Referendariat in Berlin

Die Bundeshauptstadt Berlin hat etwa 3,6 Millionen Einwohner. Die universitäre Ausbildung für das erste Examen erfolgt an der Humboldt (B-Mitte) oder der Freien Universität (B-Dahlem). Für den juristischen Vorbereitungsdienst werden die Rechtsreferendare im gesamten Stadtstaat verteilt. Berlin hat ein gemeinsames Juristisches Prüfungsamt mit Brandenburg (GJPA), mit Sitz in B-Schöneberg. Die schriftlichen Prüfungen werden an verschiedenen Orten in Berlin geschrieben.

Ausbildungsgerichte

Das Kammergericht ist für die Referendare das zuständige Ausbildungsgericht. Arbeitsgemeinschaften werden jeweils an Land- und Amtsgerichten eingerichtet. Zuweisungswünsche für einen bestimmten Stadtteil können in der Regel nicht berücksichtigt werden.

Einstellungstermine und Bewerbung

Das Kammergericht Berlin stellt Rechtsreferendare viermal pro Jahr, jeweils zum 1. Februar, 1. Mai, 1. August und 1. November ein. Die Bewerbungsunterlagen können frühestens bis zu einem Jahr im Voraus eingereicht werden.

Anzahl der Neueinstellungen

Die Anzahl der Neueinstellungen hängt von den Bewerbungen ab. Aktuell werden pro Durchgang etwa 144* Referendare eingestellt.

Wartezeiten

Derzeit bestehen in Berlin lange Wartezeiten von ca. 13 bis zu 21 Monate*. Das Kammergericht führt verschiedene Bewerberlisten.

Vergütung und Nebentätigkeit

Die monatliche Unterhaltsbeihilfe beträgt 1.385,45 €*, zuzüglich etwaiger Zuschläge für Ehe und/oder Kinder. Zusätzliche Einkünfte aus Nebentätigkeit bleiben bis zur Höhe der Unterhaltsbeihilfe anrechnungsfrei. Die Nebentätigkeit sollte acht Stunden, in der Rechtsanwalts- und Wahlstation 15 und in den letzten vier Monaten vor dem Examen zehn Stunden pro Woche nicht übersteigen; bei einem wissenschaftlichen Bezug an einer Hochschule sind bis zu 19,5 Wochenstunden gestattet.

Stationen, Ablauf und Gestaltungsmöglichkeiten

# Station Dauer
1. Zivilstation
Ausbildung am Land- oder Amtsgericht in Zivilsachen (Zuweisung durch KG)
3 Monate
(1. - 3. Monat)
2. Strafstation
Ausbildung bei der Staatsanwaltschaft (Zuweisung durch KG; Ausbildungswünsche für einen bestimmten Ausbilder in der StA sind dem KG zu übermitteln)
3 Monate
(4. - 6. Monat)
3. Verwaltungsstation
In Berlin bietet sich die Ausbildung neben den klassischen Behörden der allgemeinen Verwaltung vor allem in verschiedenen Ministerien des Bundes oder Behörden des Senates an (Stationen in der Verwaltung sind selbst zu suchen und dem KG mitzuteilen)
4 Monate
(7. - 10. Monat)
4. Rechtsanwaltsstation
vielfältige Möglichkeiten durch verschiedene Großkanzleien oder Boutiquen in Berlin
fakultativer Aufenthalt in Speyer möglich
Klausuren werden im 20. Monat der Rechtsanwaltsstation geschrieben
9 Monate
(11. - 20. Monat)
5. Wahlstation
Station im In- oder Ausland nach freier Wahl
Im 24. Monat kann der Aktenvortrag der mündlichen Prüfung durch spezielle Vorbereitungskurse geübt werden
4 Monate
(21. - 24. Monat)
6. Mündliche Prüfung
Berufspraktischer Teil der mündlichen Prüfung kann frei gewählt werden
25. Monat

Struktur der Prüfung zum 2. Examen sowie Anteil an der Note

Die schriftliche Prüfung fließt zu 60 % und die mündliche Prüfung zu 40 % in das Gesamtergebnis ein. Es werden sieben Klausuren geschrieben, davon zwei aus dem Zivilrecht, zwei aus dem Strafrecht und zwei aus dem öffentlichen Recht; die siebte Klausur kann aus dem Zivil-, Straf- oder öffentlichem Recht gewählt werden. Der Aktenvortrag der mündlichen Prüfung aus dem berufspraktischen Teil inklusive Vertiefung zählt zu 16 %; die verbleibenden 24 % der Gesamtnote setzen sich aus dem Prüfungsgespräch aus den drei Rechtsgebieten zusammen.

