Warum du zum Start ins Referendariat dringend mal mit Kanzleien quatschen solltest

Leute, ich bin ganz ehrlich zu euch. Während des kompletten Studiums habe ich Jobmessen aus genau zwei Gründen besucht: Kostenlose Kugelschreiber und Blöcke. Was hätte ich mich auch während der ersten Semester groß mit diesen Kanzleien oder Unternehmen beschäftigen sollen, wusste ich doch noch nicht einmal, ob ich die Zwischenprüfungen bestehen würde.
 
Das Ganze änderte sich – natürlich nicht grundlegend, Kullis steckte ich noch immer ein Wink – als das Referendariat bevorstand. Spätestens jetzt musste ich mich wirklich mit Kanzleiprofilen und Angeboten auseinandersetzen. Die Anwaltsstation im Referendariat dauert zwar je nach Bundesland unterschiedlich lange, absolvieren muss die Station aber jeder.
 
Warum nicht einfach die Kanzlei von Onkel Otto? 
Natürlich besteht, wie auch schon im Studium im Rahmen von Pflichtpraktika, die Möglichkeit, seine Station bei Papa, Onkel oder einem Freund in der Kanzlei zu absolvieren und darauf zu hoffen, dass man wenig arbeiten, dafür aber viel Zeit zum lernen (oder Freizeit) bekommt.
 
Allerdings sollte man hierbei eines nicht aus dem Blick verlieren: Die Kanzleien, die dir auf der JURAcon vorgestellt werden, bieten meist weit mehr, als nur Zeit zum Lernen, wenn man das denn im Vorhinein abklärt und gut verhandelt.
 
Neben Tauchzeit (Die Tauchzeit fällt in die Zeit der Anwaltsstation kurz vor den schriftlichen Prüfungen des 2. Staatsexamens und meint das „Kopf einziehen“ zur konzentrierten Vorbereitung auf die schriftlichen Prüfungen, die man von den Kanzleien freigestellt bekommt. Dies muss jedoch verhandelt werden, da das Tauchen nicht im Ausbildungsprogramm vorgesehen ist.) werden Repetitorien oder Englischkurse angeboten, man kann an Klausurenkursen teilnehmen, erhält vielleicht sogar die Möglichkeit in der Wahlstation für eben diese Kanzlei ins Ausland zu gehen und – so erging es vielen Freunden von mir – es besteht natürlich die Chance, nach dem Referendariat eine Stelle bei jener Kanzlei angeboten zu bekommen.
 

Tauchen vor dem zweiten Staatsexamen

Das Tauchen vor dem zweiten Staatsexamen: Ein Mythos? Darf man das noch? Wie klärt man das mit Kanzleien ab? Zu aller erst: Jedenfalls in den Bundesländern, in denen das sog. Tauchen noch erlaubt ist, ist das Planen und Besprechen mit den Kanzleien überhaupt kein Problem. Auch nicht im Rahmen einer Jobmesse. Die Rechtsanwälte aus den vertretenen Kanzleien haben schließlich auch mal das Staatsexamen absolviert und wissen um den Stress, den Zeitmangel und die Vorbereitungsschwierigkeiten.
 
Du kannst solche Themen also getrost im Rahmen eines Kennenlerngesprächs ansprechen. Dies geht bspw. auf der JURAcon hervorragend, da man dort sehr umfangreich Informationen sammeln und zahlreiche Gespräche an einem Tag führen kann. Viele Kanzleien bieten beispielsweise das folgende Modell an: Von der gesamten Rechtsanwaltsstation – nehmen wir für Hamburg einmal 9 Monate – kann individuell verhandelt werden, wie viele Monate ein Referendar arbeiten und wie lange er tauchen möchte („flexible Arbeitszeit“). Davon hängen dann die Zahl der Arbeitstage pro Woche, sowie die Vergütung ab. Ich habe beispielsweise 6 Monate Vollzeit gearbeitet und bin 3 Monate getaucht. Mit guter Verhandlung haben einige meiner Kollegen sogar eine 4 Monate zu 5 Monate Aufteilung herausgeholt.
 
Natürlich gibt es stets Kandidaten, die keine Tauchzeit benötigen, ihre Vorbereitung komplett neben den Stationen des Refs und ohne Repetitoren absolviert haben. Ich bewundere das wirklich sehr, gehöre aber leider nicht zu den grundbegabten Menschen. Ich war daher sehr froh, mir im Rahmen von Jobmessen einen Überblick über die verschiedenen Kanzleien, die Angebote und auch die Modelle, die die Kanzleien insbesondere hinsichtlich des Tauchens anbieten machen zu können. Und verlieren könnt ihr bei einem Besuch der JURAcon auch nichts. Zur Not nehmt ihr eben nur einen Kulli mit.
Nächste JURAcon: JURAcon Frankfurt am Main, 09.05.2019 
Alles liebe,
Eure Luisa