Floskeln in Stellenanzeigen und was sie bedeuten

von iurastudent ·

„Aussagen“ die eben doch „Nichts sagen“, gibt es überall. Besonders im Bereich von Bewerbungen haben sich viele dieser leer-wirkenden Umschreibungen festgesetzt. Man bekommt teilweise sogar das Gefühl, dass diese Floskeln zwingend in Stellenausschreibungen und in Bewerbungsschreiben enthalten sein müssten, damit sie als solche zu qualifizieren sind, so häufig liest man diese Begriffe.
Indem du diese Floskeln zu deuten lernst und sie in deinen eigenen Texten erkennen und, wo notwendig, zu umgehen lernst, kannst du hervorstechen und dich von anderen abheben!
Andersrum kannst du den Aussteller der Stellenausschreibung analysieren, indem du die benutzen Begriffe erkennen und deuten kannst. Betriebe, bzw. Arbeitgeber allgemein verstecken sich bei Stellenausschreibungen häufig bequem hinter sprachlichen Masken und schönmalerischen Floskeln. Dadurch sind viele Stellenanzeigen leider scheinbar beliebig austauschbar, ohne individuelle Stelleninformationen preiszugeben.
 
Behalte stets im Hinterkopf, dass normalerweise jedem klar sein sollte, welche generellen Anforderungen an einen Arbeitnehmer gestellt sind. Meistens legt man also auch auf das, was im Anzeigentext hervorgehoben wird, beim potentiellen Arbeitgeber einen höheren Wert.
 
Außerdem ist die „Übersetzung“ von Floskeln kein Allheilrezept. Du musst die Stellenanzeige immer in ihrer Gänze betrachten, denn auch der Verfasser der Anzeige kennt wohlmöglich nicht alle Bedeutungen, die sich hinter den nett gemeinten Formulierungen verbergen können.
 

Einige Floskeln bei der Betriebsbeschreibung und ihre Deutung

#„Marktführer“ – diese Bezeichnung wird gerne von Betrieben verwendet, ist jedoch meist subjektiv akzentuiert und schwer zu bewerten, bzw. zu verifizieren. Also Vorsicht!
 
#„angenehmes Betriebsklima“ – verglichen mit was? Angenehm ist immer relativ zu betrachten!
 
#„Traditionsbetrieb“ – hier hat alles Struktur. Solltest du also eine Führungsposition in einem solchen Unternehmen anstreben, oder neue Ideen mit zur neuen Arbeitsstelle bringen, sei dir bewusst, dass schnelle Änderungen hier auf jede Menge Gegenwehr stoßen können.
 
#„überschaubares Unternehmen/ Team“ – dieses Unternehmen/ Team hat nur wenige Mitarbeiter, das ergibt sich schon aus den Worten. Im Klartext heißt es, dass die Stelle meist mit einem Allroundtalent besetzt werden soll, da in solch kleinen Gruppen viele verschiedene Aufgaben übernommen werden müssen. Andererseits bedeutet dies möglicherweise willkommene Abwechslung und größere Herausforderungen. Stimmt das mit deinen Berufsvorstellungen überein?
 
#„eingespieltes Team“ – hier wird eine Stelle in einer Gruppe besetzt, die wohlmöglich seit Jahren zusammenarbeitet. Stell dich darauf ein, dass sie in dir deinen Vorgänger suchen und du um ihre Anerkennung wirst kämpfen müssen, um deinen Platz in der Gruppe zu bekommen.
 
#„junges Team“ – in diesem Team ist vermutlich niemand über ca. 30 Jahre alt. Dieser Passus kann darauf hindeuten, dass der ebenfalls junge Arbeitgeber lieber mit Gleichaltrigen zusammen arbeitet, oder aber, dass diese Arbeitsstelle eher als Sprungbrett, nicht als etwas Dauerhaftes einzuordnen ist.
 
#„schnelle Aufstiegsmöglichkeiten/ Entwicklungsmöglichkeiten“ – auch bei dieser Formulierung ist Vorsicht angebracht. Diese Umschreibung klingt auf den ersten Blick zwar verlockend, könnte allerdings darauf hindeuten, dass es in dem Bereich kein Angestellter lange aushält, oder aber Personalmangel auf allen Ebenen herrscht. Auf Grund der hohen Fluktuation kannst du zwar schnell aufsteigen, aber das Risiko des Scheiterns (besonders auf Grund der eigenen Falscheinschätzung des Durchhaltevermögens) ist ebenso groß.
 
#„vielfältige Weiterbildungsmöglichkeiten“ – klingt zunächst vielversprechend. Es kann aber auch dafür sprechen, dass sich die Anforderungen in der angebotenen Stelle kontinuierlich ändern und eine ständige Weiterbildung dazu zwingend notwendig ist. Suchst du nach einer routinierten Arbeitsstelle, könnte dieser Passus dagegen stehen. Außerdem solltest du klären, wie die finanzielle Unterstützung bei der benötigten Weiterbildung ausfällt.
 

Beschreibungen über und Ansprüche an den Bewerber

#„Belastbarkeit und Kritikfähigkeit“ – hier erwartet dich vermutlich ein eher raues Betriebsklima und häufige Mehrarbeit. Andererseits ist diese Floskel nicht selten eine eher leere Aussage, die von den Anzeigenstellern ohne viel Nachdenken aus Gewohnheit übernommen wird. Hier lohnt sich der eigene Blick ins Arbeitsumfeld.
 
#„außergewöhnlicher Einsatz“ – sollte schon in der Stellenanzeige außergewöhnlicher Einsatz vom Bewerber gefordert werden, ist Vorsicht geboten! Diese Forderung ist nicht selten mit hohem Zeitdruck, Überstunden und einer hohen Arbeitsbelastung verbunden. Da bleibt das Privatleben vermutlich häufig auf der Strecke.
 
