§ 243 StGB - Besonders schwerer Fall des Diebstahls

§ 243 Besonders schwerer Fall des Diebstahls

(1) In besonders schweren Fällen wird der Diebstahl mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu zehn Jahren bestraft. Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn der Täter

  1. zur Ausführung der Tat in ein Gebäude, einen Dienst- oder Geschäftsraum oder in einen anderen umschlossenen Raum einbricht, einsteigt, mit einem falschen Schlüssel oder einem anderen nicht zur ordnungsmäßigen Öffnung bestimmten Werkzeug eindringt oder sich in dem Raum verborgen hält,

  2. eine Sache stiehlt, die durch ein verschlossenes Behältnis oder eine andere Schutzvorrichtung gegen Wegnahme besonders gesichert ist,

  3. gewerbsmäßig stiehlt,

  4. aus einer Kirche oder einem anderen der Religionsausübung dienenden Gebäude oder Raum eine Sache stiehlt, die dem Gottesdienst gewidmet ist oder der religiösen Verehrung dient,

  5. eine Sache von Bedeutung für Wissenschaft, Kunst oder Geschichte oder für die technische Entwicklung stiehlt, die sich in einer allgemein zugänglichen Sammlung befindet oder öffentlich ausgestellt ist,

  6. stiehlt, indem er die Hilflosigkeit einer anderen Person, einen Unglücksfall oder eine gemeine Gefahr ausnutzt oder

  7. eine Handfeuerwaffe, zu deren Erwerb es nach dem Waffengesetz der Erlaubnis bedarf, ein Maschinengewehr, eine Maschinenpistole, ein voll- oder halbautomatisches Gewehr oder eine Sprengstoff enthaltende Kriegswaffe im Sinne des Kriegswaffenkontrollgesetzes oder Sprengstoff stiehlt.

(2) In den Fällen des Absatzes 1 Satz 2 Nr. 1 bis 6 ist ein besonders schwerer Fall ausgeschlossen, wenn sich die Tat auf eine geringwertige Sache bezieht. 

Schema zum besonders schweren Fall des Diebstahls, §§ 242 I, 243 StGB

I. Prüfung des § 242 I StGB (Tatbestand, Rechtswidrigkeit, Schuld)

Tatbestand des § 242 I StGB

II. Besonders schwerer Fall (Prüfungspunkt "Strafzumessung" iRd Prüfung des § 242 StGB)

1. § 243 I 1 Nr. 1 - 7 (jeweils: objektives und subjektives Element; beachte: § 243 II StGB)

a. Nr. 1

  • umschlossener Raum = jedes Raumgebilde, das dazu bestimmt ist, von Menschen betreten zu werden und das mit mindestens teilweise künstlichen Vorrichtungen zur Abwehr des Eindringens Unbefugter umgeben ist -> auch Auto!
  • Gebäude = ein durch Wände und Dach begrenztes, mit dem Erdboden fest - wenn auch nur durch die eigene Schwere - verbundenes Bauwerk, das den Eintritt von Menschen und Unbefugte abhalten soll.            (!Wohnungen sind nicht mehr genannt, da diese über § 244 I Nr. 3 geschützt sind.)
  • einbrechen = Aufhebung einer Umschließung durch gewaltsame Beseitigung eines dem Diebstahl entgegenstehenden Hindernisses unter Anwendung nicht unerheblicher körperlicher Kraft. Nicht notwenig ist eine Substanzverletzung.
  • einsteigen = Hineingelangen auf einen nicht dafür bestimmten Weg unter Überwindung nicht ganz unerheblicher Hindernisse. Täter muss sich im Innenraum mindestens einen Stützpunkt geschaffen haben.
  • eindringen mit einem falschen Schlüssel / nicht zur Öffnung bestimmten Werkzeug = Wenn der Täter den Schließmeschanismus regelwidrig in Bewegung setzt. Falsch ist ein Schlüssel, wenn dieser zum Zeitpunkt der Tat nicht vom Berechtigten zur Öffnung bestimmt ist.
P: Vergessene/ verlorene Schlüssel
P: Zweitschlüssel/ Ersatzschlüssel
  • sich verborgen halten = jedes Sich-Verstecken in dem Raum in der Weise, die den Täter den Blicken arglos Eintretender entzieht
b. Nr. 2
  • durch eine Schutzvorrichtung besonders vor Wegnahme gesichert = wenn durch die Schutzvorrichtung die Wegnahme nicht nur unerheblich erschwert wird.
P: Sicherungsetikett
c. Nr. 3
  • gewerbsmäßig = wenn der Täter in der Absicht handelt, sich aus der wiederholten Tatbegehung eine nicht nur vorübergehende Einnahmequelle zu verschaffen.
( ! Ausreichend ist die Absicht, sodass auch bei der ersten Tatbegehung ein besonders schwerer Fall vorliegen kann)
d. Nr. 4 Kirchendiebstahl -> auch andere Religionen (Diebstahl aus Moschee/ Synagoge (+))

