Referendariats - Stationen im Überblick

Die Stationen im Referendariat im Überblick

Während des praktischen Teils der Juristenausbildung soll der Referendar verschiedenste Aspekte des Berufsalltags eines Juristen kennenlernen. Daher ist das Referendariat - auch Vorbereitungsdienst genannt - in verschiedene Stationen gegliedert. So soll sichergestellt sein, dass der Referendar möglichst alle Rechtsgebiete und Tätigkeitsfelder kennenlernt. Parallel zur praktischen Ausbildungszeit müssen Arbeitsgemeinschaften besucht werden. Diese sind benotet und dienen der Vertiefung des Stoffes.

Da Theorie und Praxis oftmals Welten trennen, sollten die Arbeitsgemeinschaften und die Klausurenkurse regelmäßig besucht werden. In fast allen Bundesländern ergibt sich damit auch ein einheitliches Bild der wöchentlichen Ausbildungszeit: An drei Tagen ist in der jeweiligen Station Dienst zu leisten, an einem Tag findet die Arbeitsgemeinschaft statt und ein weiterer Tag dient dem Selbststudium. Wer nun aber glaubt eine laue drei Tage Woche vor sich zu haben, wird schnell eines besseren belehrt: Sowohl die Stationen als auch die Arbeitsgemeinschaften sollten vor- und nachbereitet werden.
 
Aller Anfang ist schwer und daher gibt es vor Antritt der jeweiligen Station einen Einführungslehrgang der komprimiert das zu Erwartende nahebringt. Die Einführungslehrgänge zählen bereits zur Ausbildungszeit und dauern zwischen zwei und vier Wochen.

Die Stationen im Allgemeinen

Die Zivilstation

Der erste Kontakt mit der Arbeit eines Zivilrichters dauert zwischen drei und fünf Monaten. Die Zivilstation ist bei einem Zivilrichter an einem Amts- oder Landgericht abzuleisten. Das Zivilprozessrecht bildet hier den Schwerpunkt und wird in der Praxisanwendung geübt. Parallel dazu lernt der Referendar hier die weiteren Aspekte der Arbeit als Richter kennen: Von der Sachverhaltserfassung über die Bewertung von Beweismitteln hin zur Struktur eines Urteils oder eines Beschlusses. Nicht selten gehört auch die eigene Anwesenheit an den Sitzungstagen des Richters dazu, natürlich nicht ohne entsprechende Vorbereitung der Akten. So soll der Ablauf der Zivilgerichtsbarkeit in der Praxis trainiert werden. Viele Richter geben dem Referendar Akten zur Vorbereitung, wobei dort eine konkrete Fragestellung zu erarbeiten ist. Im Anschluss daran wird diese Akte besprochen.

Kurzum: Der Zivilrichter führt euch in den Alltag an einem Zivilgericht ein.


Die Strafstation

In den meisten Bundesländern wird die Strafstation bei einem Staatsanwalt abgeleistet, in einigen wenigen auch bei einem Strafrichter. Viele fürchten sich vor dieser Station, dabei hält sie doch eine Besonderheit bereit: Zum ersten Mal darf ein Referendar selbstständig als Sitzungsvertreter vor Gericht auftreten. Viele haben vor genau dieser Praxiserfahrung Angst, sie ist jedoch völlig unbegründet. Zum einen bekommt der Referendar vor den Sitzungstagen die entsprechenden Handakten zur Vorbereitung und zum anderen folgen die Sitzungstage einem festen Ablauf. Nach Verlesen der Anklage beginnt die eigentliche Verhandlung, hier ist Konzentration gefragt, denn der Sachverhalt aus der Akte kann sich plötzlich ganz anders darstellen. Abschließend wird plädiert, auch das ist reine Übungssache. Die Sitzungstage sind jedoch nicht alles was die Strafstation zu bieten hat: So besteht in einigen Bundesländern auch die Möglichkeit eine Nacht „auf Streife“ mit der Polizei zu erleben oder auch an einer Obduktion teilzunehmen. Die Strafstation dauert zwischen 3 und 3,5 Monaten.


