Interview Bank- und Finanzrecht

Fragen zur Tätigkeit

Frage: Von außen scheint das Bank- und Finanzrecht ein komplexes und schwer durchschaubares Gebiet zu sein. Wie würden Sie als Spezialist das Rechtsgebiet beschreiben?
 

Dr. Rauni Ahammer
Als interessantes Rechtsgebiet, das Aspekte des Gesellschaftsrechts, des Sachenrechts, des Insolvenzrechts und des allgemeinen Zivilrechts miteinander vereint.
 

Frage: Womit muss der Anwalt an einem typischen Arbeitstag im Bereich des Bank- und Finanzrechts rechnen?

Dr. Rauni Ahammer
Mit verschiedenen rechtlichen Fragestellungen, Koordinationsaufgaben, Vertragsgestaltung, aber auch damit, dass spontan das Telefon klingelt und man um die Bearbeitung einer dringenden Frage gebeten wird.
 

Frage: Welche Auswirkungen hat die sog. Finanzkrise auf die heutige anwaltliche Beratung im Bereich des Bank- und Finanzrechts?

Dr. Rauni Ahammer
Durch die Finanzkrise sind neue Themen in den Fokus gerückt, die bei der Vertragsgestaltung zu berücksichtigen sind. Beispiele hierfür sind Regelungen in Kreditverträgen zu Negativzinsen oder das Vorsehen von Mechanismen, die auch die Möglichkeit berücksichtigen, dass Kreditinstitute insolvent werden können.
 

Anforderungen

Frage: Welche Qualifikationen bzw. welche Soft Skills sind für eine anwaltliche Tätigkeit im Bereich des Bank- und Finanzrechts vorteilhaft bzw. notwendig? Auf welche Anforderungen der Branche müssen sich Bewerber hier einstellen?

Dr. Rauni Ahammer
Wie sicherlich auch für Tätigkeiten in anderen Rechtsgebieten, sind strukturiertes Arbeiten und Teamfähigkeit von zentraler Bedeutung. Für den Bereich des Bank- und Finanzrechts sollten die Bewerber außerdem ein Interesse am Gesellschafts- und Sachenrechts sowie wirtschaftlichen Zusammenhängen mitbringen. Darüber hinaus ist auch ein Vorwissen im Bereich des Insolvenzrechts von Vorteil, um die Zusammenhänge und Regelungen im Kreditsicherungsrecht besser zu verstehen.
 

Frage: Beratung im Bank- und Finanzrecht findet häufig im internationalen Rahmen statt. Gute Englischkenntnisse gelten vermutlich als selbstverständliche Anforderungen an ihre Bewerber und Mitarbeiter. Wie wichtig sind Kenntnisse weiterer Sprachen und anderer Rechtssysteme, z.B. über Zusatzqualifikationen wie einen LL.M.?

Dr. Rauni Ahammer
Der internationale Rahmen der Beratung führt dazu, dass sowohl die Vertragsgestaltung als auch die Kommunikation mit den Mandaten und anderen Anwälten oft in englischer Sprache erfolgen. Nichtsdestotrotz beraten wir als deutsche Anwälte auch im internationalen Kontext stets zu deutschem Recht. Es ist daher nicht notwendig, Kenntnisse in anderen Rechtsordnungen oder Sprachen (außer Englisch) mitzubringen, natürlich können solche Kenntnisse aber bei der Zusammenarbeit mit Anwälten anderer Jurisdiktionen hilfreich sein. Der LL.M. ist eine mögliche Gelegenheit, im Ausland Erfahrungen zu sammeln und insbesondere die Englischkenntnisse zu verbessern, er stellt als Qualifikation jedoch kein Muss dar.
 

Ratschlag für Interessenten

Frage: Was würden Sie Bewerbern raten, die sich für eine Karriere im Bank- und Finanzrecht interessieren? Welche Schwerpunkte sollten sie bei ihrer Ausbildung setzen, auf welche fachübergreifenden Fähigkeiten wertlegen?

Dr. Rauni Ahammer
Generell ist die Juristenausbildung ja sehr breit angelegt und es überrascht im Alltag immer wieder, welche Wissensgebiete aus dem Studium in der späteren Arbeit wieder hilfreich werden. Wenn man dennoch etwas vertiefen möchte, bietet es sich an, die Kenntnisse im wirtschaftlichen Bereich sowie in den Rechtsgebieten des Gesellschaftsrechts, Sachenrechts oder Insolvenzrechts zu vertiefen. Im Ergebnis lernt man aber vor allem in der täglichen Arbeit – wichtig ist es, hier das entsprechende Interesse mitzubringen.
 

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