Dissertation? Nie im Leben ... oder doch?

Bei der Abgabe meiner Schwerpunktarbeit während des Studiums habe ich mir geschworen: Nie wieder in meinem Leben werde ich eine wissenschaftliche Arbeit schreiben. Was war ich genervt und gestresst von den Millionen Formalien, den Kämpfen mit Word und all den Stunden in der Bibliothek.

Und heute? Heute schreibe ich neben meiner Tätigkeit als Rechtsanwältin in Dubai an meiner Doktorarbeit. An einer deutschen Universität. Nur eben nicht als wissenschaftliche Mitarbeiterin an einer Universität, sondern als externe Doktorandin „am anderen Ende der Welt.“ 

Doktorarbeit: Wann und Wie schreibt man das eigentlich eine Dissertation?

Ganz generell gibt es verschiedene Methoden, eine Doktorarbeit zu schreiben. An vielen Universitäten wird Studenten angeboten, nach dem ersten Staatsexamen als wissenschaftlicher an einem Lehrstuhl tätig zu werden und seine Doktorarbeit dort zu schreiben. Die Vorteile sind einfach einzusehen: Man ist nach dem ersten Staatsexamen noch mitten drin in der Materie, man ist „nahe dran“ an seinem Doktorvater und vor allem auch an der einschlägigen Literatur. Nachteil ist, dass man meistens ziemlich viel als Wiss.Mit. arbeiten muss und ehr so semi-gut bezahlt wird.
 
Ähnlich kann man das ganze nach dem zweiten Staatsexamen aufbauen. Auch hierbei ist es so, dass man an einem Lehrstuhl einer Universität tätig werden kann. Natürlich kann man auch zwei bis drei Tage als Wiss.Mit. bei einer Kanzlei arbeiten und dann als externen Doktorand an seiner Doktorarbeit schreiben. Als Doktorand in einer Kanzlei hat man meistens den Nachteil, dass man, obwohl man das zweite Staatsexamen in der Tasche hat, nicht als Rechtsanwalt, sondern eben (nur) als wissenschaftlicher Mitarbeiter eingestellt und auch dementsprechend bezahlt wird.
 
Anders ist dies, wenn Kanzleien ein spezielles Angebot für Doktoranden bereitstellen. Einige Großkanzleien bieten beispielsweise an, dass man ein Jahr Vollzeit als Rechtsanwalt zu halbem Gehalt arbeitet und im darauffolgenden Jahr ebenfalls zum halben Gehalt freigestellt wird und an seiner Doktorarbeit schreiben kann. Solche Programme gibt es auch gestaffelt auf Monate oder Wochen.
 

Ein Tag Wochenende zusätzlich – jede Menge Doktorarbeit

Ich habe einen individuellen Weg eingeschlagen. Fragt mich bitte nicht, wie ich darauf gekommen bin, nun doch meine Doktorarbeit zu schreiben, aber in den Verhandlungen um meinen Job hier in Dubai, habe ich die Diss. quasi einfach mal in den Ring geworfen und eigentlich nicht einmal damit gerechnet, dass meine Chefin meinem Plan zustimmen wird.
 
Hat sie aber. Und vereinbart ist folgendes: Ich arbeite vier Tage die Woche und habe somit drei Tage frei. Minus einen vollen Tag Wochenende, macht das zwei Tage die Woche für die Doktorarbeit. Um ehrlich zu sein, habe ich mich einfach hineingestürzt und nicht lange darüber nachgedacht, ob das den auch funktionieren wird oder ob zwei Tage pro Woche nicht viel zu wenig Zeit sind.
 
Die Besonderheit, dass ich außerdem noch im Ausland bin und damit keinen unmittelbaren Zugang zu Bibliotheken habe, lässt sich ebenfalls ganz gut in den Griff bekommen. Beck-Online etc. lassen sich von überall auf der Welt aus bedienen und für die Direktrecherche in den Bibliotheken habe ich in Deutschland eine Mitarbeiterin, die mich unterstützt.
 
Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick in die verschiedenen Varianten der Doktorarbeit geben und euch auch eine ehr unkonventionelle Art vorstellen. Wer einen rein informativen Überblick zur Dissertation (Wie finde ich das richtige Thema, den passenden Doktorvater, wann ist der richtige Zeitpunkt oder wie verläuft das Promotionsverfahren) erhalten möchte, kann diesen hier bekommen: Informationen zur Dissertation.
 
Alles Liebe
Luisa

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