#„Teamfähigkeit“ – die Klausel ist zwar oft eine leere Formulierung, da sie lediglich dafür steht, dass der Arbeitgeber niemand schwieriges einstellen will, der Widerworte gibt und sich nicht einfinden kann. Ist die Forderung ernst gemeint, solltest du bei der neuen Arbeitsstelle allerdings davon ausgehen, dass Wert darauf gelegt wird, dass du dich und deine Ideen zurücknehmen kannst, da Einzelleistungen weniger verlangt werden, als ein effizientes Zusammenwirkungen in ganzen Gruppen.
 
#„ausreichende Kenntnisse“ – bei dieser Anforderung erwartet der Anzeigensteller, dass du die beschriebene Tätigkeit bestenfalls schon einmal ausgeübt, zumindest aber erste Erfahrungen gesammelt hat. Einen Experten erwartet  er aber nicht.
 
#„Qualifiziert“ – ist für einen Arbeitgeber in der Regel jemand, der nicht nur eine entsprechende Ausbildung bestanden, sondern auch Berufserfahrung im jeweiligen Gebiet mitbringt. Bei Neueinsteigern ist diese Floskel allerdings normalerweise kein Ablehnungsgrund.
 
#„fundierte Kenntnisse“ – bei der Suche nach Bewerbern mit fundierten Kenntnissen einer Materie solltest du für die Bewerbung gute und möglichst belegbare Kenntnisse besitzen.
 
„(sprachliche) Grundkenntnisse“ – sind meist nur Kann-Forderungen und kein KO-Kriterium in einer Bewerbung. Wer nur Grundkenntnisse voraussetzt, wird wohlmöglich auch über deren Fehlen hinwegsehen können, da sich Grundkenntnisse leicht aufarbeiten lassen. Dazu solltest du allerdings bereit sein und Interesse zeigen.
 
#„verhandlungssichere Sprachkenntnisse“ – erfordern ein hohes Sprachniveau, auf dem der Bewerber wichtige und komplizierte Texte und Geschäftsgespräche problemlos meistern können muss. Das gilt sowohl für schriftliche, als auch mündliche Verhandlungen.
 
#„Verantwortungsübernahme“ – hier wird zum einen vom Bewerber verlangt, dass er für seine Arbeit gerade stehen muss, also entweder eine Führungsposition inne hat, es wenige Vorgaben am angebotenen Arbeitsplatz gibt oder aber wohlmöglich Personal fehlt, was mit der neuen Stelle teilweise ausgeglichen werden muss. Diese Formulierung kann dabei auch leichtere Aufstiegschancen signalisieren.
 

#„Erfolgswille“ – diese Anforderung spricht für ein wettkampforientiertes Umfeld innerhalb der eigenen Arbeitsstelle und vergleichsweise hohe Anforderungen. Ebenso wie Zielstrebigkeit, heißt diese Anforderung vor allen Dingen, dass effiziente Arbeit (=bestmögliche Erledigung ihrer Aufgaben in möglichst kurzer Zeit) von ihnen gefordert wird.
 
#„Mobilität“ – du solltest über einen Führerschein und möglicherweise über ein eigenes Auto verfügen und wirst in der neuen Arbeitsstelle definitiv unterwegs sein. Möglicherweise wechselt auch dein Einsatzort des Öfteren komplett.
 
Die Wortwahl zur Beschreibung des Gehalts und was du daraus ablesen kannst
#„attraktives Gehalt“ – attraktiv für wen? Gehalt, das unter dem Tarif oder dem üblichen, durchschnittlich gezahlten Gehalt liegt, ist besonders für den Arbeitgeber attraktiv, aber nicht für dich!
 
#„Überdurchschnittliche Bezahlung“ – klingt gut, doch was wurde als Durchschnitt festgelegt und wie weit über dem Durchschnitt liegt die Bezahlung? Alles im allem eine sehr nichtssagende Floskel. Um zu vermeiden, dass du nicht nur auf einen protzenden Arbeitgeber hereinfällst, lohnt sich hier durchaus die Nachfrage.
 
#„Leistungsabhängige Vergütung“ – Was zunächst nach Boni-Zahlungen und fetten Provisionen klingt, kann sich auf der Kehrseite auch als mehr oder weniger willkürliche Bezahlung, möglicherweise unter dem Tarif bzw. der durchschnittlich üblichen Entlohnung liegend, herausstellen. Hier zählt eher nicht deine Leistung, sondern es zählen die Ergebnisse, die du erbringst und welchen Stellenwert dein Chef ihnen zumisst.
 
#„übliche Sozialleistungen“ – das Unternehmen zahlt zwar, was nötig ist. Mehr darfst du hier aber von vorherein eher nicht erwarten.
 
#„Investition in die Zukunft“ – schon die Wahl des Wortes Investition legt nahe, dass du bei dieser Arbeitsstelle zunächst in Vorleistung wirst gehen müssen, bevor die Stelle auch Geld für dich (z.B. in Form von Beteiligungen) abwirft.
 

Last but not least

#„Aussagekräftige Bewerbungsunterlagen“ – diese Umschreibung meint in der Regel den Nachweis aller bewerbungsrelevanten Unterlagen und nicht das Kreativitätslevel deiner Bewerbung. Neben der üblich in der Bewerbungsmappe enthaltenen Schreiben für Anschreiben und Lebenslauf, sollten möglichst auch alle Beschäftigungsverhältnisse und Kenntnisnachweise belegt werden. Solltest du nicht alles vorweisen können, sollte dich das natürlich nicht von einer Bewerbung abhalten.

Autorin: Christina Busse

(Quelle zum Beitrag: http://karrierebibel.de/stellenanzeigen-richtig-lesen/)  

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