Examensstatistik der vergangenen Jahre

Auffällig sind die hohen VB-Quoten im Land Berlin. Dies liegt jedoch nicht daran, dass dort die Examina einfacher sind, als im Rest der Republik. Berlin ist als Standort für das Referendariat insgesamt sehr beliebt. So strömen jedes Quartal eine Vielzahl gut qualifizierter Juristen mit dem ersten Examen aus allen Teilen des Landes in die Hauptstadt. Berlin hat für die Einstellung im Referendariat eine sogenannte Leistungsliste mit einer Vielzahl von herausragend gut qualifizierten Anwärtern mit 10 Punkten und mehr im ersten Examen. Solch geballte Power guter Juristen produziert daher regelmäßig diesen exzellenten Schnitt an VB-Quoten. Zum Beweis: Brandenburg schreibt mit Berlin das identische Examen. Dort war jedoch der VB-Schnitt in den Jahren 2014-2017 im Bereich von 5,9 bis 13,1 % (Quellen: siehe oben BMJV, Juristenausbildung 2014-2017).

Bestanden87,9 %
Sehr gut0,1 %
Gut2,3 %
VB25,5 %
Befriedigend44,1 %
Ausreichend15,9 %
Bestanden84,6 %
Sehr gut0,0 %
Gut2,4 %
VB24,9 %
Befriedigend40,9 %
Ausreichend17,8 %
Bestanden86,3 %
Sehr gut0,0 %
Gut1,7 %
VB23,7 %
Befriedigend41,6 %
Ausreichend19,3 %
Bestanden86,2 %
Sehr gut0,2 %
Gut2,7 %
VB24,4 %
Befriedigend44,5 %
Ausreichend14,6 %

Erlaubte Hilfsmittel im Staatsexamen

  • Gesetze: Schönfelder, Sartorius Band I, Gesetze über die Berliner Verwaltung (Kirchner)
  • Kommentare: Palandt (BGB), Thomas/Putzo (ZPO), Fischer (StGB), Meyer-Goßner (StPO), Kopp/Ramsauer (VwVfG-Kommentar), Kopp/Schenke (VwGO)

Besonderheiten im Bundesland

Berlin bietet für die Verwaltungs-, Rechtsanwalts- und Wahlstation viel Freiheit bei der Planung an. So können diese Stationen auch in anderen Bundesländern absolviert werden; die Rechtsanwalts- oder Wahlstation auch im Ausland. Für die Verwaltungsstation stehen ebenso verschiedene Bundesministerien offen. Fakultativ kann ein Lernprogramm (ELAN-REF) zur Prüfungsvorbereitung und zu Ausbildungszwecken verwendet werden. Das Gespräch zum berufspraktischen Teil in der mündlichen Prüfung ist vom gewählten Gebiet abhängig (Rechtsberatung, Zivilrechtspflege, Strafrechtspflege, Verwaltung, Wirtschaft, Arbeit und Soziales, Europäischen und Internationales Recht). Die Prüfung zur Notenverbesserung kostet 600 €. Berlin bietet einen umfangreichen Internet-Klausurenkurs an, der für alle Interessierten öffentlich zugänglich ist. Vor den schriftlichen Prüfungen nehmen die Referendare an einem Probeexamen teil.

Ansprechpartner und weitere Informationen

Kontakte und Zuständigkeiten für das Referendariat finden sich hier. Die Bewerbungsunterlagen sind postalisch an den Präsidenten des Kammergerichts, Dezernat VI – Referat für Referendarangelegenheiten, Salzburger Straße 21-25, 10825 Berlin zu adressieren. Weitere Informationen zum Rechtsreferendariat finden sich ebenfalls auf den Seiten des Kammergerichts.

*Stand 09/2019 | Erhöhung der Unterhaltsbeihilfen rückwirkend zum 01.04.2019 ** Stand 05/2019