Die Wahlstation im Referendariat: Wähle das, was Du willst. Und nur Du!

Deutsche Botschaft in Delhi, Handelskammer in Helsinki oder Wirtschaftskanzlei in Bangkok.


Die Wahlstation im Referendariat ist eine wunderbare Möglichkeit einfach mal das zu tun, was man möchte, worauf man Lust hat, was man schon immer mal ausprobieren, wo man schon immer mal leben wollte. Folgt eurem Gefühl, eurem Bauch oder eurer Vernunft, eurer Weitsicht oder was auch immer euch leitet. Aber hier hat man wohl vorerst die letzte Möglichkeit, es einfach zu tun. Einfach so. Oder zumindest eines ist sicher: Es wird nie wieder so einfach sein.  

Meine Wahl ist im vergangenen Sommer auf Bangkok gefallen – und diese drei Monate gehören zu den intensivsten meines Lebens. Gute 9.000 km Abstand zwischen mir und der zweiten juristischen Staatsprüfung. Gerade genug Entfernung, um das sehr einprägsame Gefühl, acht Mal diesen Prüfungsraum betreten und acht Mal durch die Hölle gehen zu müssen, zu vergessen. Oder zumindest vorübergehend zu verdrängen. Und das ziemlich erfolgreich. Um euch einen Einblick zu geben und euch die Wahlstation - vielleicht ja sogar in Bangkok - schmackhaft zu machen, hier ein kurzer Abriss über meine Erfahrungen: 

Stetige 32 Grad, schwüle, heiße Luft. In Bangkok gibt´s nur heiß und noch heißer. Und eine Menge klimatisierte Räume, in die man flüchten kann; neben Malls, Bars und Restaurants natürlich auch das Büro. Mein zweites Zuhause. 31. Stock in einem Wolkenkratzer New-Yorker Style, der einem Wespennest gleicht. Volle Fahrstühle. Voll von gut gekleideten kleinen Thaifrauen, die immer aussehen, wie aus dem Ei gepellt und einer Horde Anzugträgern. Darunter ich als einzige Europäerin. Das ist ungefähr so wie ein Tattoo im Gesicht. Unwesentlich auffällig. Aber man gewöhnt sich schnell an die Blicke. Und in der Regel, sind diese auch nicht durch Feindseligkeit, sondern viel mehr durch bloße Neugier und Faszination gekennzeichnet. Blond und schneeweiß ist in Thailand nach wie vor ein Schönheitsideal. So starrten - oder vielmehr lächelten - die Thais mich an und ich die Thais. Denn eins muss man sagen. Die Thailänder sind ein überaus schönes, gut aussehendes und zudem sehr hart arbeitendes Volk. So unterscheiden sich die Arbeitstage zumindest von der Gesamtdauer in keiner Weise von solchen in Deutschland. Die Mittagspause wird vielleicht etwas ausgedehnt. Denn Essen ist wichtig. Essen ist Kultur. Also, zumindest Thai Kultur.

Zurück im Büro wird dann weiter geackert, bis sich die nächste Mahlzeit ankündigt. Zu meinen Aufgaben gehörte neben doch eher langweiliger Übersetzungsarbeit - da kommt man wohl nie drum herum - vor allem die Betreuung spannender Transaktionen im Bereich M&A und Joint Venture. Das bringt das Herz eines jeden Gesellschaftsrechtlers zum Hüpfen. So bereitete ich unter anderem Verträge und übrige Dokumente für Anteilsverkäufe namenhafter Unternehmen vor, setzte Geschäftsführerverträge und Vollmachten auf, nahm an Kick-off-Meetings teil und strukturierte Joint Venture Agreements. Alles auf Englisch. Das trainiert. Und fordert. Man lernt sehr viel. Nicht nur für Jura, nicht nur für die Karriere, sondern für und über sich. Denn neben den juristischen Herausforderungen, stellte sich auch die kulturellen. Leben in einer asiatischen Großstadt ist nicht jedermanns Geschmack. Ich rede von Rush Hour, die gefühlt 24 Stunden anhält, deutlich unterdurchschnittlichen Hygienestandards, asiatischem Zeitmanagement und gewöhnungsbedürftigem Essen, bei dem man manchmal einfach auch nicht wissen will, was es ist. Aber es hat immer geschmeckt. Es hat mir Selbstbewusstsein gegeben und die Sicherheit, dass ich mich überall allein zurecht finde, dass ich überall arbeiten kann, wenn ich es nur möchte. Ich habe in keiner Station so viel gelernt, wie in dieser. Noch wichtiger: Gekürt wurde dieses Gefühl mit einer Handvoll toller Menschen, die ich mittlerweile zu meinen Freunde zählen kann.
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Autorin: Gesa Max

Wie organisiert man die Wahlstation - vor allem, wenn es ins Ausland geht?! Hier lesen

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