Die Verwaltungsstation

Zwischen drei bis vier Monate nimmt die Verwaltungsstation in Anspruch. Was trocken klingt, kann dennoch spannend sein. In einigen Bundesländern ist die Verwaltungsstation zwingend bei einer Behörde abzuleisten, in einigen anderen auch an Finanz-, Verwaltungs- oder Sozialgerichten. Grundsätzlich ist Zweck der Verwaltungsstation dem Referendar die Verwaltungspraxis nahezubringen. Die besteht größtenteils aus Widerspruchsbescheiden, Gutachten zu verwaltungsrechtlichen Themen oder auch das Baurecht. In einigen Bundesländern besteht zudem die Möglichkeit die Verwaltungsstation an der Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer zu absolvieren. Hierbei handelt es sich um einen einsemestrigen Ergänzungsstudiengang der insbesondere für diejenigen interessant ist, die nach dem Referendariat eine Laufbahn im Höheren Dienst einschlagen wollen.


Die Anwaltsstation

Die längste und wohl auch beliebteste Station ist die Anwaltsstation. Bestenfalls hat man schon vorher für den Anwalt freiberuflich gearbeitet und kann nun die erworbenen Kenntnisse im Kanzleialltag umsetzen. Innerhalb der Anwaltsstation soll der Referendar die tägliche Arbeit eines Anwalts kennenlernen. Vorrangig sollen hier Kenntnisse der Fristenberechnung, das Auftreten vor Gericht und vor allem der Umgang mit Mandanten vermittelt werden. Auch das Verfassen von Klagesätzen, Schriftsätzen im allgemeinen und die Vollstreckung gehören zum Berufsalltag. Wer nach dem Referendariat als Anwalt arbeiten möchte, hat hier die wichtigste Station zu absolvieren. Neben der Funktionsweise einer Kanzlei, der Organisation von Terminen und der Arbeit in dem gewünschten Rechtsgebiet, bietet die Anwaltsstation ggf. eine Grundlage für eine spätere Anstellung. Am Ende dieser Station wartet der schriftliche Teil des Zweiten Staatsexamens.


Die Wahlstation

Nach geschriebenen Klausuren darf in der anschliessenden Wahlstation wieder Praxisluft geschnuppert werden. Dieses Mal aber in einem Gebiet welches sich der Referendar selbst aussucht. Die Dauer variiert zwischen drei und vier Monaten. In den meisten Bundesländern muss die Wahlstation mit einem selbst gewählten Schwerpunkt verknüpft werden. Dies ist insofern praktisch, als dass hier für die ersten Schritte ins Berufsleben alles vorbereitet werden kann. Wer plant als Rechtsanwalt zu arbeiten, sollte seinen Schwerpunkt entsprechend setzen. Wer eher an eine Karriere im Öffentlichen Dienst denkt, sollte sich dementsprechend um eine praxisnahe Wahlstation bemühen. Auch Auslandsaufenthalte sind hier möglich, gestalten sich jedoch schwierig, da während der Wahlstation die Mündlichen Prüfungen im Zweiten Staatsexamen abgelegt werden müssen.


Welcher Weg ist für mich der richtige?

Es ist nicht ganz einfach im Stress des ersten Examens sich einen Überblick über die Möglichkeiten des Referendariats zu verschaffen. Da die Bundesländer verschiedene Regelungen haben, ist es ratsam sich vor dem Referendariat über die jeweiligen Möglichkeiten zu informieren. Denn eine gute Entscheidung lässt sich nur dann treffen, wenn man auch alle Variablen kennt. Es lohnt sich daher frühzeitig die notwendigen Informationen zum Referendariat und den Besonderheiten des jeweiligen Bundeslandes einzuholen. Wir haben aus diesem Grund einen kostenfreien Workshop auf die Beine gestellt, der Dir genau dabei helfen soll!

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