

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