e. Nr. 5

  • von Bedeutung für Wissenschaft, Kunst oder Geschichte = wenn der Verlust der Sache eine spürbare Einbuße für Kunst, Wissenschaft oder Geschichte darstellt. <-> nicht dagegen schon jedes Buch in einer Bibliothek oder Gemälde in einer Galerie!
  • allgemein zugänglichen Sammlung/ öffentlich ausgestellt: Unerheblich ist, ob der Zutritt oder Benutzung von einem Entgelt oder Berechtigungsnachweis abhängig ist, solange der Zutritt oder die Benutzung allgemein gewährt wird. <-> Nicht, wenn generell nur für einen bestimmten Personenkreis zugänglich.
f. Nr. 6
  • Hilflos = Person, die nicht in der Lage ist, sich aus eigener Kraft vor drohenden Gefahren zu schützen
  • Unglücksfall = Plötzlich eintretendes Ereignis, dass erheblichen Gefahr für ein Individualrechtsgut mit sich bringt.
  • gemeine Gefahr = Gefahr für eine unbestimmte Anzahl von Menschen oder zahlreichen Sachen von mindestens insgesamt hohem Wert (Überschwemmung; Brand)
g. Nr. 7 Diebstahl von Schusswaffen und Sprengstoff

2. Unbenannter, besonders schwerer Fall nach Gesamtabwägung

III. Kenntnis der Umstände zu II. 1 in Form des "Quasivorsatzes"

IV. Kein Ausschluss wegen Geringwertigkeit § 243 II StGB

     P: Vorsatzwechsel bzgl. Diebstahlsobjekt

[BEACHTE: Denk auch immer im Anschluss an verwandte Straftatbestände.]

Raub, § 249 StGB
Räuberischer Diebstahl, § 252 StGB 

Vorlesung: 
Strafrecht BT II
Rechtsgebiet: 
Strafrecht
Zweittitel: 
Besonders schwerer Fall des Diebstahls, §§ 242 I, 243 StGB
Video URL: 
https://media.jura-online.de/media/video/00010879_promo.mp4

Bewegliche Sachen

Alle Sachen, die nicht Grundstücke oder wesentliche Bestandteile von Grundstücken sind, sind beweglich.

Quelle: 
Beck'scher Onlinekommentar-BGB/Fritzsche, 31. Edition, München 01.05.2014, § 90 Rn 12.
Paragraphen: 
§§ 90, 93 BGB
Rechtsgebiet: 
Zivilrecht
Vorlesung: 
BGB AT

Fremdheit einer Sache

Fremd sind alle beweglichen Sachen, die zumindest auch im Eigentum eines anderen stehen.

Quelle: 
Rengier, StrafR BT I, 16. Auflage München 2014, § 2 Rdn. 6; Lackner/Kühl, 28. Auflage München 2014, § 242 Rdn. 4.
Rechtsgebiet: 
Strafrecht
Vorlesung: 
Strafrecht BT II
Stichwortverzeichnis: 

Besondere Wegnahmesicherung i.S.d. § 243 I 2 Nr. 2

Die Zweckbestimmung der Vorrichtung muss darin liegen, die Sache gerade gegen Wegnahme – und zwar besonders – zu sichern.

Quelle: 
Rengier, StrafR BT I, 16. Auflage München 2014, § 3 Rdn. 25; Lackner/Kühl, 27. Auflage München 2011, § 243 Rdn. 16.
Rechtsgebiet: 
Strafrecht
Vorlesung: 
Strafrecht BT II
Stichwortverzeichnis: 

Kausalität

Nach der conditio-sine-qua-non-Formel, ist eine Handlung kausal, wenn sie nicht hinweg gedacht werden kann, ohne dass der Erfolg in seiner konkreten Gestalt entfiele.

Quelle: 
RGSt 1, 373; BGHSt 1, 332.
Paragraphen: 
§223 StGB, §212 StGB,§211 StGB,
Rechtsgebiet: 
Strafrecht
Vorlesung: 
Strafrecht AT
Schuldrecht BT II (Gesetzliche Schuldverhältnisse)

Objektive Zurechnung

Objektiv zurechenbar ist ein Erfolg dann, wenn der Täter eine rechtlich relevante Gefahr geschaffen hat, die sich im tatbestandsmäßigen Erfolg realisiert.

Quelle: 
Wessels/Beulke/Satzger, StrafR AT, 43. Auflage Heidelberg 2013, Rdn. 179; Lackner/Kühl, 28. Auflage München 2014, vor § 13 Rdn. 14.
Rechtsgebiet: 
Strafrecht
Vorlesung: 
Strafrecht AT

Vorsatz

Vorsatz ist das Wissen und Wollen des rechtswidrigen Erfolgs.

Quelle: 
Creifelds, "Rechtswörterbuch", 21. Auflage München 2014, S. 1381.
Rechtsgebiet: 
Zivilrecht
Vorlesung: 
Sonstiges Zivilrecht (inklusive Prozessrecht)

Zueignungsabsicht

Unter Zueignungsabsicht wird die Anmaßung einer eigentümerähnlichen Herrschaftsmacht über die Sache (se ut dominum gerere) verstanden.

Quelle: 
MüKo-StGB/Schmitz, 2. Auflage München 2011, § 242 Rdn. 107.
Rechtsgebiet: 
Strafrecht
Vorlesung: 
Strafrecht BT II
Stichwortverzeichnis: